Marketing im Pott – der Marketing-Blog für das Ruhrgebiet

Start-up des Monats: emotion Sportswear aus Essen

Veröffentlicht am 08.09.2016 in Management & Werben im Pott & Best Practice

Unser Start-Up des Monats bei Marketing im PottWirtschaftliches Wachstum und schier grenzenlose Entfaltungsmöglichkeiten, aber auch soziale Ungleichheit und ökologische Katastrophen – Dies stellt nur einen kleinen Ausschnitt der Fülle von Kommentaren dar, die sich zum Thema Globalisierung finden lassen.

Globalisierung bezeichnet dabei den Prozess der zunehmenden Verflechtungen verschiedener Länder. Grenzen und nationale Unterschiede verschwinden immer mehr.

Vom Globalen zum Regionalen

Diese Entwicklungen haben jedoch gleichzeitig auch zu einem eher gegensätzlichen Trend geführt: dem Comeback des Regionalen und Lokalen. In einer globalisierten Welt richten viele Menschen ihren Blick gerne wieder auf „ihre“ Region.

Woher kommen Gemüse, Fleisch und Fisch auf meinem Teller? Regionale Fokussierung kann also dazu führen, dass wir immer mehr Wert auf regionale Produkte legen.

Eine weitere Konsequenz ist die Entwicklung von „regionalen Identitäten“. Damit ist gemeint, dass wir uns zunehmend mit lokalen Kulturmustern und der entsprechenden Region identifizieren.

Regionale Identität im Pott: Interview mit Start-up aus Essen

Sportbekleidung und Streetwear sind bei emotion Sportswear im Mittelpunkt.Für alle Ruhrgebietler, die dieses Verbundenheitsgefühl mit unserem „Pott“ teilen und sich auch noch sportlich begeistern, gibt es jetzt gute Nachrichten: Der Online-Shop von emotion Sportswear bietet Sportbekleidung und Streetwear mit kreativem Ruhrgebietsdesign.

Das Start-up aus Essen verbindet somit die Passionen für das Ruhrgebiet und den Sport in besonders innovativer Weise. Und damit nicht genug: Wer selbst kreativ werden möchte, kann gemeinsam mit dem Team von emotion Sportswear individuelle Sportkleidung kreieren.

Im Interview mit Jennifer Letzing verrät uns die Existenzgründerin von emotion Sportswear, wie sie zu der Idee für ihr Start-up kam, welche Höhen und Tiefen sie während der Gründung durchlebt hat und was das Ruhrgebiet für sie bedeutet.

Frau Letzing, wann und wie kam Ihnen die Idee dazu, emotion Sportswear zu gründen?

Jennifer Letzing: „Ich bin ausgebildete Mediengestalterin und seit über 8 Jahren im Mountainbikesport aktiv. In dieser Zeit habe ich privat einige Radtrikot-Designs für befreundete Teams entworfen. Das kam immer sehr gut an.

Bei einigen Teams stand deren Herkunft, das Ruhrgebiet, bereits stark im Vordergrund und ich fragte mich irgendwann, ich glaube es war Anfang 2012, wieso es kein schönes Rad- oder Lauftrikot mit Bezug zum Ruhrgebiet gibt. Es leben so viele tolle Radfahrer hier, Mountainbiker, Rennradfahrer sowie Freizeitradler und alle sind wir sehr stolz auf unsere Heimat.

Kurzerhand entschloss ich mich dazu, ein Design zu entwickeln. Als der erste Entwurf stand, fragte ich meine Freunde, ob sie es tragen würden. Die Resonanz war gut und ich wollte einen Schritt weiter gehen und meinen Entwurf als echtes Radtrikot produzieren lassen.“

Welche Bedenken hatten Sie vor der Gründung?

Jennifer Letzing: „Die meisten Bedenken konnte ich bereits vor der eigentlichen Gründung aus dem Weg räumen. Durch die Resonanz aus meinem Freundeskreis, aus Foren und sozialen Medien wusste ich, dass meine Idee auf Anklang stieß und sie einzigartig war.

Angst hatte ich aber trotzdem, nämlich vor allem vor dem Papierkram. Ich wusste nicht, wie man ein Unternehmen anmeldet, wie man eine Steuererklärung macht und schon gar nicht, wie man strukturiert an sowas ran geht.

Der Online-Shop als Hürde

Die nächste große Herausforderung war es dann, einen Online-Shop zu erstellen. Ich wusste zwar, wie man eine Webseite gestaltet und erstellt, aber einen Online-Shop integrieren? Da standen dann nochmal drei große Fragezeichen auf meiner Stirn. Die erste Lösung war dann auch nicht die beste, aber mittlerweile habe ich ein System, mit dem ich seit über zwei Jahren erfolgreich arbeite.“

Auf Ihrer Homepage vergleichen Sie das Leben mit einem Berg. Welche Talfahrten gab es für Sie während des Gründungsprozesses? Was waren Ihre schönsten Höhepunkte?

Die Bekleidung sohl dem Radfahren gerechter werden.Jennifer Letzing: „Als alleiniger Inhaber oder auch Solopreneur bewegt man sich in einer ständigen Berg- und Talfahrt.

Am Anfang war es sehr schwer, einen geeigneten Produzenten für meine Radtrikots zu finden. Ich setze in meinen Kollektionen zwar sehr stark auf ein individuelles Design, doch die Qualität soll dabei auf keinem Fall zu kurz kommen. Ich fahre selber sehr viel Rad und habe daher auch den Anspruch, dass meine Bekleidung diesem gerecht wird.

Echte "Pottler" auf der ganzen Welt

Höhepunkte gab es in den letzten Jahren natürlich auch sehr viele. Ich erinnere mich gerade an einen Moment, bei einer Veranstaltung in Österreich, bei der das einzige Trikot, was ich dort verkauft habe, ein Ruhrgebiet-Trikot für eine Dame aus Bottrop war.

Erst vor kurzem habe ich zwei Ruhrgebiet-Trikots nach Vancouver in Kanada geschickt. Daran erkennt man dann auch wieder, wie stolz der Ruhrgebiet-Mensch auf seine Heimat ist! Ich freue mich jedes Mal wie ein kleiner Schneekönig, wenn ich eines meiner Trikots draußen auf Veranstaltungen sehe.

Ziemlich aufregend waren zum Beispiel auch die ersten Messeauftritte. Hier bekommt man ein direktes Feedback vom Kunden und hat auch mal Zeit für einen Smalltalk.

Die wichtigsten Events für mich sind im Moment unter anderem das 24h Rennen in Duisburg, wo ich früher auch selber immer an der Startlinie stand. Ich bekomme sofort Gänsehaut, wenn ich daran denke. Aber auch die Fahrrad -Messe hier in Essen ist einer der Höhepunkte, bei der ich auch in diesem Jahr wieder teilgenommen habe.“

Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um Ihr Projekt bekannt zu machen? Welche Marketingmaßnahmen waren bisher am erfolgreichsten?

Jennifer Letzing: „Da ich kein großes Startkapital hatte, hat sich am Anfang die bekannte 3F-Formel (Friends, Family and Follower) für mich sehr bewährt. Ich habe viele Freunde, welche aus dem Mountainbike- und Rennrad-Bereich kommen. Sie alle halfen mir dabei, meine Marke bekannt zu machen.

Mittlerweile gehört auch verstärkt die Präsenz auf Sportveranstaltungen dazu. Letztes Jahr war ich zum Beispiel auch einige Male in Österreich unterwegs.“

Frau Letzing, Sie leben nicht nur im Ruhrgebiet, sondern haben sich bewusst dafür entschieden, Sportkleidung mit einem Bezug zu dieser Region zu entwickeln. Was macht Ihrer Meinung nach den besonderen Reiz des „Ruhrpotts“ aus? Können Sie sich vorstellen, dass Ihr Konzept auch in einer anderen Region so funktioniert?

Jennifer Letzing: „Ruhrgebiet bedeutet mehr als nur Heimat. Es ist ein Gefühl! Im Rest von Deutschland hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Pott dominiert wird von einem Grau in Grau und wir unseren Kaffee nur schwarz trinken.

Doch so ist es nicht und das wollen wir allen zeigen. Das Ruhrgebiet blüht auf und wir alle, die hier leben, lieben es!

Auch in anderen Städten erfolgreich

Ich habe dieses Konzept bereits in meinen „deine Stadt“- Trikots für andere Orte aufgegriffen und kann daher sagen, dass das auch sehr gut funktioniert! Sportler haben hier die Möglichkeit, sich ihr ganz individuelles Rad- oder Lauftrikot in ihrer Lieblingsfarbe und mit der Skyline ihrer Heimatstadt zu bestellen.“

Neben Ihrer eigenen Kollektion bieten Sie Ihren Kunden auch die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit Ihnen individuelle Kleidungsstücke zu entwickeln. Können Sie uns verraten, was der bisher ausgefallenste Individualisierungswunsch war?

Das Team Schneekettchen.Jennifer Letzing: „Der bisher ausgefallenste Trikotwunsch ist zeitgleich auch eines meiner ersten Trikots gewesen. Da saß ich noch im „Kinderzimmer“ bei meiner Mutter und bastelte an dem Entwurf.

Es war ein leuchtend blaues Radtrikot. Auf der Vorderseite, Schneewittchen und ihre Zwerge. Mit diesem Team bin ich bis heute in Kontakt und erst vor kurzem gab es wieder eine Nachbestellung. Das Design kommt also bis jetzt, über 3 Jahre später, noch gut an (lacht)“

Sie bezeichnen sich als der „kreative Kopf“ hinter emotion Sportswear. Wie kommen Sie auf all die Design-Ideen?

Jennifer Letzing: „Das ist ganz unterschiedlich. Ich laufe mit offenen Augen durch‘s Leben. Schaue mir natürlich an, was große Hersteller so machen, was gerade Trend ist, auch in der normalen Modewelt.

Dabei muss man natürlich immer ein wenig voraus denken, denn wenn ich einen Trend jetzt erkenne, kann er längst vorbei sein, bis das Trikot fertig produziert ist.“

Frau Letzing, was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten drei Eigenschaften, die ein angehender Gründer mitbringen sollte?

Jennifer Letzing: „Als Gründer, und vor allem auch als junger Gründer, sollte man sein Ziel nie aus den Augen verlieren. Es wird immer Menschen um dich herum geben, die gegen dich arbeiten. Das sollte dich aber nicht vom Weg abbringen.

Baue dir eine Community auf, sei zielstrebig, mutig und vor allem authentisch! Eine Freundin sagte mal zu mir, ich wäre ein „Macher-Typ“. Ich packe immer mit an, wenn jemand Hilfe braucht und wenn ich eine Idee im Kopf habe, dann muss ich diese auch zu Papier bringen. Ich kann dann nicht wochenlang abwarten und schauen was passiert und was andere vielleicht machen. Wenn ich etwas nicht kann, dann versuche ich es mir anzueignen oder mir Leute zu suchen, die mich unterstützen.“

Zu guter Letzt: Was haben Sie für die Zukunft von emotion Sportswear geplant?

Jennifer Letzing: „Ich möchte mit emotion Sportswear weiter wachsen. Das Ruhrgebiet ist ein super Ausgangspunkt dafür. Auch weil es hier so eine tolle Community gibt. Doch ich möchte in Zukunft noch mehr Designs anbieten, welche nicht so stark lokal beschränkt sind. Einfach um meine Zielgruppe zu erweitern.

Die Produktpalette stetig erweitern

Erst vor kurzem habe ich einen neuen, europäischen Produzenten gefunden. Mit diesem kann ich nun noch bessere Qualität anbieten und zudem meine Produktpallette mit guten Radhosen, Laufklamotten und Accessoires erweitern.

Zudem möchte ich dieses Jahr nutzen und meine Kollektion nochmal verstärkt in lokalen Radläden anbieten, ganz nach dem Motto: Immer in Bewegung bleiben!“

Vielen Dank, Frau Letzing, für das interessante Interview. Für die Zukunft wünschen wir emotion Sportswear alles Gute und viel Erfolg!

Emotion Sportswear zeigt, dass sich eine Verbundenheit mit dem Ruhrgebiet in Zeiten, die von Internationalität und dem Global Village geprägt sind, nicht verstecken muss.

Mit kreativen Designs macht emotion Sportswear den Pott gerade für Sportfans straßentauglich.

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verwendete Bilder: © Aquir - Fotolia.com, © emotion Sportswear

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