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Online Zahlungssysteme Teil 4: Die Rolle der Payment Service Provider

Veröffentlicht am 04.02.2015 in Marketing & Digital

online-bezahlenBezahlen im Internet: Wenn das keine runde Sache ist, brechen Online-Kunden ihren Kaufvorgang ab und die Web-Shop-Betreiber schauen in die Röhre.

Natürlich kann man sich als Online-Händler auch selbst darum kümmern. Viele legen diesen sensiblen Bereich aber in die Hände von Payment Service Providern (PSP).

Während ich Ihnen in den ersten drei Beiträgen dieser Serie einen Überblick über die einzelnen Bezahlverfahren gegeben habe, möchte ich in diesem letzten Teil Ihre Aufmerksamkeit auf die Rolle von PSP lenken:

Was machen PSP eigentlich? Was kosten sie? Und welche Vor- und Nachteile haben Sie als Händler, wenn Sie ihren Service in Anspruch nehmen?



Was ist ein PSP?

Was tut ein Payment Service Provider eigentlich?

Die Antwort ist einfach: Sie als Online-Händler entscheiden sich für ein Bündel von Bezahlvarianten, die Sie Ihren Kunden gerne anbieten möchten und der PSP kümmert sich um die technische Anbindung dieser einzelnen Systeme an Ihren Web-Shop.

In den meisten Fällen können Sie als Online-Händler dann mit ein paar Klicks viele einzelne Bezahlmöglichkeiten ganz unkompliziert ein- und wieder ausschalten.

Und: Statt mit jedem einzelnen Bezahlsystem-Anbieter, müssen Sie als Online-Händler also nur noch mit Ihrem PSP verhandeln.

Kosten für den Dienst eines PSP

Es gibt knapp 1000 Payment Service Provider auf der Welt. Ganz klar, dass einem die Auswahl hier schwer fällt.

Einer der wichtigsten Aspekte, die man hier mit einbeziehen sollte, ist das Gebührenmodell.

Hier unterscheiden sich die Anbieter zum Teil gewaltig und nicht jedes Abrechnungsmodell ist für jeden Händler geeignet.

Gängig sind folgende Gebührenarten, die für gewöhnlich bunt kombiniert das jeweilige individuelle Kostenpaket eines PSP ergeben:

  • einmalige Einrichtungsgebühr
  • monatliche Grundgebühr
  • variable Transaktionsgebühren
  • Abgeld (Disagio)
  • Stornogebühren

Gute Selbsteinschätzung ist wichtig

Einige PSP erheben sie, andere verzichten auf sie: Die einmaligen Gebühren für das Setup. Sie können bis zu 500 Euro betragen.

Auch mit Transaktionsgebühren gehen die einzelnen Anbieter unterschiedlich um: Häufig sind die Gebühren abhängig vom Transaktionsumsatz.

Hier verlangen die meisten PSP zwischen 1,5 und 3 Prozent, zum Teil aber auch deutlich mehr. Oder aber die Gebühren werden anhand der Anzahl der Transaktionen berechnet.

Eine geringe Pauschale pro Transaktion verlangen fast alle PSP, um ihren Umsatz bei sehr niedrigen Beträgen zu sichern.

Eine monatliche Grundgebühr ist bei den meisten Anbietern zu zahlen.

Hier kann der Online-Händler zwischen mehreren Modellen wählen, zum Beispiel: Hohe Grundgebühr, dafür eine hohe Anzahl an Frei-Transaktionen oder aber niedrige Grundgebühr und höhere Transaktionsgebühren.

An diesem Beispiel sieht man, wie wichtig es ist, sich und sein Geschäft als Händler gut einschätzen zu können: Wie viel Umsatz ist zu erwarten? Handelt es sich um hochpreisige Produkte, von denen nur wenige Stückzahlen verkauft werden? Oder um Ware im Centbereich, mit denen hohe Transaktionszahlen erreicht werden?

Nur wer hier zu einer klaren und genauen Einschätzung fähig ist, kann das für ihn passende Modell wählen.

Zusätzliche Kosten bedenken Neben den genannten Gebühren sollte man auch die nicht ganz so offensichtlichen Gebühren in die Kalkulation mit einbeziehen.

Dies können zum Beispiel Kosten für neue Hard- und Software sein, die zur Integration nötig sind.

Vorteile

Alle unter einem Hut

Eine satte Auswahl an Online-Bezahlverfahren im eigenen Shop lässt die Kasse klingeln.

Wer nur eine oder zwei Bezahloptionen anbietet, muss in Kauf nehmen, dass ihm eine ganze Reihe an Umsatz verloren geht. Wie die Studie "Erfolgsfaktor Payment" im Rahmen des Projekts E-Commerce-Leitfaden zeigt, stehen die quantitative Menge der Bezahlmöglichkeiten und die Kaufabbruchquote in direkter Beziehung zueinander.

Bietet ein Händler in seinem Online-Shop ausschließlich Vorkasse als Zahlungsoption an, verlassen knapp 80 Prozent den Web-Shop unverrichteter Dinge und suchen nach einem anderen Anbieter.

Mit der Hinzunahme weiterer Bezahloptionen lässt sich die Kaufabbruchquote deutlich senken (Quelle: ibi research (Erfolgsfaktor Payment 2008)).

Jede einzelne Bezahlmöglichkeit, die ein Online-Händler in seinen Web-Shop implementieren möchte, bedeutet aber einen hohen Aufwand: in finanzieller, zeitlicher und technischer Hinsicht.

Händler, die den Dienst eines PSP in Anspruch nehmen, können diesen Aufwand deutlich reduzieren.

Zusätzliche Dienstleistungen

Fast jeder Payment Service Provider bietet seinen Kunden neben der Zahlungsabwicklung noch weitere Dienstleistungen wie Risikomanagement, Debitorenmanagement, diverse Finanzdienstleistungen oder auch Call Center-Dienste an.

Wer beispielsweise das Risikomanagement seines Shops einem PSP übergibt, verringert Zahlungsausfälle und -verzögerungen: Der PSP ruft diverse Quellen ab, um die Bonität eines Kaufwilligen einzuschätzen.

Je nach ermitteltem Wert, werden dem Kunden verschiedene Bezahlvarianten zur Verfügung gestellt bzw. verweigert.

Lässt ein Händler das Debitorenmanagement von seinem PSP regeln, muss er sich nicht länger um Rechnungsstellung oder die Überwachung des Zahlungseingangs kümmern.

Auch Mahnwesen und Inkassoverfahren regeln die PSP eigenständig.

Keine Hürden bei Kreditkartenzahlung Kreditkartenzahlung ist bei Kunden beliebt.

Für den Händler ist sie jedoch mit hohen Auflagen verbunden (siehe Teil 3 dieser Serie). Unter anderem müssen alle Unternehmen, die Kreditkartendaten verarbeiten, speichern oder weiterleiten, sich nach dem so genannten Payment Card Industry Data Security Standard, kurz PCI DSS, zertifizieren lassen.

Für Händler, die mit einem Payment Service Provider arbeiten, wird dieser Schritt unnötig, weil alle Kreditkartendaten über die Systeme des PSP laufen und der Händler selbst keinerlei Daten auf seinem System speichern muss. So muss lediglich der PSP die Zertifizierung durchlaufen, nicht aber der Händler.

Nachteile

Fehlende Kundenbeziehung

Der Online-Händler bekommt durch den Dienst seines PSP alles aus einer Hand.

Das hat aber auch den Nachteil, dass er selbst keinerlei Kundenbeziehung zu den einzelnen Bezahlsystem-Anbietern pflegen kann, da der PSP hier immer zwischengeschaltet ist. Auf Serviceleistungen wie spezielle Angebote oder auch auf das Beschwerdemanagement kann er somit nicht zugreifen.

Eigenverantwortlichkeit bleibt

Auch wenn ein Händler Kunde eines Payment Service Provider ist, entbindet ihn das nicht von der Tatsache, dass er selbst für seine Webseite verantwortlich ist.

Wenn es beispielsweise um datenschutzrechtliche Richtlinien geht, kann das ein Problem werden: Der Händler muss sich nämlich darum kümmern, dass der PSP alle Richtlinien einhält. Ein PSP, der in einem Land mit lockeren Datenschutzgesetzen sitzt, wird mit diesem Thema aber auch lockerer umgehen.

Einbehaltungszeitraum

Gewöhnlich leiten Payment Service Provider die Rechnungsbeträge nicht unmittelbar an den Händler weiter. Je nach PSP muss der Händler mit einer Einbehaltungszeit von mehreren Tagen bis zu ein paar Wochen rechnen.

Gebühren

Natürlich gibt es den Service eines PSP nicht umsonst.

Die Gebühren werden meist umsatzabhängig berechnet. Dazu kommen Fixkosten. Händler müssen deshalb genau kalkulieren, ob sie mit der Inanspruchnahme eines Payment Service Providers wirklich gut fahren oder ob es in ihrem individuellen Fall besser ist, auf die ein oder andere Bezahlvariante zu verzichten und selbst Herr über die Bezahlung im Web-Shop zu bleiben.

Fazit: Masse und Klasse

Masse: Eine große Auswahl an Bezahlverfahren freut den Kunden und erhöht die Chance, dass der Kunde seine "Lieblingszahlart" vorfindet und den Kaufvorgang fortsetzt.

Klasse: Der Zahlungsvorgang muss reibungslos funktionieren. Tut er das nicht, ist das ein KO-Schlag für jeden Online-Shop.

"Masse und Klasse". Vereinfacht gesagt ist das mein persönliches Fazit aus der Beschäftigung mit dem Thema.

Will man beides – eine einwandfreie Zahlungsabwicklung sicherstellen und Kaufabbrüche weitestgehend verhindern – umsetzen, ist der Dienst eines Payment Service Providers in vielen Fällen eine gute Sache. Er kann den Shop-Betreiber bei allen Zahlungsabwicklungsprozessen entlasten und der Händler kann sich voll und ganz auf das Verkaufen konzentrieren.

Wichtig hierbei ist aber eine möglichst genaue Kalkulation, damit man am Ende nicht sagt: "Hätt ich's doch lieber selbst gemacht."

Das Thema "Bezahlen im Online-Shop" vereint viele Aspekte, die man bei der persönlichen Umsetzung im eigenen Web-Shop bedenken muss. Ich hoffe, Ihnen mit dieser 4-teiligen Serie eine kleine Orientierungshilfe an die Hand gegeben zu haben.

Lehrgang: Online Marketing Manager – Infos & Anmeldung

verwendete Bilder: © koya979 - Fotolia.com

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