Stolperfallen im Online-Marketingprozess

Stolperfallen im Online-Marketingprozess

drei kleine steine

Bild: Coprid – Fotolia.com

Der Marketingprozess ist vor allem eines: Komplex.

Nicht einmal über die Definition ist man sich einig. Manche sagen, dass es Aufgabe des Marketingprozesses sei, sämtliche Stärken und Schwächen eines Unternehmens zu formulieren und daraus abgeleitet Unternehmensziele vorzugeben.

Andere grenzen den Begriff stärker ein und sprechen vom Marketingprozess als Vorgehensweise, um ein Marketingproblem zu lösen.

Ich persönlich finde es aber etwas zu viel verlangt, mit einem Marketingprozess alle Unternehmensprobleme lösen zu wollen – aus meiner Sicht ist die zweite Definition treffender.

Aufgrund der wachsenden Anzahl der Werbemöglichkeiten ergeben sich heute ganz neue Herausforderungen im Marketing.

Viele Unternehmen beginnen jetzt erst, hierfür Marketingprozesse zu entwickeln. Besonders gut lässt sich das bei der Planung von Online-Werbeformen beobachten. Da man sich in der Chefetage aus Zeitmangel oft unzureichend in die Thematik eingearbeitet hat, lauern hier verschärft die typischen Stolperfallen.

Der ein oder anderen sind viele Unternehmer sicher schon begegnet.

1.) Fettnäpfchen in der Planungsphase

Die fehlende Einarbeitung ist bereits das erste Fettnäpfchen.

Natürlich kann man als Geschäftsführer nie genauso gut Bescheid wissen wie der Texter, die Videoagentur oder der Webdesigner selbst – dafür sind diese Menschen Profis in ihrem Gebiet.

Umso wichtiger ist deshalb ein systematisches und umfassendes Briefing zwischen Werbeagentur und Firmenverantwortlichen.

Je genauer Sie die Situation und die Marketingbedürfnisse Ihrer Firma kennen und darstellen können, desto einfacher machen Sie es natürlich der Agentur, die geplante Marketingmaßnahme entsprechend abzustimmen.

Unscharfe Ziele

Um einen Marketingprozess sauber entwickeln zu können, müssen die Ziele klar definiert sein.

Marketingziele leiten sich seit jeher aus Unternehmenszielen ab, jedoch ist ein Unternehmensziel natürlich nur sehr selten auch das Marketingziel.

In eher technischen Branchen ist die Trennung offensichtlich, in Dienstleistungs-Branchen jedoch kann es zur Verwechslungsgefahr kommen: Der Wunsch einer Agentur nach mehr Kunden etwa ist das Unternehmensziel, das korrespondierende Marketingziel könnte hingegen eine stärkere Vernetzung mit Partneragenturen sein.

Keine oder unzureichende Kundenbedarfsanalyse

Um solche Verwechslungen zu vermeiden, werden Agenturen oder die Mediaberater einzelner Werbemedien, mit denen Sie sprechen, eine gezielte und detaillierte Kundenbedarfsanalyse durchführen.

Zusammen mit Ihnen werden die Berater versuchen, das Ziel der Werbemaßnahme so genau wie möglich festzulegen. Diese Kundenbedarfsanalyse ist ein so wesentlicher Teil gelungener Kampagnenplanung, dass Sie stutzig werden sollten, wenn diese nicht oder nur flüchtig stattfindet.

Um sicherzugehen, dass Sie im Vorfeld alle für das Briefing wesentlichen Informationen zusammengetragen haben, möchte ich Ihnen diese Briefing-Checkliste empfehlen.

2.) Gestolpert in der Umsetzung

Die Maxime bei der Umsetzung von Online-Maßnahmen lautet Flexibilität.

Während man im ersten Schritt die theoretische Planung des Prozesses vornimmt, ist die Praxis ein ganz eigenes Thema.

Sich starr an den entwickelten Marketingprozess zu halten, ohne auf möglicherweise negatives Feedback zu reagieren, kann beispielsweise im Social Media Marketing ein großer Fehler sein.

Erst in der praktischen Umsetzung werden Lücken im zuvor entwickelten Prozess sichtbar.

Die Anforderung besteht darin, diesen mit Hilfe der aktuellen praktischen Erfahrung so lange anzupassen, bis er alle Eventualitäten miteinbezieht.

Falscher Werbekanal

Ein weiterer Stolperstein ist die richtige Wahl der Kommunikationswege. Dabei kann man zwei Dinge falsch angehen.

Erstens: Der Kommunikationsweg passt nicht zum Content.

Zweitens: Der Kommunikationsweg gefällt vor allem dem Unternehmen, aber nicht der Zielgruppe.

Sicher kennen Sie die Werbeweisheit “Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!

Eigene Vorlieben und Wünsche hintanzustellen und konsequent zu beachten, welche Art der Ansprache sich der potenzielle Kunde wünscht, fällt trotzdem vielen Entscheidern schwer.Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Artikel “Der richtige Marketingmix für Ihre Zielgruppen“.

3.) Fehler im Reporting

Reporting ist etwas Zahlengetriebenes. Aber Zahlen sind bekanntlich nicht aussagekräftig, sofern sie nicht korrekt kombiniert werden.

Möchte man den ROI (Return on Investment) einer Online-Kampagne exakt feststellen, müssen auch Kosten wie interne Abwicklung und Zeitaufwand eingerechnet werden.

Das Wichtigste hierbei ist, sich auf ein paar effiziente Analyse-Werkzeuge festzulegen.

Wenn Sie sich auch schon einmal im Analyse-Dschungel verirrt haben, wissen Sie, was ich meine.

Big Data, also die Erfassung und Auswertung sämtlicher verfügbarer Nutzerdaten, die von Firmen wie Adobe als „Allheilmittel“ angepriesen wird, mag für Konzerne mit tausenden von Produkten, Anfragen und Kommunikationskanälen von Vorteil sein.

Für den Mittelständler reicht aus meiner Erfahrung aber meist bereits eine Kombination einfacherer Analyse-Tools.

Eine Faktorenanalyse vereinfacht Strukturen und zeigt Ihnen beispielsweise, welche Elemente Ihrer Firmenwebseite den größten Einfluss auf das Kaufverhalten haben. Insgesamt gibt es fünf multivariate Analysemethoden und für jede Methode wiederum ziemlich viele Analyse-Tools.

Aus diesen das richtige Tool auszuwählen, ist eine Sache für sich.

Hilfreich sind hierbei bereits erstellte Listicals, die sich schon mit der Suche nach kostenlosen und effizienten Tools beschäftigt haben.

Ich kann hier insbesondere die Liste von Till Steinbrenner als Startpunkt zur eigenen Suche empfehlen.

 

Katharina Bösch

Von Katharina Bösch

Arbeitet seit 2012 als Leiterin des Redaktionsteams eines Beratungsportals für Medienunternehmen.

2017-08-02T08:35:55+00:003. November 2014|

Hinterlassen Sie einen Kommentar