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Start-up des Monats: WG-Held aus Essen

Veröffentlicht am 08.07.2016 in Management & Best Practice

Start-up_des_Monats.jpgEin sehr beliebtes Werbemittel unserer Zeit ist die Produktplatzierung oder auch das „Product Placement“. Wie der Name schon verrät, geht es bei diesem Konzept darum, das Werbemittel gezielt zu platzieren und für den Kunden interessant zu machen. Die Bereitstellung der Ware oder Dienstleistung erfolgt kostenlos. Dies kann z. B. innerhalb eines Spielfilms oder einer Reality Soap geschehen, in der das Werbemittel als Requisite eingesetzt wird. Sehr aktuell ist auch das Product Placement durch YouTuberInnen oder BloggerInnen, die die Ware testen und in ihren Videos oder Texten vorstellen. 

Hier gilt es jedoch auf einige Punkte in Blick auf die Zulässigkeit von Produktplatzierung zu achten. Zulässige Produktplatzierungen müssen folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Die redaktionelle Verantwortung und Unabhängigkeit hinsichtlich Inhalt und Sendeplatz muss unbeeinträchtigt bleiben.
  • Die Produktplatzierung darf nicht unmittelbar zu Kauf, Miete oder Pacht von Waren oder Dienstleistungen auffordern, insbesondere nicht durch spezielle verkaufsfördernde Hinweise auf diese Waren oder Dienstleistungen.
  • Das platzierte Produkt darf nicht zu stark herausgestellt werden. Die Produktplatzierung muss insoweit redaktionell gerechtfertigt sein.
  • Auf eine Produktplatzierung muss eindeutig hingewiesen werden (§ 7 Abs. 7 Satz 7 RStV).

Neben der Zulässigkeit der Produktplatzierung sollte auch auf die Kennzeichnung geachtet werden, denn auch hier können einige Fehler unterlaufen. 

Dass Produktplatzierung aber auch auf eine wgheld_logo_de_rgb-01.pngganz neue Art und Weise genutzt werden kann, beweist unser heutiges Start-up des Monats „WG – Held“. Geschäftsführer des Unternehmens Campus Held GmbH, Genia Lewitzki, hat sich mit seinem Start-up auf Produktplatzierungen bei Studentenpartys spezialisiert. Wie genau das aussieht, hat er uns erklärt:

Herr Lewitzki, erläutern Sie doch einmal kurz das Konzept ihres Unternehmens und seit wann es besteht.

Genia Lewitzki: „Wir haben mit WG Held eine Plattform erschaffen, auf welcher sich Studenten bundesweit für ein kostenfreies WG Party Sponsoring bewerben können. Unser Team sucht die kreativsten und besten WG Partys raus und tritt mit den Gastgebern in Kontakt. WG Held platziert somit unaufdringlich und authentisch Produkte und Werbebotschaften der einzelnen Kunden direkt in den studentischen vier Wänden.

Vor Ort dokumentieren unsere geschulten Campus Helden die Platzierung der Ware und halten einen guten Draht zum Gastgeber und den Gästen. Somit erschaffen wir eine authentische und zugleich sehr emotionale Markenbindung für unsere Kunden. Die Gründungsidee hatten wir bereits 2013, auf dem Markt sind wir seit Anfang 2014.“

Wann und wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Start-up Unternehmen zu gründen, das sich auf „Product Placement“ spezialisiert?

Genia Lewitzki: „Die Idee zu WG Held ist während unserer Studienzeit entstanden. Abgesehen von ziemlich bunten WG Partys veranstalteten wir schon damals größere Mensapartys und waren bundesweit mit der Industrie und vielen Studenten / Fachschaften sehr gut vernetzt. Wir haben sehr schnell erkannt, dass wir durch unser Netzwerk eine Brücke zwischen Industrie und Studenten aufbauen können und somit eine „Win-Win“ Situation für alle Beteiligten erschaffen.“

Was ist hier genau der Nutzen für den Kunden? Warum verschenken Sie ihre Produkte?

Genia Lewitzki: „Unsere Kunden bekommen hierbei die einmalige Möglichkeit, sich effektiv und charmant in einer werbefreien Komfortzone des Studenten zu platzieren. Die Produkte werden während einer emotional positiv aufgeladenen Stimmung verkostet und bleiben noch lange nach der WG Party in den Köpfen der Studenten hängen. Somit sind Produkte unserer Kunden die heimlichen Stars auf jeder WG Party.“

Hat es einen Grund, dass Sie sich für die Zielgruppe Studenten entschieden haben? Wenn ja, welchen?

Genia Lewitzki: „Studenten gelten als Trendsetter, Meinungsführer, besitzen ein großes Netzwerk und sind die Besserverdiener von Morgen. Sie sind in einer Lebensphase, in der sie sehr stark für die Zukunft geprägt werden. Somit werden Studenten immer eine sehr wichtige und spannende Zielgruppe darstellen.“

Und wie kann man sich die genaue Umsetzung des „Product Placements“ vorstellen? Sie sprachen gerade schon von einem „stillen Beobachter“, der alles dokumentiert. Werden dessen Aufzeichnungen dann zum Nutzen der Kunden veröffentlicht?

Genia Lewitzki: „Nach einer erfolgreichen Bewerbung setzt sich unser Campus Held aus der jeweiligen Stadt mit dem Gastgeber in Verbindung. Sie lernen sich entspannt kennen und besprechen die geplante WG Party. Anschließend klärt unser Campus Held dem Gastgeber über sein WG Party Sponsoring Paket auf. Hierbei schult unser Campus Held den Gastgeber über die Besonderheiten der Produkte, erklärt ihm, wie diese am Besten verzehrt werden und weist auf einen verantwortlichen Umgang mit den Produkten hin.

Am Tag der Veranstaltung bringt unser Campus Held die Produkte zu der WG Party und platziert diese bestmöglich in der WG. Das Besondere dabei ist, dass unsere „stillen Beobachter“ während der WG Party ganz in zivil unterwegs sind. Unsere Campus Helden bekommen ganz klar von uns die Vorgabe, dass die sich unter das WG Party Volk mischen sollen und ganz entspannt das ganze Geschehen dokumentieren sollen. Uns war es von Anfang an sehr wichtig, dass die Dokumentation „below the line“ abläuft und die Gäste sich nicht durch aggressives Werbeverhalten genervt fühlen. So werden nach den WG Partys sehr oft Freundschaften zwischen Gastgeber und Campus Helden geschlossen. Unsere Kunden bekommen regelmäßig ein fertiges Reporting mit der Dokumentation der jeweiligen WG Partys und können somit schnell auf Trends und Neuheiten in der Zielgruppe reagieren.“

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Das hört sich alles sehr interessant an, doch nun zurück zum Gründungsvorgang. Wie lange haben Sie an der Gründung ihres Start-up Unternehmens gearbeitet?

Genia Lewitzki: „Wir führten ganz nach dem „Lean Startup“ Prinzip erstmals einige Testphasen durch. Da wir zum Gründungszeitpunkt selbst studiert haben und ziemlich nah an unserer Zielgruppe waren, war unser bundesweites Studentennetzwerk gefragt. Wir organisierten gemeinsam mit befreundeten Gastgebern einige WG Partys, befragten dabei Gäste sowie Gastgeber, dokumentierten das Ganze und kamen zum Entschluss, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nach einer 2-monatigen Entwicklungsphase haben wir das Start-up sofort gegründet.“

Hatten sie schon Kenntnisse in den Bereichen Marketing und Unternehmensgründung?

Genia Lewitzki: „Durch ein Start-up, welches wir vor einigen Jahren zusammen hochgezogen haben, und die Gründung einer Event und Medien Agentur konnten wir bereits mit jungen Jahren gute Erfahrungen in Marketing und Unternehmungsgründung sammeln.“

Gab es Zweifel oder Bedenken vor der Gründung?

Genia Lewitzki: „Irgendwie  waren wir felsenfest von dem Grundkonzept überzeugt und hatten somit absolut keine Bedenken, dass es funktionieren wird“

Wie sahen die ersten Schritte in die Unternehmensgründung aus? Zum Beispiel die Namensfindung, die Gewerbeanmeldung etc.

Genia Lewitzki: „Es kamen die richtigen Leute zur richtigen Zeit zusammen. Chuong und ich waren bereits seit unserer Schulzeit unternehmerisch tätig und harmonierten beruflich und privat absolut zusammen. Zu dem Zeitpunkt haben wir uns mit unserer Idee an einem sehr guten Freunde gewandt, Dumeik Qumseyeh, Geschäftsführer der Kundenbinder GmbH. Wir konnten ihn von Anfang an für WG Held begeistern. Zusammen haben wir es geschafft schnell die ersten Industriekunden von unserem Konzept zu überzeugen und führten die erste Testphase sehr erfolgreich durch.“

Für welche Finanzierungsmöglichkeit haben Sie sich nach den anfänglichen Schritten entschieden?

Genia Lewitzki: „Das Startkapital haben wir ausschließlich mit unserem Eigenkapital gestemmt. Uns war es von Anfang an wichtig, das Unternehmen durch Bootstrapping (Anmerk. d. Red.: Finanzierungsform der Unternehmensgründung, bei der auf eine externe Finanzierung verzichtet wir) gesund wachsen zu lassen.“

Rückblickend - Was war Ihrer Meinung nach das Schwierigste während des Prozesses der Gründung? Welche Tipps würden Sie an künftige Gründer weitergeben?

Genia Lewitzki: „Aller Anfang ist schwer. Neben dem Aufbau einer Firmenstruktur und der Suche nach motivierten Mitarbeitern, mussten wir uns zusätzlich mit vielen kleinen bürokratischen Schwierigkeiten rumschlagen. Wir können jedem nur raten, sich während der Gründungsphase auf das Wesentliche zu fokussieren und sich nicht von jeder Kleinigkeit vom Kurs abbringen zu lassen. 

Sobald man eine Idee hat für die man brennt, sollte man sich sofort daran machen, diese Idee umzusetzen.“

Vielen Dank für das interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

 

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verwendete Bilder: © Genia Lewitzki & Chuong Nguyen/WG Held

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