, WerbungVisual Merchandising: Wie Sie Ihr Schaufenster in Szene setzen

Visual Merchandising: Wie Sie Ihr Schaufenster in Szene setzen

Vier Schaufensterpuppen ohne Kopf stehen nebeneinander. Alle tragen Jeans und unterschiedlich farbige Hemden.

Bild: glamour111 – Fotolia.com

Auch im digitalen Zeitalter geht nach wie vor einiges über die stationäre Ladentheke.

Dass Geschäftsinhaber in Deutschland im Schnitt jährlich etwa 80 Millionen Euro in die Gestaltung ihrer Schaufenster investieren* , verwundert demnach nicht.

Dieser Blogpost zeigt, wie Sie Ihr Schaufenster zum Blickfang und Ihr Ladengeschäft dadurch zum Kundenmagneten machen können.

Visual Merchandising

Visual Merchandising bedeutet kurz gesagt den Verkauf eines Produkts oder einer Dienstleistung visuell zu steuern.

Die visuelle Kundenansprache setzt immer genau dort an, wo sich Kunde und Produkt/Dienstleistung in der Realität begegnen, also am PoS (Point of Sale) oder PoP (Point of Purchase). Keine Frage, dass der Gestaltung des Schaufensters hier eine ganz entscheidende Bedeutung zukommt.

Aufgaben des Schaufensters

Im stationären Einzelhandel ist das Schaufenster eines der wichtigsten Marketinginstrumente. Welche Aufgaben soll das Schaufenster im Idealfall erfüllen? Es soll:

  • die Aufmerksamkeit des Passanten wecken und ihn zum “Anhalten” und schließlich auch Betreten des Ladens bewegen
  • eine Übersicht über das Angebot des Ladens geben und Besitzwünsche wecken
  • Kaufentschlüsse fördern

Erscheinungsformen des Schaufensters

Es gibt viele verschiedene Erscheinungsformen des Schaufensters.

Drei davon stelle ich Ihnen hier in Kürze vor, um aufzuzeigen, welch verschiedene Assoziationen die Schaufenstergestaltung wecken kann und welche Gestaltungsmacht dieses Marketinginstrument eigentlich mitbringt:

Stapelfenster: Zeigt die ungeschönte Warenfülle. Die Artikel werden in Stapeln, Blöcken oder Haufen angeordnet. Wird gerne im niedrigpreisigen Handel verwendet und suggeriert die Möglichkeit, hier viel Ware für wenig Geld zu bekommen.

Anlassfenster: Hier wird ein bestimmter Anlass in den Fokus gerückt und die Gesamtgestaltung darauf ausgelegt. In einer Apotheke kann dies zur Winterzeit zum Beispiel das Thema “Erkältung” sein. In großen Lettern könnte hier beispielsweise auf das Fensterglas geschrieben werden: “Schon wieder eine Triefnase?”. Umrahmt von einem Schneemann, Schneeflocken und einem Schlitten, lassen sich in diesem Umfeld bestens die entsprechenden Produkte gegen Schnupfen und Co. präsentieren. Jeder, der gerade von einer Erkältung geplagt ist, wird auf diese fokussierte Thematisierung im Schaufenster sehr stark ansprechen.

Prestigefenster: Im Prestigefenster liegt nur eine einzige Ware aus. Sie wird damit vollkommen in den Mittelpunkt gerückt. Dies soll die Exklusivität und den besonderen Wert des Produkts verdeutlichen.

Auf Null bringen

In der digitalisierten Welt hat man oft den Eindruck, dass sich der Uhrzeiger ein wenig schneller dreht als früher.

Dieses Gefühl täuscht nicht und setzt sich offenbar auch in der nicht-digitalen Realität fort: Untersuchungen haben laut der Studie “Managementreport “Erfolgsfaktor Schaufenster”” gezeigt, dass sich die Laufgeschwindigkeit der Passanten in den Fußgängerzonen erhöht hat.

Ein Faktum, das sich auch auf die Dekoration des Schaufensters aufwirken muss.

Wie weckt man das Interesse eines eilig vorbeilaufenden Menschen?

Dies gelingt über einen größeren “Blickfang”, der auch schon auf weite Entfernung hin auffällt und die Aufmerksamkeit des potenziellen Kunden bindet.

Ein Blickfang kann ein überdimensional großes Deko-Element wie zum Beispiel ein Kuscheltier oder ähnliches sein. Oder aber eine besonders auffällige Farbgestaltung, die sofort “ins Auge sticht”. Möglichkeiten gibt es hier tatsächlich wie Sand am Meer.

Persönlichkeit zeigen

Die Tatsache, dass Filialisten und große Labels im Bereich Schaufenster eher einen visuell ansprechenden “Einheitsbrei” präsentieren, können kleinere Ladengeschäfte für sich nutzen.

Flagge zu zeigen und mit seinem Schaufenster ein ganz klares Statement für Persönlichkeit und Individualität zu setzen, sollte hier im Fokus stehen.

8 Tipps, die Sie beherzigen sollten:

Mut zur “Lücke”

Weniger ist mehr. Das gilt für viele Bereiche im Marketing und das Schaufenster macht hier keine Ausnahme.

Es bringt nichts, jedes freie Fleckchen im Schaufenster unbedingt ausnutzen zu wollen. Wenn am Ende dann ein vollkommen überladenes Bild entsteht, geht die Wirkung komplett verloren.

Blickrichtung berücksichtigen

Auf die Blickrichtung achten: Diese verläuft immer von links oben nach rechts unten. Da Sie bei der Gestaltung Ihres Schaufensters wenn möglich stets eine “Geschichte erzählen” sollten, sollten Sie diese Regel unbedingt bei der Gestaltung im Kopf behalten.

Dreidimensionalität nutzen

Sie vergeben sich einiges, wenn Sie Ihre Waren lediglich auf dem Schaufensterboden auslegen. Nutzen Sie die Höhen und Tiefen des Schaufensters ruhig gezielt und reichlich aus, um ein dreidimensionales Bild zu kreieren.

Regelmäßige Neugestaltung

Die Schaufensterdekoration sollte nicht zu häufig wechseln, aber auch nicht über Monate hinweg statisch bleiben.

Bieten Sie den Passanten regelmäßig etwas Neues ohne Sie mit ständig wechselnden Auslagen zu überfordern oder zu verwirren. Spätestens nach 4 Wochen sollte das Schaufensterbild neu aufgesetzt werden.

Schwellenangst abbauen (oder fördern)

Schwellenangst bezeichnet die Hemmung der Kunden, einen Laden zu betreten. Ein durchsichtiges Schaufenster, also eines von dem man aus in den Laden hineinblicken kann, verringert die Schwellenangst.

Einen ähnlichen Effekt hat ein liebevoll gestaltetes “Herzlich Willkommen”-Schild oder ähnliches. Das ist aber nicht immer gewollt. Manche exklusive Läden möchten die Schwellenangst gezielt hochhalten, weil nur eine bestimmte Klientel im Laden erwünscht ist.

In diesem Fall gilt es dann natürlich diese Gestaltungselemente zu vermeiden.

Lichtakzente setzen

Die Signalwirkung eines Schaufensters können Sie mit der entsprechenden Beleuchtung unterstreichen. Wichtig ist es hier, neben der grundsätzlichen breitstrahligen Beleuchtung auch auf so genannte Lichtinseln zu setzen (die Fokussierung einzelner Bereiche durch Spots).

Innen und Außen verbinden

Die Schaufenstergestaltung sollte im Idealfall auch im Ladeninneren nochmals aufgegriffen werden. Dies gelingt, indem man mit Podesten und Flächen an der Rückwand arbeitet.

Auf diese Weise können Sie den roten Faden stringent durchziehen und schaffen ein einheitliches, stimmungsvolles Miteinander von Innen und Außen.

Staub und Co. – ein NoGo

Ein im wahrsten Sinnes des Wortes “verstaubtes” Schaufenster kann wirklich jeder noch so intensiven Kaufabsicht den Todesstoß versetzen.

Staub, tote Insekten, Spinnweben und ähnliche unerfreuliche “Requisiten” vermitteln nicht den Eindruck, dass es sich hier um ein Geschäft handelt, dass zum einen liebevoll gepflegt wird und zum anderen häufig etwas verkauft.

Im allgemeinen suchen potenzielle Kunden schnell das Weite, wenn sie einem ungepflegten Schaufenster gegenüberstehen. Eine penible Pflege ist hier wirklich ungeheuer wichtig, schließlich ist das Schaufenster so etwas wie die “Visitenkarte” Ihres Ladens.

Emotion pur

Mit einem Schaufenster ist es möglich, Vorbeieilende zum Innenhalten zu bewegen.

Ein gut gestaltetes Schaufenster kann aus dem Nichts heraus Begehrlichkeiten wecken. Behalten Sie stets im Hinterkopf, dass es hier in erster Linie um Emotionen geht, die geweckt bzw. gefüttert werden wollen.

Ich hoffe, meine Tipps werden Ihnen dabei helfen, dies bestmöglich umzusetzen.

 

Vanessa Lehmkuhl

Von Vanessa Lehmkuhl

Seit 2008 ist die Marketing- und Kommunikationswirtin im B2B-Vertrieb eines regionalen Medienunternehmens gegenüber Werbetreibenden beratend tätig.

Von | 2017-07-31T09:10:10+00:00 18. Mai 2015|Marketing, Werbung|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Lidija B. 16. März 2016 um 15:06 Uhr- Antworten

    Sehr hilfreicher Artikel. Er zeigt auch, wie viel Arbeit tatsächlich in der richtigen Schaufenstergestaltung steckt. Deshalb habe ich großen Respekt vor den Leuten, die das tagtäglich machen.

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