Mitarbeitermotivation und Unternehmenskultur

Mitarbeitermotivation und Unternehmenskultur

Ein Kauknochen um den eine rote Schleife gebunden ist

Bild: Ingo Sch. – Fotolia.com

Geht es um hochqualifiziertes und -motiviertes Personal, steht man als Arbeitgeber in der Bringschuld.

Das betrifft die Rekrutierung genauso wie die Fähigkeit, Mitarbeiter langfristig zu binden und die Motivation hochzuhalten.

Aber was motiviert Mitarbeiter wirklich? Was machen so genannte Top-Arbeitgeber wie Google besser oder anders, und welche dieser Taktiken können Sie auch im eigenen Betrieb anwenden?

Mitarbeitermotivation – ein Mythos

„Es gehört zu den Aufgaben einer guten Führungskraft, seine Mitarbeiter zu motivieren …“

Vermutlich haben Sie sich schon öfter gedanklich mit dem Punkt Mitarbeitermotivation auseinandergesetzt, vielleicht Seminare zu dem Thema besucht oder Motivationsratgeber gelesen?

Für Bestsellerautor Reinhard Sprenger ist das alles vergebliche Liebesmüh, denn er ist überzeugt:

Ein Chef kann seine Mitarbeiter nicht motivieren, er kann im besten Fall Demotivation verhindern.

Das, was mittlerweile auch in der Forschung als Königsweg bezeichnet wird, ist die Erkenntnis, dass echte Motivation nur aus einer Person selbst heraus entstehen kann.

Dies nennt man intrinsische Motivation.

Der intrinsisch motivierte Mitarbeiter gibt sein Bestes, weil er es selbst möchte und nicht um einer Bestrafung zu entgehen, Lob zu erhalten oder weil er mit einer Gehaltserhöhung liebäugelt.

Einige Firmen legen deshalb inzwischen großen Wert auf die Förderung dieser Art von Motivation.

Wirft man beispielsweise einen Blick auf den Konzern Google, wird man dort in der Mehrzahl Mitarbeiter finden, die intrinsisch motiviert sind.

Die Frage, die wir uns stellen, lautet: Wie gelingt es, die intrinsische Motivation zu fördern beziehungsweise sie überhaupt erst entstehen zu lassen?

„Ja, ich will“

Genau das sagen jedes Jahr tausende Mitarbeiter zu Google – und meinen es auch so.

Google-Mitarbeiter sind motiviert bis zum Umfallen, sie arbeiten im Durchschnitt weit mehr Stunden als in ihrem Arbeitsvertrag festgeschrieben sind, sie bringen Top-Leistung und sie umgibt eine Aura, die vor guter Laune und Energie nur so strotzt.

Google ist ein Riese, hier lockt Mitarbeiter eben das große Geld, werden Sie jetzt vielleicht denken. Und Sie haben Recht, schlecht verdient man bei Google nicht.

Tatsächlich ist ein angemessenes Gehalt einer der so genannten „harten Faktoren“, die zur Mitarbeiterzufriedenheit beitragen.

Aber man weiß auch, dass Geld allein weder glücklich macht noch die Motivation steigert – zumindest nicht auf lange Sicht.

Neben einem guten Gehalt ist Google für seine bemerkenswerten Zusatzleistungen bekannt.

Dabei handelt es sich um eine ganze Palette an Extras, auf die die Angestellten – von der Führungskraft bis hin zum Praktikanten – jederzeit und kostenlos zugreifen können: Essen und Getränke, eine hauseigene Wäscherei, Kinderbetreuung, ein firmeninternes Fitnesscenter, Massagen, Ruheräume, Ausflüge und vieles mehr.

Das macht Eindruck und ist komfortabel.

Von einem mittelständischen Unternehmen sind solche Leistungen jedoch kaum zu erbringen. Und das Gute daran ist: Das ist auch gar nicht notwendig!

Die genannten Extras sind letzten Endes lediglich das Salz in der ohnehin schon exzellent schmeckenden Suppe.

Der Klimawandel im Unternehmen: warum „sich wohlfühlen“ wichtig ist

Aber was ist es dann, was Google so attraktiv macht?

Die Antwort: eine Unternehmenskultur, die für einen immens hohen Wohlfühlfaktor sorgt – und hier geht es um weit mehr als um Massagen oder Freikarten für ein Baseballspiel.

Sich an seinem Arbeitsplatz wohl zu fühlen, wird für Arbeitsnehmer immer wichtiger.

Wird diesem Verlangen Rechnung getragen, profitieren davon nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch das Unternehmen selbst, das belegen mittlerweile auch Studien.

Es ist eigentlich ganz einfach: Wer an seinem Arbeitsplatz nicht nur zufrieden ist, sondern sich tatsächlich auch wohlfühlt, baut leichter eine emotionale Bindung zu seinem Unternehmen auf, das Wir-Gefühl der Belegschaft verstärkt sich, das positive Klima schafft den Nährboden für Spitzenleistungen und Innovationskraft.

Unternehmenskultur – was ist das eigentlich genau?

Der Begriff Unternehmenskultur ist zuallererst einmal wertneutral.

Er unterscheidet nicht zwischen „gut“ und „schlecht“ – jede Firma besitzt eine Unternehmenskultur.

Tatsächlich sind sich aber weder alle Mitarbeiter noch alle Betriebe dessen bewusst.

Die Unternehmenskultur ergebe die „ungeschriebenen Gesetzmäßigkeiten, also die Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen, die dem Leben und Handeln in einem Unternehmen zugrunde liegen„, schreibt Lutz Peter Reuter, Leiter Zentralbereich Personal der Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, in seinem lesenswerten Essay zum Thema.

Unternehmenskultur spiegele sich unter anderem wider in „der Honorierung oder Sanktionierung von Verhaltensweisen, in der Leistungsbereitschaft von Mitarbeitern, in der Art und Weise der Kommunikation zwischen den betrieblichen Ebenen, aber auch in der Außendarstellung und dem Ansehen des Unternehmens in der Öffentlichkeit.

Basis jeder Unternehmenskultur sei dabei die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb des Betriebs.

Individualisieren statt Kopieren!

Sie können also aufatmen: Sie müssen Ihren Mitarbeitern kein Rundumsorglos-Paket à la Google bieten.  Sie müssen lediglich bereit sein, Ihr Unternehmen in ein Wertesystem zu kleiden und dieses dann auch tatsächlich zu LEBEN.

Google tut dies sehr konsequent – in allen Bereichen.

Ein Unternehmensleitbild erstellen und kommunizieren

Welche Werte sollen Ihre Firma definieren?

Erstellen Sie am Besten ein schriftliches Unternehmensleitbild, das Sie intern und extern kommunizieren.

Sie müssen das Rad nicht neu erfinden, besinnen Sie sich ruhig auf Dinge, die in Ihrem Unternehmen bereits gut funktionieren und ergänzen Sie diese.

Behalten Sie bitte eines im Kopf: Unternehmenskultur lässt sich nicht künstlich hervorbringen. Sie braucht Authentizität.

Während für Google der „Startup-Spirit“ zum Leitbild der Unternehmenskultur gehört, würde dieser Anspruch beim alteingesessenen Handwerksbetrieb in Gelsenkirchen vermutlich seltsam anmuten.

Allerdings gibt es Faktoren, die eine gewisse Allgemeingültigkeit haben und auf alle Unternehmen übertragbar sind.

Kein Mitarbeiter wird sich auf Dauer in einem Unternehmen wohlfühlen, das seine Leistung nicht angemessen finanziell honoriert. Ähnlich wichtig ist ein interessanter Aufgabenbereich. Kaum etwas wirkt auf einen Mitarbeiter demotivierender als eine Arbeit, die ihm nicht sinnvoll oder gar unwichtig erscheint.

Werfen wir an dieser Stelle nochmals einen Blick auf Google: Sie werden hier keinen Praktikanten finden, der lediglich zum Kaffeeholen abgestellt wird.

Einen recht guten Eindruck davon bekommt man im Internetforum Quora, in dem ehemalige Praktikanten von ihrer Zeit bei Google berichten.

Der dritte – und, hält man sich nochmals die Aussage Reuters vor Augen, ebenso wichtige Punkt – ist die ehrliche Wertschätzung durch Vorgesetzte und Kollegen. Diese sollte sich im persönlichen Umgang miteinander zeigen, kann aber zudem auch durch Weiterbildungsangebote, flexible Arbeitszeitmodelle etc. gelebt werden.

Ein Klima, in dem sich die Belegschaft respektiert, gefordert und gefördert fühlt, bildet also das Fundament für echte intrinsische Motivation bei Mitarbeitern. Und letztlich führt nur diese langfristig zu mehr Erfolg.

 

 

Katharina Bösch

Von Katharina Bösch

Arbeitet seit 2012 als Leiterin des Redaktionsteams eines Beratungsportals für Medienunternehmen.

Von | 2017-08-09T10:16:49+00:00 11. November 2014|Management|0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar