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Werbegemeinschaften: Gemeinsam mehr erreichen

Veröffentlicht am 15.11.2016 in Marketing & Management

Lokaler Einzelhandel kann durch Werbegemeinschaften Kunden binden. Foto: Milkos/Fotolia.com

An vielen Orten gibt es sie. In kleinen Städtchen, großen Ballungsräumen oder konzentriert an einem Platz, zum Beispiel in Einkaufscentern: Werbegemeinschaften. Aber was genau sind Werbegemeinschaften und warum sind sie heutzutage so nützlich?

Werbegemeinschaften verfolgen als Zusammenschluss mehrerer Händler und Dienstleister das Ziel, ihre Region als Gesamtes und die Möglichkeiten für Kunden an den entsprechenden Orten attraktiver darzustellen.

Das Sauerland besteht, im Gegensatz zu den Ballungszentren im Ruhrgebiet, aus eher ländlichen Regionen. Hier profitieren vermehrt kleinere Unternehmen von den Synergieeffekten einer Werbegemeinschaft. Als „Randsauerländer“ mit Wohnsitz an der Grenze zum Sauerland fallen mir einige Beispiele dieser Zusammenschlüsse ein. Über eine dieser Gemeinschaften möchte ich heute in meinem Blog berichten.

Dafür habe ich mit Helmut Schmücker, Vorsitzender der „Fachwelt Olsberg“ im Hochsauerlandkreis, gesprochen. Er erklärt die Charakteristika und Vorteile von Werbegemeinschaften.

Herr Schmücker, können Sie mir kurz ein paar Fakten zur Fachwelt Olsberg geben?

Helmut Schmücker von der Werbegemeinschaft Sauerland berichtet von Synergieeffekten durch Gemeinschaftswerbung. Foto: PrivatHelmut Schmücker: „Die Werbegemeinschaft der Fachwelt Olsberg hat aktuell rund 160 Mitglieder. Zu diesen zählen vorrangig Einzelhändler, aber auch Dienstleister und Mitglieder von ortsnahen Gremien.“

Welche Gründe gab es für Sie, sich damals einer Werbegemeinschaft anzuschließen?

Helmut Schmücker: „Meine Beweggründe kann ich gar nicht mehr nennen, das ist schon zu lange her. Aber Gründe von aktuellen Interessenten sind unter anderem die sich ergebenen Synergieeffekte, beispielsweise bei Gemeinschaftswerbungen oder durch gemeinsame Auftritte bei Veranstaltungen. Das hierdurch entstehende Zusammengehörigkeitsgefühl wird von den Mitgliedern sehr geschätzt.“

Gibt es bestimmte Aufgaben und Ziele, die Sie mit der Fachwelt Olsberg verfolgen? Können Sie Beispiele von Aktionen Ihrer Werbegemeinschaft geben?

Helmut Schmücker: „Beispiele sind unter anderem die Verkaufsoffenen Sonntage, die von der Fachwelt initiiert werden. Natürlich zählt zu den Aktionen auch der kulinarische Herbst, zu dem wir jährlich verschiedene lokale Gastronomen gewinnen können, die während der zweiwöchigen Aktion eine exklusive Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten anbieten.

Ein weiterer großer Punkt ist gerade hier im Sauerland die Weihnachtszeit und die dazugehörige Beleuchtung in der Stadt, für die hier in Olsberg allein die Werbegemeinschaft aufkommt. Ein weiteres Highlight in diesem Jahr war das Event „Olsberg gestaltet Zukunft“ mit einem Frühstück auf der Olsberger Ruhrstraße.

Die Idee dahinter war, dass durch eine Baustelle lange Zeit nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten gegeben waren, die Geschäfte zu erreichen. Mit einem „Baustellenfrühstück“ konnten wir die Besucher in die Ruhrstraße locken und zeigen „wir sind noch da.“ Allein ist so etwas organisatorisch kaum zu stemmen – in der Gemeinschaft klappt es jedoch hervorragend, wie man an den verschiedenen Beispielen sieht.“

Welche Besonderheiten muss man bei Aktionen und Kampagnen einer Werbegemeinschaft im Sauerland beachten (Stichwort Demographie, Werbemittel, etc.) und wie begegnen Sie diesen?

Helmut Schmücker: „Es ist vermutlich etwas schwierig, gewisse Besonderheiten einer bestimmten Region zuzuordnen. Generell würde ich allerdings behaupten, dass eine Werbegemeinschaft gerade in kleineren Orten und Bezirken wichtig ist, da diese kaum die Mittel haben, Mitarbeiter für das Marketing oder die Öffentlichkeitsarbeit zu stellen. Somit fällt auf die Werbegemeinschaft neben den schon genannten Tätigkeiten auch die Aufgabe des Stadtmarketings. Die Imagepflege und der Erhalt der Attraktivität für Besucher und Kunden stehen dabei an erster Stelle.“

Wie schätzen Sie die Bedeutung von Werbegemeinschaften in der heutigen Zeit (z. B. vor dem Hintergrund des Onlinehandels) ein?

Helmut Schmücker: „Die Bedeutung der Werbegemeinschaft steigt meines Erachtens an, denn, wie wir eben schon festgestellt haben, es geht um die Gemeinschaft, in der man mehr erreichen kann als ein Einzelkämpfer. Wir arbeiten gerade auch an einem übergreifenden Kundenbindungssystem, um dem lokalen Einzelhandel die Möglichkeit zu geben, den Kunden durch ein Bonussystem an sich zu binden. Einzelne Händler haben hier wesentlich geringere Möglichkeiten als eine Werbegemeinschaft bestehend aus verschiedenen Händlern und Dienstleistern. Zusätzlich gibt es noch übergeordnete Werbegemeinschaften, zu denen sich wiederum mehrere Werbegemeinschaften zusammenschließen.

Gerade vor dem Hintergrund der neuen Regelung zu den Verkaufsoffenen Sonntagen, die vermehrt vor dem Aus stehen, hat eine große Werbegemeinschaft ein besseres Standing zum Beispiel vor den Gesetzgebern, also hier im Speziellen den Landtagsabgeordneten, um Ihre Interessen zu bekunden.“

Vielen Dank für das nette Gespräch.

Werbegemeinschaften mit ihren aufmerksamkeitsstärkenden Aktionen und auch Kundenbindungssystemen bilden aktuell eine gesunde Basis für den Wettbewerb mit den Online-Händlern und ihren wachsenden Marktanteilen.

Die Verkaufsoffenen Sonntage und deren Kürzungen stellen viele Einzelhändler gerade im Vorweihnachtsgeschäft vor große Herausforderungen. Der Verkaufsoffene Sonntag bietet die Gelegenheit, sich gegenüber dem Online-Handel (dort wird vermehrt sonntags geshoppt) attraktiv zu positionieren. Hier kann die Werbegemeinschaft, vor allem bei Zugehörigkeit übergeordneter Gemeinschaften, durch eine hohe Anzahl an Interessenvertretern in der Positionierung dort punkten, wo einzelne Händler oder Dienstleister kaum gehört werden.

Somit gehören meiner Ansicht nach Werbegemeinschaften gerade in ländlichen Regionen wie dem Sauerland zu einer sinnvollen und vor allem notwendigen Institution, um gegen den stärker werdenden Online-Handel großer Unternehmen zu bestehen und die Attraktivität des Einkaufserlebnisses vor Ort zu sichern und auszubauen.

 

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