, Werben im PottWas sind die Aufgaben des Stadtmarketings? – Ein Beispiel aus Mülheim

Was sind die Aufgaben des Stadtmarketings? – Ein Beispiel aus Mülheim

Ohne eine gut geplante Marketingstrategie lassen sich die wenigsten Produkte richtig gut verkaufen. Ich denke, bei diesem Punkt würden Sie mir alle zustimmen. Um die Aufmerksamkeit unserer potenziellen Kunden zu wecken, werden Plakate aufgehängt, Radiospots ausgestrahlt oder Guerilla-Aktionen geplant.

Wenn es aber darum geht, Marketing für eine Stadt oder eine Region zu betreiben, muss man andere Ansätze verfolgen. Hierbei steht vor allem das Event-Marketing im Vordergrund oder auch Initiativen, um Besonderheiten der Region hervorzuheben und zu schützen oder das Image der Stadt zu stärken

Für meinen Blog hatte ich die Möglichkeit mit Inge Kammerichs, Geschäftsführerin der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST), über die alltäglichen und manchmal auch eher unüblichen Aufgaben des Stadtmarketings in Mülheim zu sprechen.

Welche Bedeutung hat das Stadtmarketing für die eigene Stadt im Allgemeinen? Welche klassischen Aufgaben übernimmt das Stadtmarketing?

Ein Bild der Gesprächspartnerin Inge Kammerichs.

Inge Kammerichs: „Der Klassiker ist selbstverständlich die Werbung für die Stadt (und Region) nach außen, um die Zielgruppe von Tagesgästen und Touristen anzusprechen. Ebenso möchten wir mit unserer Arbeit Identifikation stiften, also die Einwohnerinnen und Einwohner erreichen.

Dazu müssen wir sowohl attraktive Reisemotive wie auch lokale Angebote wie Stadttouren oder Wikingerfahrten auf der Ruhr konzipieren, die übrigens von Einheimischen ebenso gern wie von Gästen genutzt werden. Und wir sehen uns stets als Teil des regionalen Angebotes, was etwa mit dem RuhrtalRadweg oder Ruhrgebietstouren deutlich wird. Stadtmarketing ist gerade in der Metropole Ruhr ein immer wichtigerer, sogenannter weicher Standortfaktor geworden.“

Im Editorial der „MST aktuell“ vom Februar 2016 haben Sie selbst gesagt, dass die MST neben z. B. Veranstaltungen und hochwertigen Broschüren auch für das Stadtmarketing eher unübliche Aufgaben übernimmt. Was meinen Sie genau damit?

Inge Kammerichs: „Sehr ungewöhnlich dürfte der Fakt sein, dass sich Immobilien wie die Schlösser Broich und Styrum, das Kultur- und Kongresszentrum Stadthalle oder das Museum zur Vorgeschichte des Films im Besitz der MST befinden: Wir haben die hohe Verantwortung, diese Denkmäler umsichtig und behutsam für die nächsten Generationen zu bewahren, sie aber auch einer sinnvollen Nutzung zuzuführen und damit ihren Erhalt zu sichern. Eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, diese Nutzungen in den Denkmälern umzusetzen und dabei den komplexen gesetzlichen Anforderungen und Kundenansprüchen gleichermaßen gerecht zu werden!“Das Foto eines Schlosses in Mühlheim.

Ich habe gelesen, dass Sie in diesem Jahr gleich mehrere Jubiläen haben: Die MST wird 15 Jahre, die Stadthalle 90 Jahre und die Camera Obscura 10 Jahre alt. Wie wichtig sind diese Immobilien, die von der MST unterhalten werden?

Inge Kammerichs: „Es sind allesamt Denkmäler von hohem stadthistorischen und kulturellen Wert: Schloß Broich etwa gilt als bedeutendste spätkarolingische Anlage im deutschen Sprachraum. Es sind lebendige Denkmäler mit unterschiedlichster kultureller Nutzung vom Theater- und Konzerthaus wie die Stadthalle, dem Museum zur Vorgeschichte des Films mit der Camera Obscura in einem ehemaligen Wasserturm bis zum Kulturzentrum Ringlokschuppen. Diese Häuser stehen allen offen, größtenteils auch für private Anmietungen. Die Stadthalle ist als Kongresszentrum zudem ein Wirtschaftsfaktor und generiert u.a. Übernachtungen.“

 

Wo wir schon bei Immobilien sind: Das Schloss Broich wurde auch in diesem Jahr weiter saniert. Neben der Unterstützung von Bund und Land wurde auch eine eigene Aktion ins Leben gerufen. Dabei wurde z. B. ein limitiertes Briefmarkenset mit Motiven vom Schloss verkauft. Wie kam es zu dieser Idee und wie wurde die Aktion angenommen? Ich habe gehört, dass es sogar eine zweite Edition gab?

Inge Kammerichs: „Dies war nur ein Teil unserer „Schloss-Retter“-Kampagne, die in unserem Haus konzipiert und umgesetzt wurde. Große Banner an der Schloßmauer, mit denen sich Firmen sehr plakativ als Unterstützer „outen“ können, viele tolle von engagierten Mülheimern initiierte Spendenaktionen, Tassen im eigenen Design oder die „Schloss-Retter“-Homepage sind weitere Beispiele dafür.

Unser Ziel: Wir wollten Transparenz bei der Sanierung erreichen und die Mülheimerinnen und Mülheimer, denen das Schloß wirklich am Herzen liegt, „mitnehmen“. Jeder kann sich nach seinen Möglichkeiten einbringen. Dass Einzelpersonen ebenso wie Vereine oder Firmen dabei so kreativ und erfolgreich sind, freut uns sehr. Außerdem sind die Spenden an die Stadt Mülheim an der Ruhr selbstverständlich ein willkommener Beitrag zur Finanzierung.“

Sie sind seit 2008 Geschäftsführerin bei der MST. Was war in dieser Zeit bisher Ihr persönliches Highlight?

Foto eines Konzerts auf der Ruhrbühne.Inge Kammerichs: „Es gab sehr viele Highlights! 2008 waren es die wunderbaren, großen und vielfältigen Veranstaltungen zum Stadtjubiläum. 2010 konnten wir bei der Kulturhauptstadt die Events in einen großen Rahmen, den Ruhrgebietskontext, einbinden – das war wirklich grandios. In diesem Jahr hat (nicht nur) mich Bob Geldof auf der RUHRBÜHNE begeistert. Über die positive Entwicklung der Stadthalle und das Veranstaltungsformat „Kulinarischer Treff“, das Jahr für Jahr immer noch ein Stückchen besser und beliebter wird, freue ich mich ebenso sehr.“

Was können wir in den letzten zwei Monaten des Jahres in Mülheim noch an Veranstaltungen von der MST erwarten?

Inge Kammerichs: „Selbst zum Jahresende bieten wir noch zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen: Das beginnt beim großen Umzug zu St. Martin, hier „Ssinter Mätes“ genannt, und erstreckt sich bis zu zahlreichen weihnachtlichen Events: Der Weihnachtstreff mit vielen Kinder-Aktionen unserer Sponsoren, der MülheimPartner, die Schiffsweihnacht auf den Booten der Weißen Flotte, die mittelalterliche Schloß Weihnacht und auch der verkaufsoffene Sonntag stehen in der Adventszeit auf dem Programm.“

Ein Bild des Weihnachtsmarktes von Mühlheim.

 

Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: Was erwartet die Bürger in Mülheim in 2017?

Inge Kammerichs: „Sie können sich wieder auf unseren gesamten Parcours freuen: also auf Events, Unterhaltung und Infos für alle Zielgruppen und Altersstufen. Von Sport über Musik bis Mittelalter-Verstaltungen und Gastronomie ist erneut alles dabei. Eine breite Basis von engagierten Kooperationspartnern aus nahezu allen gesellschaftlichen Gruppen ist mit uns „im Boot“. Für dieses bewährte, gute Miteinander möchte ich an dieser Stelle allen herzlich danken!“

Und ich danke Ihnen für das nette Gespräch.

Natürlich haben wir nun einen sehr speziellen Blick auf die Aufgaben der MST geworfen. Allerdings glaube ich, dass es viele Gemeinsamkeiten mit anderen Städten geben wird. Der Spagat zwischen den Erwartungen der eigenen Einwohner und den Bedürfnissen des Stadttourismus muss mit Sicherheit auch in anderen Regionen bewältigt werden.

Jedes Stadtmarketing versucht, die eigene Stadt als Wirtschaftsfaktor zu fördern und die Kultur der Region zu erhalten.

Werfen Sie doch mal einen genauen Blick auf die Marketingaktivitäten in Ihrer Stadt – ich bin mir sicher, dass es sich lohnt.

Kati Blumenrath

Von Kati Blumenrath

Arbeitet seit 2014 als Projektmanagerin und Bloggerin für Marketing im Pott.

Von | 2017-07-28T09:27:24+00:00 22. November 2016|Marketing, Werben im Pott|0 Kommentare

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