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Webseiten optimieren nach dem Oma-Prinzip

Eine Unternehmensseite ist nicht automatisch gut, nur weil sie in den Google-Suchergebnissen weit vorne liegt. Anstatt lediglich Geld in Suchmaschinenoptimierung zu investieren, sollten Firmeninhaber auch sonstige Verbesserungsmöglichkeiten ihrer Webauftritte im Blick haben.

Dass diese Komponente oft vernachlässigt wird, weiß Professor Dr. Michael Bernecker, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Marketing in Köln. Er und seine Mitarbeiter forschen, beraten und trainieren im Kompetenzfeld Marketing & Vertrieb. Dazu gehört auch die Analyse von Unternehmenswebseiten nach dem sogenannten Oma-Prinzip, das aufdeckt, wo Firmen ihren Webauftritt nachbessern sollten.

Herr Dr. Bernecker, was genau ist das Oma-Prinzip?

Interviewpartner Prof. Bernecker

Bild: Prof. Dr. Michael Bernecker

Wir nennen es das Oma-Prinzip, weil die Oma für uns der Prototyp des wenig erfahrenen Internetnutzers ist. Viele Marketingleute, die Webseiten konzipieren und designen, können nicht mehr nachvollziehen, welche Probleme Internetsuchende haben.

Dann sieht eine Firmenseite vielleicht toll aus, die Besucher finden sich darauf aber nicht zurecht. Damit Unternehmer nicht in diese Falle tappen, wollen wir mit dem Synonym Oma vermitteln, wie sich ein uninformierter Kunde verhält und wie man auf ihn eingehen sollte.

Wie genau nutzen Sie dieses Prinzip zur Website-Optimierung?

Wir tun tatsächlich genau das, was der Name sagt: Wir setzen die Oma – oder eine andere Person, die der Zielgruppe der Webseite entspricht – vor den PC und stellen der- oder demjenigen eine bestimmte Aufgabe. Das kann zum Beispiel sein, auf der Webseite die Öffnungszeiten der betreffenden Firma oder eine Anfahrtsskizze zu finden.

Beim Ausführen dieser Aufgabe wird die Testperson entweder gefilmt oder von einem unserer Mitarbeiter beobachtet.

Pro Webseite gibt es Tests mit etwa zehn Personen. Hier zeigt sich, wo es an einer Seite hapert:

  • Ist sie barrierefrei, kann der Kandidat auch mit einem älteren Gerät darauf zugreifen?
  • Wie wird die Seite auf mobilen Geräten angezeigt?
  • Wie schnell findet sich jemand auf der Webseite zurecht, der sie noch nie besucht hat?
  • Wie lang braucht die Seite, um zu laden?
  • Entsprechende Tests kann natürlich jeder Unternehmer auch selbst für seine Seite durchführen, indem er Familienmitglieder oder Freunde bittet, sie auszuprobieren und bestimmte Infos darauf zu finden.

Was ist wichtiger: Die Optimierung für Suchmaschinen oder die für Besucher der Seite?

Natürlich ist beides wichtig, teilweise überschneiden sich diese Maßnahmen ja auch. Wenn eine Seite zu langsam lädt, wird der Nutzer sie wegklicken und eine andere öffnen. Gleichzeitig ist die Ladegeschwindigkeit auch für Google ein Riesenthema. Wer hier optimiert, schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe. Viele Firmen optimieren ihre Webseiten aber nur für Google. Letztlich muss sich jedoch auch die Suchmaschinenoptimierung am Nutzerverhalten orientieren. Wenn die Oma einen Elektriker in der Nähe sucht, wird sie beispielsweise nach „Elektriker in Dortmund“ googlen, nicht nach „Elektro Schmitz“.

Wenn ich meine Seite dann auf das Keyword „Elektro Schmitz“ optimiert habe, nutzt mir das natürlich nichts. Problematisch wird es grundsätzlich immer auch dann, wenn eine Webagentur verspricht: „Wir bringen Sie bei Google auf Seite eins.“ Da wird eine Webseite dann häufig nur für ein einziges Keyword optimiert. Das bringt zwar vielleicht kurzfristigen Erfolg, auf Dauer können Sie den Platz in den Suchergebnissen aber so nicht halten und fallen wieder zurück.

Welchen Fehlern begegnen Sie auf Firmenseiten am häufigsten?

Dass sich Unternehmer oder ihre Agenturen keine Gedanken über die Bedürfnisse der Kunden machen.

Dabei ist beim Gestalten und Optimieren einer Webseite die konsequente Orientierung am Kunden genauso wichtig wie bei jeder anderen Marketingmaßnahme.

 

Katharina Bösch

Von Katharina Bösch

Arbeitet seit 2012 als Leiterin des Redaktionsteams eines Beratungsportals für Medienunternehmen.

Von | 2017-07-28T09:17:26+00:00 12. Dezember 2014|Best Practice, Digital|0 Kommentare

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