In der Marketing im Pott-Serie “Start-up des Monats” haben wir Ihnen 2016 einige frische Ideen vorgestellt. Seitdem haben sich viele der anfänglichen Start-ups zu Unternehmen mit klaren Zielen weiterentwickelt. Heute schauen wir, was aus dem Start-up WG HELD in Essen geworden ist.

Seit unserem Bericht vor ungefähr zwei Jahren hat sich viel getan. Der Fokus des Unternehmens liegt jetzt im studentischen Weiterempfehlungsmarketing,
der Entwicklung von individuellen Student Brand Ambasador Konzepten und im Erlebnismarketing, welches mit den Studenten zusammen kreiert wird.
Des Weiteren ist Content Produktion, wie z. B. User Generated Content, ebenso ein Teil der Arbeit. Das neueste Projekt von “WG HELD” ist die App „UNIHELD“. Sie verfolgt ebenfalls das Ziel des Erlebnismarketings. UNIHELD soll alle deutschen Studierenden als eine Einheit verbinden und das Studentenleben durch signifikante Brands „noch“ angenehmer gestalten.

Um diesen beständigen positiven Effekt zu forcieren, gibt es im Marketing verschiedenste Möglichkeiten: Am effektivsten ist es, sinnliche Emotionen zu erwecken. Um erfolgreiches Erlebnismarketing zu betreiben, sollte man sich also mit dem Kunden und seinen Bedürfnissen beschäftigen. Um die Gefühle des Kunden anzusprechen, muss die Firma bzw. das Produkt sich mit eben diesen verbinden. Heißt, dass es für den Anbieter unerlässlich ist, sich mit aktuellen Trends zu beschäftigen um festzustellen, was sich potentielle Kunden wünschen. Dies geschieht beispielsweise auch in Supermärkten, die für Kunden immer häufiger eine angenehme Kaufatmosphäre schaffen, damit diese den Einkauf mit einem positiven Gefühl verbinden. Wie Erlebnismarketing bei “WG HELD” umgesetzt wird und was genau sich hinter „UNIHELD“ verbirgt, hat uns Genia Lewitzki von “WG HELD” im Marketing im Pott-Interview verraten:

Schön, dass wir uns wieder hören! Wie hat sich “WG HELD” in den letzten Jahren weiterentwickelt?

Genia Lewitzki: „Unser ehemalig kleines Startup WG HELD hat sich rasant entwickelt. Zur Zeit arbeiten bei uns elf festen Mitarbeiter an zwei Standorten. Seit Ende 2017 beziehen wir auch ein Büro in Hamburg, unsere zweite Wahlheimat. Mit WG Held sind wir nun in jeder wichtige Studi-Stadt vertreten & haben Campus Helden an den größten und wichtigsten Universitäten.

Neben unserem Kerngeschäft, dem Sponsoring von aktuell über 2000 WG-Partys jährlich, unterstützen wir nun auch die größten Fachschaften der jeweiligen Universitäten. Wir supporten mit unseren Brands große Orientierungsphasen, Mensa- und Audimax-Partys sowie zum Ende des Semesters wichtige Lernseminare und Wohnheimfeste. Seit mehreren Jahren setzen wir mit unseren Kunden gemeinsam innovative Brand Ambassador Kampagnen in der studentischen Zielgruppe um. Es entstehen immer mehr neue Kampagnen, mit denen wir jährlich über eine Million studentische Direktkontakte in über 85 Standorten generieren können. Zudem haben wir uns stärker im digitalen Bereich weiterentwickelt. Unser allerneuestes Baby, was gerade Laufen lernt, heißt UNIHELD und ist unser ganzer Stolz!“

Was steckt dahinter?

Genia Lewitzki: „Neben dem typischen Unialltag und der ganzen Feierei sind Studenten absolute Genussmenschen. Ganz nach dem Motto „Highlife on low budget“ wollen Studenten trotz schmaler Geldbörse das Maximum an Lebensqualität erreichen. Wir helfen dabei mit der UNIHELD App und fungieren als digitaler Studentenausweis der verifizierten Studenten, die beste Angebote in den studentenfreundlichsten Locations anzeigt. Wir gehen aktiv die Hotspots der jeweiligen Städte an und handeln für unsere Studis exklusive Angebote & Benefits aus. Zusätzlich beinhaltet unsere App wichtige große Online Player wie z. B. Reiseanbeiter, Lieferdienste & Technikbrands.“

Was unterscheidet UNIHELD von anderen Apps, die Ausgeh- und Freizeittipps oder studentische Angebote auflisten?

Genia Lewitzki: „Wir sind nicht einfach irgendwelche App-Entwickler mit einer Idee, sondern haben die Power und die Expertise in der studentischen Zielgruppe. Auf der einen Seite handeln wir jedes Angebot exklusiv mit unseren Partnern aus, zum anderen beraten wir unsere Partner darüber, welche Angebote einen signifikanten Einfluss auf dem Campus hätten. Wir wollen uns von den typischen gelernten Online-Studentenrabatten entfernen und mit absoluten Krachern bei den Studenten punkten. Außerdem können wir jedes Angebot nochmals zusätzlich mit einer Vielzahl von Kampagnen offline verlängern.“

Wie seid ihr auf die Idee gekommen eine App zu entwickeln?

Genia Lewitzki: „Wir fragen uns im Team, was würden Studenten (abgesehen von WG HELD) noch mega abfeiern, was gab es zu unserer Studienzeit noch nicht und was ist gerade der neuste “Shit”. Außerdem bekamen wir fast zeitgleich immer mehr Anfragen von Online Brands und lokalen Ketten. Somit organisierten wir schnell einige studentische Mafos in unseren Büros und kamen schnell auf UNIHELD! Wir wollten eine App, die nicht nur Online-Angebote anzeigt, sondern den Studenten einen täglichen Mehrwert vor Ort verschafft und parallel den lokalen Einzelhandel bzw. die lokale Gastronomie an die Zielgruppe bindet. Ehrlich gesagt stammt das Motto „Highlife on low Budget“ aus unserer eigenen Unizeit und ähnlich wie bei WG HELD wären wir damals schon total dankbar gewesen, wenn wir so etwas wie unsere App gehabt hätten.“

Das Thema App-Entwicklung ist sehr groß. Wie habt ihr euch ans Thema rangewagt? Gab es Schwierigkeiten?

Genia Lewitzki: „Wir hatten bereits anfängliche Erfahrungen in der App-Entwicklung gesammelt, haben das Projekt jedoch an Profis ausgesourct und die App in ganz enger Zusammenarbeit entwickelt. Klar, Schwierigkeiten gibt es immer, doch wir hatten besonders durch unser großes Studenten-Influencer-Netzwerk die Möglichkeit, jeden Schritt der App-Entwicklung mit unserer zukünftigen Zielgruppe zu reflektieren. Durch das Feedback konnten wir die App Schritt für Schritt optimieren – getreu dem Motto: Von Studenten für Studenten! Außerdem mussten wir uns technisch auf die jeweiligen Kassen-Abbuchungssysteme unserer Partner einstellen (QR-Code, Unique Code, usw.). Wir versuchen es den Unternehmen so wie den Studenten so einfach wie möglich zu machen.“

Mit Expertise in der studentischen Zielgruppe versucht WG HELD zu punkten. Foto: WG HELD

Mit Expertise in der studentischen Zielgruppe versucht WG HELD zu punkten. Foto: WG HELD

Was waren die nächsten Schritte, nachdem die App sozusagen „fertig“ war?

Genia Lewitzki: „ Da wären wir wieder beim größten Problem – was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Bei uns ging es von Anfang an darum, dass sowohl Angebote als auch Userzahlen gleichzeitig gepusht werden. Natürlich wurde vorab betrieblich etwas vorgelegt, aber gleichzeitig auch begonnen – und das natürlich weiterhin immer noch – Fachschaften auf unsere Specials der App hinzuweisen. Somit starten wir ab dem Wintersemester einige Ersti-Festivals, bei denen tausende von Studenten die Stadt und die lokale Gastronomie kennenlernen.

Im Zuge unserer Vermarktungsstrategie – welche zum größten Teil auf Word of Mouth und User Generated Content basiert – nutzen wir auch Social Media Kampagnen, um unsere neue App bekannt zu machen. Außerdem werden wir auch von unseren Partnern supportet.“

Wie geht es mit der App weiter? Welche Vorstellungen und Wünsche habt ihr für die Zukunft?

Genia Lewitzki: „Unser größtes Ziel ganz klar: Eine App zu etablieren, die die Studenten vom ersten Tag an im Studentenleben begleitet und dann nicht mehr wegzudenken ist. Darüber hinaus arbeiten wir an offiziellen Kooperationen mit Unis und Studentenwerken, die unsere App als offizielle Studentenapp am Campus integrieren.“

Steht immer noch das “Product-Placement” im Fokus eurer Firma?

Genia Lewitzki: „Product-Placement ist nach wie vor ein super wichtiger Bestandteil unserer Arbeit, wobei sich die Möglichkeiten hierbei in den letzten Jahren bedeutend vervielfacht haben. Wir setzen viel eher auf das Erlebnismarketing und versuchen die Produkte unserer Kunden online wie offline in das Studentenleben zu integrieren.“

Du sprichst außerdem von “Studenten-Influencern”, kannst du uns näher erklären was es damit auf sich hat?

Genia Lewitzki: „Unsere Studenten-Influencer besitzen ein großes Netzwerk an jeder Fakultät, begeistern ihr Umfeld und sind für jeden rund um den Campus ein Begriff. Sie sind unsere Augen und Ohren, unsere Ratgeber und die authentischen Markenbotschafter im Studentenleben. Ein hohes Maß an Social-Media-Affinität sowie ein charmantes Auftreten lassen sie schnell neue Kontakte knüpfen. Offen, kreativ und immer am Puls der Zeit, geben sie die Richtung in der Zielgruppe an und halten Ausschau nach neuen Möglichkeiten. Authentischer kriegt man keine Brand unter die Studenten.“

Die Zielgruppe Studenten hat sich nicht verändert, woran liegt das? Wo seht ihr die Vorteile in der Zusammenarbeit mit Studenten?

Genia Lewitzki: „Nach wie vor ist die Zielgruppe der Studenten die beste Zielgruppe, die es überhaupt gibt, weil sie eine immer sehr begeisterungsfähige, aber auch kritische Zielgruppe ist, die formbar, sehr loyal und vor allem auch mega dankbar ist. Durch die Zusammenarbeit mit den Studenten bekommen wir dauerhaft ehrliches Feedback und Tipps, die unsere App zu dem machen, was es heute ist.“

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

Eine eigene App programmieren zu lassen kann, wie im Fall von WG Held, ein komplett neues Geschäftsfeld eröffnen und die bereits bekannten Produkte und Inhalte des Unternehmens unterstützen. Allerdings ist es nicht in jeder Branche die beste Lösung. Hier gilt es vorab alle Chancen und Risiken abzuwägen.

WG Held ist ein gelungenes Beispiel, wie sich ein Start-up innerhalb von ein paar Jahren entwickeln und sein Produktportfolio erweitern kann.

Nina Blumenrath

Von Nina Blumenrath

Ist derzeit Studentin Master Medienkulturwissenschaft.