Marketing im Pott – der Marketing-Blog für das Ruhrgebiet

Werbekostenzuschüsse – Finanzielle Hilfe für Ihr Marketing

Veröffentlicht am 29.02.2016 in Marketing

WerbekostenzuschuesseMachen wir uns nichts vor, Werbung ist teuer. Schließlich ist der Entwurf einer professionellen Marketingkampagne mit einer ganzen Menge Arbeit verbunden und sollte ganz sicher nicht von Laien übernommen werden.

Vermutlich kennt jeder eine Werbung, die so grauenvoll ist, dass es einen vor Entsetzen schüttelt. Doch Grafikdesigner und Texter wollen bezahlt werden, Zeitungen überlassen einem ihren Anzeigenplatz nicht umsonst und Sendezeit im Radio hat auch seinen Preis.

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen stoßen schnell an die Grenzen ihres Budgets.

Abhilfe schaffen können Werbekostenzuschüsse – mit ihnen lässt sich ein Teil der entstehenden Kosten auffangen.

Was sind Werbekostenzuschüsse?

Unter Werbekostenzuschüssen (WKZ) – im Fachjargon auch gerne mit MDF für Market Development Fund abgekürzt – versteht man einen Geldbetrag, der einem Handelsunternehmen vom Hersteller des Produktes zu Werbezwecken überlassen wird.

In der Praxis können WKZ allerdings die unterschiedlichsten Formen annehmen, denn auch Sachleistungen und Waren lassen sich als WKZ abrechnen.

  • Sie lassen einen Warenkatalog für Ihr Unternehmen drucken oder lassen Anzeigen schalten. Dafür, dass seine Produkte besonders prominent platziert werden übernimmt der Hersteller einen Teil der Kosten.
  • Sie verpflichten sich zur Abnahme einer bestimmten Menge eines Produktes, als Gegenleistung gewährt der Hersteller einen Naturalrabatt. Dieser versetzt Sie wiederum in die Lage, das Produkt im Rahmen einer Sonderaktion zu einem besonders attraktiven Preis zu verkaufen.
  • Der Hersteller überlässt Ihnen kostenlos einen Sachgegenstand, der in Zusammenhang mit seinem Produkt steht und verkaufsfördernd wirken kann. Denkbar ist hier so gut wie alles – von einer Vitrine, auf der der Name des Produktes prangt, über eine Zapfanlage mit dem Label der Brauerei bis hin zum bedruckten Haartrockner für den Friseursalon.
  • Auch der umgekehrte Fall fällt rechtlich gesehen in den Bereich der WKZ: Der Hersteller schaltet selbstständig Anzeigen oder druckt Flyer und weißt in diesen drauf hin, dass Ihr Unternehmen seine Waren vertreibt. Sie verpflichten sich im Gegenzug beispielsweise, exklusiv die Produkte des Herstellers zu verkaufen.

Wie auch immer WKZ in der Realität für Ihr Unternehmen aussehen könnten, die vertragliche Grundlage bildet stets eine WKZ-Vereinbarung, in welcher die genauen Bedingungen festgelegt werden, wie und wann ein Hersteller WKZ gewährt.

Gemeinhin war es lange Zeit üblich, dass zahlende Unternehmen einen Nachweis über die tatsächlichen Aufwendungen für geschaltete Werbung verlangen. Vermehrt setzt sich aber die Praxis durch, WKZ auch ohne einen solchen direkten Nachweis zu gewähren.

Als Messlatte können stattdessen zum Beispiel der erzielte Umsatz oder die Anzahl der Neukunden festgelegt werden. Dabei wird pauschal angenommen, dass eine Ertragssteigerung ohne Werbung nicht möglich gewesen wäre.

Der Vorteil für das Handelsunternehmen ist hier eine freiere Hand bei der Ausgestaltung seiner Marketingmaßnahmen und für den Hersteller ein geringerer Verwaltungsaufwand.

Wer bekommt Werbekostenzuschuss? Und vor allem wie?

WKZ kann jedes Handelsunternehmen beziehungsweise jeder Vertriebspartner bekommen, welcher die Waren eines Herstellers an andere Unternehmen oder Endkunden weiterverkauft.

Größe und Art des Handelsunternehmens spielen dabei keine Rolle – es kann sich um einen Einzelhändler mit zahlreichen Filialen handeln, genauso gut aber auch um die kleine Gastronomie an der Ecke.

So unterschiedlich wie die Unternehmen, welche Werbekostenzuschüsse beziehen können, so verschieden sind auch die Wege, auf denen ein WKZ beantragt werden kann. Es gibt Fälle, in denen kommt der Hersteller schon bei Abschluss des ersten Liefervertrags von sich aus auf das Thema Werbekostenzuschuss zu sprechen – schließlich profitiert auch er von einem erhöhten Umsatz.

Oft allerdings ist Eigeninitiative von Nöten. Im günstigsten Fall hält der Hersteller dann auf seiner Homepage ein Formular für die Beantragung von Werbekostenzuschüssen bereit, andere wollen lieber persönlich kontaktiert werden.

Der richtige Ansprechpartner ist in der Regel die Marketingabteilung. Einen starren, rechtlichen Rahmen für eine WKZ-Vereinbarung gibt es dabei nicht, zahlreiche Formen der Unterstützung für die eigenen Marketingmaßnahmen sind denkbar.

Bargeld oder Scheck als direkte Beteiligung an den Werbekosten oder gemessen am Umsatz, Sachleistungen oder ein Naturalrabatt. Ein wenig Verhandlungsgeschick und Fingerspitzengefühl allerdings sind natürlich von Vorteil.

Welche Probleme kann es geben?

Als Vertriebspartner oder Handelsunternehmen sind WKZ eine sichere und lohnende Möglichkeit, das eigene Marketingbudget ein wenig aufzubessern. Nur wenige, grundsätzliche Dinge sollten beachtet werden.

Vorsicht ist geboten bei WKZ-Vereinbarungen, die eine rückwirkende Zahlung vorsehen. In solch einem Fall ist der Hersteller nur zu einer Zahlung verpflichtet, wenn eine Marketingmaßnahme tatsächlich zu einem messbaren Erfolg, also einem gestiegenen Umsatz oder mehr Neukunden geführt hat, beziehungsweise erstattet Ihnen nur einen Teil der Werbemaßnahmen, für die Sie bereits tatsächlich aufgekommen sind.

Bleibt der Erfolg der Kampagne aus, haben Sie das Nachsehen. Das Wichtigste allerdings ist zu wissen, wie Sie WKZ in Ihrer Buchführung zu behandeln haben. Um keine unliebsame Post vom Finanzamt zu bekommen, beachten Sie Folgendes:

  • Erhalten Sie einen vereinbarten Werbekostenzuschuss in bar oder als Scheck, müssen Sie dies in jedem Fall als Betriebseinnahme verbuchen.
  • Rechnet der Hersteller per Gutschrift ab und stellen Sie eine Rechnung über den vereinbarten WKZ, vergessen Sie nicht, Umsatzsteuer auszuweisen.
  • Die unentgeltliche Lieferung von Gegenständen des Anlagevermögens, also Sachleistungen, ist in Höhe des Gegenstandswertes als sonstige betriebliche Erträge zu erfassen. Dafür dürfen Sie diesen Wert über den Zeitraum der Nutzungsdauer abschreiben.
  • WKZ als Naturalrabatt sind ebenfalls als sonstige betriebliche Erträge zu verbuchen.

Ansonsten sollte einem Zuschuss zu Ihrem Marketingbudget nichts mehr im Wege stehen. Viel Spaß beim Verhandeln!

kostenloses E-Book: Der stationäre Einzelhandel im digitalen Zeitalter

verwendete Bilder: © ViennaFrame - Fotolia.com

  • Kommentare zu diesem Artikel öffnen