, WerbungWer nicht hören will, muss fühlen: eine öffentliche Rüge!
  • View Larger Image Der Werberat kann Unternehmen dazu auffordern, fragwürdige Werbung nicht mehr weiter in der Öffentlichkeit einzusetzen. Foto: Deutscher Werberat

    Der Werberat kann Unternehmen dazu auffordern, fragwürdige Werbung nicht mehr weiter in der Öffentlichkeit einzusetzen. Foto: Deutscher Werberat

Wer nicht hören will, muss fühlen: eine öffentliche Rüge!

Wenn ich das Wort „Rüge“ höre, muss ich immer an alte Kinderfilme denken. Sei es Michel aus Lönneberga oder Heidi. Wenn Kinder nicht gehorchten, wurden sie von ihren Eltern oder Lehrern getadelt. Ihr Fehlverhalten wurde dann auch meistens bestraft.

Auch wenn in der heutigen Zeit wohl keiner mehr zum Schnitzen in den Schuppen gesperrt wird, so müssen Erwachsene auch in der heutigen Zeit ihre Kinder zur Ordnung rufen.

Ähnlich ist das auch in der deutschen Werbewirtschaft. Nur, dass sich hier nicht die Eltern einmischen, sondern ein Jedermann seine Beschwerde vorbringen kann. Am 14.10.2016 hat der Deutsche Werberat sechs Unternehmen wegen sexistischer Werbung öffentlich gerügt.

Aber was ist eine öffentliche Rüge genau und wozu gibt es überhaupt einen Deutschen Werberat? Und wann ist Werbung abmahnfähig? Ich habe versucht, diese und weitere Fragen in meinem Blog zu klären.

Der Deutsche Werberat

Der Deutsche Werberat wurde im Jahr 1972 gegründet und kümmert sich seitdem um die Regulierung und Beschränkung der kommerziellen Werbung. Neben dem staatlich geregelten Verbraucherschutz, z. B. durch das Verbot der irreführenden oder jugendgefährdenden Werbung, sorgt der Werberat dafür, dass auch Werbung, die juristisch nicht zu beanstanden ist, gemaßregelt wird.

Wenn die umworbenen Bürger Werbemaßnahmen als anstößig empfinden, können sie beim Deutschen Werberat eine Beschwerde einreichen. Gründe dafür können z. B. Werbemaßnahmen sein, die nicht zu ihrem Werteverständnis passen oder als diskriminierend, herabwürdigend oder beleidigend empfunden werden.

Der Deutsche Werberat gehört keiner staatlichen Institution an, sondern gilt als Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft. Er übernimmt die Rolle des Schiedsrichters zwischen Verbrauchern und Unternehmen. Schon eine einzige Beschwerde reicht aus, damit ein Verfahren gegen das Unternehmen aufgenommen wird.

Sanktionen sind eher selten

Das Entscheidungsgremium – bestehend aus 15 gewählten Experten – entscheidet über die beanstandete Werbemaßnahme. Der Werberat kann anschließend die Unternehmen dazu auffordern, die fragwürdige Werbung nicht mehr weiter in der Öffentlichkeit einzusetzen oder sie entsprechend abzuändern.

Die meisten Unternehmen kommen dieser Aufforderung nach. Nach eigener Aussage auf seiner Website konnte sich der Werberat in den letzten 40 Jahren bei 96 % der Beanstandungen durchsetzen und musste nur selten eine öffentliche Rüge aussprechen.

Bei einer öffentlichen Rüge wird die Öffentlichkeit – im speziellen die Redaktionen der Massenmedien – über die Beanstandung des Werberates informiert. Diese können dann eine entsprechende Mitteilung darüber herausgeben.

Anstößig und sexistisch

Vor drei Wochen hat der Deutsche Werberat wieder sechs Unternehmen gerügt. Dabei handelte es sich ausschließlich um sexistische und frauenherabwürdigende Werbung. Trotz der Aufforderung des Deutschen

Werberates wurden die Werbemaßnahmen von den Unternehmen nicht eingestellt.

Das groß abgebildete Wort „Schärfer“ verleiht dem Motiv eine klare Assoziation. Foto: Deutscher Werberat

Ein Beispiel dafür ist die Baumgartner Optik DEZ KG aus Regensburg,welche auf ihrer Homepage und ihrem Transporter ein Motiv abgebildet hat, welches eine Frau in Unterwäsche zeigt. Diese befindet sich zudem in einer anzüglichen Pose. Auch das daneben groß abgebildete Wort „Schärfer“ verleiht dem Motiv eine klare Assoziation.

Auch die Außenwand von „Riffels Bar und Grill“ in Hannover führte zu Beschwerden. Darauf zu sehen ist eine nackte Frau im Pin-up-Stil, die auf einer übergroß dargestellten Wurst sitzt.

Für mich persönlich ist diese Werbemaßnahme von allen sechs gerügten Unternehmen am eindeutigsten. Hier wird der Blick des Verbrauchers nur auf den nackten Frauenkörper gelenkt. Ein nachvollziehbarer Zusammenhang, der dieses Motiv rechtfertigen würde, erschließt sich mir nicht.

Das selbe Bild wie das erste nur ohne rote Karte.

Hier wird der Blick des Verbrauchers nur auf den nackten Frauenkörper gelenkt. Foto: Deutscher Werberat

Wenn Sie sich alle gerügten Werbemaßnahmen anschauen möchten, können Sie das über die Pressemitteilung des Deutschen Werberates machen. Klicken Sie die Unternehmensnamen an, dann erscheinen die gerügten Motive.

Fazit

Auch wenn sich unsere Gesellschaft in den letzten Jahren weiterentwickelt hat und bei weitem nicht mehr so konservativ und zugeknöpft ist, wie noch vor ein paar Jahrzehnten, halte ich den Deutschen Werberat für eine sehr wichtige Instanz.

Ohne die Möglichkeit der Beschwerde müssten die Verbraucher jede Werbung akzeptieren, auch wenn sie sich davon gestört fühlen. Hin und wieder stoßen Marketer über das Ziel hinaus, wenn es darum geht, möglichst große Aufmerksamkeit für ihr Unternehmen oder ihre Marke zu schaffen. Manchmal ist es eben doch nötig, dass wir für unser Fehlverhalten gerügt werden.

Kati Blumenrath

Von Kati Blumenrath

Arbeitet seit 2014 als Projektmanagerin und Bloggerin für Marketing im Pott.

Von | 2017-07-20T11:39:25+00:00 3. November 2016|Marketing, Werbung|0 Kommentare

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