Online-Zahlungssysteme 2016: Gibt es eine Lösung, die immer passt?

Online-Zahlungssysteme 2016: Gibt es eine Lösung, die immer passt?

Ein offener Laptop in den Geldscheine fliegen

koya979 – Fotolia.com

Kreditkarte, Prepaidkarte, Rechnung, Lastschrift, PayPal, Überweisung, Nachnahme … Im letzten Jahr haben wir eine ganze Reihe an Online-Bezahlsystemen vorgestellt.

Nun ziehen wir Bilanz: Hat sich ein System durchgesetzt? Oder sind die Karten ganz neu gemischt?

Wir zeigen, was auf Online-Verkäufer und -Käufer zukommt.

Soviel sei vorweg verraten: Die Situation ist unübersichtlicher geworden. Ein kurzer Rundumblick in die deutsche Landschaft der Internet-Bezahlsysteme zeigt, dass die Branche im Umbruch ist.

ClickandBuy ist ein gutes Beispiel für den Wandel im Online-Zahlungsverkehr: In unserem Blogpost vom Januar 2015 erwähnten wir es noch als moderne Zahlmöglichkeit mit Akzeptanz in ca. 16.000 Webshops; seit April 2016 jedoch hat das Unternehmen seinen Dienst komplett eingestellt.

Ähnliches gilt für Yapital, das seit Januar 2016 keine Bezahldienste für Verbraucher mehr abwickelt.

PayPal dagegen konnte seine Marktdominanz ausbauen und ist mit 230 Millionen Mitgliedskonten fest etabliert, macht den Verbrauchern aber auch Sorgen – etwa wegen des Hauptsitzes in den USA oder wegen Bedenken bezüglich des Käuferschutzes und der Weitergabe von Kundendaten.

Auf was ist denn noch Verlass?

Die Klassiker des Online-Bezahlens, wie Rechnung, Lastschrift oder Vorkasse, funktionieren natürlich weiterhin tadellos.

Am Attraktivsten für die Kunden ist dabei sicher der Kauf auf Rechnung oder per Ratenzahlung. Wenn Sie sich hier kundennah geben möchten, aber eventuelle Risiken scheuen, sollten Sie sich Dienstleister wie Klarna genauer ansehen: Wie beim Factoring übernehmen sie Zahlungsverkehr und Ausfallrisiko.

Was kommt als nächstes?

Was sich neben PayPal heute und in Zukunft an Alternativen anbietet, sieht man hier. Hier taucht gleich an erster Stelle Amazon Payments auf. Auch dies sicher eine einfache Zahlalternative, sind doch zahlreiche Online-Käufer auch bei Amazon Kunde und können Payments verwenden.

Endkunden denken beim Thema „Zahldienste mit Komfort“ natürlich an ihr Handy, namentlich an die Dienste Apple Pay und Android Pay.

Diese konzentrieren sich aber, wenn sie denn einmal in Deutschland verfüg bar sind, auf Zahlungen vor Ort im Geschäft sowie auf In-App-Käufe. Für herkömmliche Webshops sind sie also (noch?) gar nicht von Belang.

Derzeit besonders spannend ist sicher die Entwicklung von paydirekt: Hier haben sich zahlreiche deutsche Banken zusammengeschlossen, um in Konkurrenz zu PayPal zu treten. Noch gibt es dabei einige Unklarheiten, denn zum einen kooperieren viele Banken (noch) parallel mit giropay, und zum anderen ist das Bezahlsystem noch so jung, dass die Akzeptanzstellen sehr gering sind.

Mit der konzentrierten Marketingmacht der großen Geldhäuser rührt man aber schon groß die Werbetrommel, und paydirekt ist ein besonders hoffnungsvoller neuer Player bei den Bezahlsystemen.

Apropos hoffnungsvoll: Neben etablierten Banken und Finanzdienstleistern gibt es da natürlich auch die so genannten FinTechs, die man vielleicht am ehesten als „Finanz-Start Ups“ bezeichnen kann.

Wie unübersichtlich sich hier der Markt darstellt, zeigt diese Grafik. Dilemma der Branche: So lange nicht klar ist, wer das Rennen macht, lohnt es sich kaum, auf ein bestimmtes Pferd zu setzen. Andererseits: Wenn alle nur abwarten, kommt die Fintech-Branche kaum in Schwung.

Zu guter Letzt hat dann auch noch die EU ein Wörtchen mitzureden: Voraussichtlich Ende 2017 tritt PSD 2, die aktualisierte Zahlungsdienstrichtlinie der EU, in Kraft.

Sie hat Sicherheit, Verbraucher- und Datenschutz sowie niedrigere Zahlungsgebühren zum Ziel – und entzieht damit unter Umständen so manchem Online-Bezahldienst die geschäftliche Grundlage. Es bleibt also höchst spannend!

Was tun?

Eine Sorge lässt sich Betreibern von Online-Shops im Vorfeld abnehmen: Sie müssen sich „nur“ entscheiden, welche Zahlungsarten sie anbieten möchten. Um die technische Anbindung, die Abwicklung und den eigentlichen Zahlungsverkehr kümmern sich so genannte Payment Service Provider, die Ihren Webshop an die jeweiligen Systeme anbinden.

Zum Glück für Online-Händler leben wir bereits im Jahr 2016, denn heutzutage gibt es komfortable Möglichkeiten, ein Geschäft für Kunde und Anbieter einfach und (relativ) sicher abzuwickeln. Aber: Zum Pech leben wir erst im Jahr 2016, und der Markt für Online-Zahlungssysteme ist noch lange nicht zur Ruhe gekommen.

Es wird sich noch viel ändern, neue Anbieter werden auftauchen und auch wieder verschwinden. Von der einen, sicheren und bequemen Lösung, die überall akzeptiert wird und die immer passt, sind wir weit entfernt.

Online-Händler sind also gut beraten, wenn sie flexibel bleiben, mit der Zeit gehen und ihre Online-Bezahlsysteme an aktuelle Kundengepflogenheiten anpassen. Und darauf hoffen, dass sich dieser Markt einmal im Interesse von Händlern und Kunden konsolidiert.

 

Vanessa Lehmkuhl

Von Vanessa Lehmkuhl

Seit 2008 ist die Marketing- und Kommunikationswirtin im B2B-Vertrieb eines regionalen Medienunternehmens gegenüber Werbetreibenden beratend tätig.

Von | 2017-08-08T11:28:27+00:00 30. August 2016|Digital|0 Kommentare

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