Mitarbeiterführung – Wie erschaffen Sie Kreativität in Ihrem Team?

Mitarbeiterführung – Wie erschaffen Sie Kreativität in Ihrem Team?

Vier bunte zerknüllte Papierbälle, ein gelber schwebt in der Luft und stellt eine Glühbirne dar

Bild: stockpics – Fotolia.com

Arbeite ich in einem kreativen, innovativen Unternehmen? Das ist relativ, richtig? Denn da hat jedes Unternehmen unterschiedliche Ansätze, Standards und Ansprüche.

Wie empfinden Sie dies in Bezug auf Ihr Unternehmen? Haben Sie bereits ein kreatives Team und/oder innovative Ideen? Bestimmt! Auch wenn Sie sich darüber vielleicht noch nicht bewusst sind.

Innovation ist meistens ein angestrebtes Unternehmensziel. Dafür ist Kreativität die Voraussetzung. Durch Kreativität werden neue Ideen generiert und als Innovation wird die Umsetzung neuer Ideen bezeichnet.

Kreativität, eine Wissenschaft für sich?

Witzig ist, dass ich mich gerade an ein solches Thema wissenschaftlich herantaste. Was weiß ich bereits zum Thema, was muss ich unbedingt darüber lesen, was sagt die Forschung?

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir dieser Artikel schwer fallen würde, denn schließlich arbeite ich täglich in einem kreativen Team… So schwer kann das doch nicht sein. Doch es war schwieriger als gedacht. Letztendlich ist Kreativität verdammt harte Arbeit und eine Wissenschaft für sich.

Klar ist eins: Provozierende Künstler gehen anders an ein Projekt heran, als ein Unternehmer, dessen Firma vom Erfolg des nächsten Produkts abhängig ist.

Was steckt dahinter?

Definitionen finde ich persönlich zu abstrakt. Es gibt für das Wort Kreativität jedoch viele Synonyme, die in meinen Augen auch eine Art Definition darstellen können und v. a. die Vielfalt des Begriffs darstellen – wie etwa: Einfallsreichtum, Ideenreichtum, Einbildungskraft, Produktivität, Talent, Genialität, Erfindungsgabe, Schöpferkraft, Vorstellungsvermögen, Fantasie etc.

Ich finde durch diese Begriffe wird schon klarer, was sich hinter Kreativität alles verbergen kann. Egal welchen Bereich Sie in Ihrem Unternehmen betrachten, überall gibt es Talent, Ideen und Produktivität. Auch in Bereichen, die auf den ersten Blick nichts mit Kreativität zu tun haben.

In jedem Unternehmen, in jeder Abteilung steckt kreatives Potenzial.

Was bedeutet Kreativität?

  • Bestehendes verändern
  • Etwas gestalten
  • Erfahrungen neu zusammensetzen
  • Neue Ideen finden
  • Probleme lösen

Um auf Ideen zu kommen, versuche ich von der Norm abzuweichen bzw. verrückte Gegensätze zu finden. Stellen Sie sich einen Elefanten vor, der mit einem zerbrechlichen Ei Fußball spielt.

Oder stellen Sie sich vor, der nächste Kongress, die Gesellschafterversammlung oder Kundenakquise finden in einem leeren Schwimmbecken statt. Natürlich muss ein Bezug zum definierten Ziel da sein. Im ersten Moment sollten aber die Gedanken frei laufen, um nicht mit der erstbesten Idee zufrieden zu sein.

In vielen Arbeitsbereichen reicht das Zusammensetzen oder Gestalten von Altem und Bewährten durch neue Kombinationen oftmals schon aus.

Wenn man die verfestigten Denkstrukturen hinter sich lässt, kann etwas Neues entstehen. Vielleicht wirkt das auf den ersten Blick etwas verrückt, aber „Spinnen“ gehört zum kreativen Prozess dazu.

Was scheinbar leicht ist, ist also in Wirklichkeit ein Prozess. Nachfolgend skizziere ich diesen anhand der 4 P´s.

Vier P´s der Kreativität

Nicht nur im Marketing-Mix kann man auf die vier P´s (product, price, promotion und place) zurückgreifen, sondern auch bei der kreativen Mitarbeiterführung. Dies kann helfen, im Team einen kreativen Prozess anzuschieben und zu steuern.

Kreativität kann also auch in vier Schritte eingeteilt werden:

  • Person
  • Process
  • Product
  • Press (Umwelt)

Die Personen werden nach dem zu erarbeitenden Ziel/Ergebnis ausgesucht, sprich welche Person kann im Team etwas zu dem gewünschten Produkt/Projekt etwas beisteuern.

Der Prozess kann durch Kreativitätstechniken unterstützt werden. Beim Prozess werden Probleme erkannt, Informationen gesammelt, mögliche Lösungen entwickelt und die Analyse der Lösungen avisiert.

Zu förderlichen Umwelt eines Kreativ-Prozesses gehört bspw. Innovation (ein abgefahrener Pausenraum mit einer Playstation oder Liegestühle auf einer Sonnenterrasse), aber vor allem muss das Klima im Team stimmen.

Die Basis einer guten Arbeitsumgebung ist die gute Beziehung zwischen Geführten und der Führungskraft.

Chefs sollten inspirieren und zu kreativem Denken anregen. Doch wie genau?

Das muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden. Aber es liegt auf der Hand, dass sich Menschen wohlfühlen müssen, um Selbstvertrauen zu entwickeln sowie Wissen und Anregungen vorzubringen. Nicht vergessen werden sollte im Rahmen einer kreativen Mitarbeiterführung: In der Chefetage muss Verständnis für „Spinnereien“ aufgebaut werden.

So entsteht Raum für Entwicklung und Prozesse.

Ich habe gelesen, dass es mindestens drei Voraussetzungen für einen kreativen Prozess (in einem Unternehmen) geben sollte.

  • Ein Bereich, in dem man sich auskennt
  • Ein gesellschaftliches, soziales Umfeld
  • Überzeugung, Motivation

Hätte ich ein Unternehmen, würde ich mir unter Berücksichtigung dieser Punkte zunächst die Einstellung von Mitarbeitern „vornehmen“. Mit loyalen Mitarbeitern besitzt jedes Unternehmen die bestmögliche Voraussetzung für kreative Prozesse.

Diese können durch bestimmte Techniken noch unterstützt werden.

Welche Kreativitätstechniken gibt es?

Kreativitätstechniken können die vorhandene Kreativität in Teams fördern.

Es muss nicht gleich das total hippe Seminar sein, irgendwo im Dschungel, auf einem Gipfel oder in einem absolut dunklen Raum.

Auch ein kleiner Reizentzug kann durchaus schon eine positive Auswirkung haben. So wie ein Moment in absoluter Entspannung, wie beim Aufstehen oder unter der Dusche, wenn die Augen noch halb geschlossen sind. Im Job lässt sich dieser Zustand leider nicht immer realisieren. Alternativ kann man auf kreative Techniken zurückgreifen.

Nachfolgend meine vier Favoriten:

1. Beim Brainstorming wird eine Gruppe von 5-7 Personen zusammengestellt. Je nach Problemstellung kann sie aus Mitarbeitern, Experten und Laien bestehen.

Die Leitung bereitet Anschauungsmaterial vor und stellt der Gruppe die Basisdetails vor. Zuerst werden Ideen generiert und im Anschluss gefiltert. Es gelten grundsätzliche Regeln beim Brainstorming:

  • Kombinieren und Aufgreifen von bereits geäußerten Ideen
  • freies Fantasieren
  • Verboten: Kritik, Kommentare und Korrekturen
  • Zeitrahmen von 5 bis 30 min

Meine bisherige Erfahrung war, wenn Chefs oder Teamleiter schon mit (sehr) verrückten Ideen antreten, verschwindet die Hemmschwelle. So verlieren Praktikanten oder schüchterne Teammitglieder Ihre Angst vor einer Blamage.

2. Bei der De Bono Hüte – Methode erhalten die Gruppenmitglieder verschiedenfarbige Hüte. Jeder Hut entspricht einem Blickwinkel und spielen eine vorgegebene Rolle. Durch die Zuteilung einer Rolle geht man davon aus, dass offenere Diskussionen möglich sind, als wenn jeder Teilnehmer „sich selbst“ ist.

Bei dieser Methode gibt es sechs Farben:

  • Weiß steht für das analytische Denken (Tatsachen, Anforderungen)
  • Rot für das subjektive Empfinden (Emotionen)
  • Schwarz für das kritische Denken (Risiko, Probleme, Ängste)
  • Gelb für das optimistische Denken (Best-Cases/Erkennen aller Aspekte)
  • Grün steht für assoziatives und kreatives Denken (Neue Ideen)
  • Blau steht für strukturiertes und moderierendes Denken (Dirigent)

Bei dieser Technik haben die Beteiligten bei der Bearbeitung einer Aufgabenstellung stets die gleichen Hüte (Farbe) auf und wechseln nach der vorgegeben Zeit gleichzeitig die Hüte. So werden laut De Bono Konflikte vermieden, parallel gedacht und alle Positionen berücksichtigt.

Weitere Ausführungen finden Sie beispielsweise hier.

3. Bei der Methode 6-3-5 erhalten sechs Teilnehmer ein jeweils gleich großes Blatt Papier. Dieses wird mit drei Spalten und sechs Zeilen in 18 Kästchen aufgeteilt. Jeder Teilnehmer wird aufgefordert, in der ersten Zeile drei Ideen (je Spalte eine) zu formulieren. Jedes Blatt wird nach angemessener Zeit (5 Minuten) von allen gleichzeitig im Uhrzeigersinn weitergereicht. Der Nächste soll versuchen, die bereits genannten Ideen aufzugreifen, zu ergänzen und weiter zu entwickeln.

4. Die Zufallstechnik finde ich persönlich am besten und auch am kreativsten. Zunächst wird eine zentrale Fragestellung formuliert. Um dafür eine Idee entwickeln zu können, muss eine Auswahl an zufällig zusammengestellten Bildern oder Wörtern zur Verfügung stehen.

Die Quelle spielt keine Rolle. Das Zufallselement dient dazu, Assoziationen zu wecken, die in eine komplett andere Richtung gehen. Es gibt verschiedene Varianten dieser Technik, eine der bekanntesten ist die Katalog-Technik und die Zufallsquelle ein Warenkatalog.

Ein Beispiel:

Es werden Ideen für die Eröffnung eines großen Einkaufscenters gesucht. Im Katalog wird irgendeine Seite aufgeschlagen und dort sind Paketbänder abgebildet. Aus dieser Anregung könnte die Idee entstehen, am Tag der Eröffnung das Einkaufscenter mit einer riesen großen Schleife (aus Paketband wurde eine Schleife) als Geschenk zu verpacken und alle Beteiligten könnten mit einer Schere symbolisch das Band öffnen bzw. zerschneiden. Vielleicht kommt es dann sogar mit der Schleife in das Guniess Buch der Rekorde.

Im Einkaufscenter kann die Schleife als Themenmotiv für jede Branche und Aktion dienen: Einkaufstaschen können bedruckt werden, Gutscheinmotive gestaltet werden, kleine Geschenkboxen im Design des Kaufhauses produziert werden und eine große Torte im selben Design gebacken werden etc.

Mein Tipp:

Nehmen Sie sich Zeit für kreative Prozesse, sonst werden es immer die Fähnchen bleiben, die erst beste Idee und nicht die Beste.

Seien Sie mit Ihrem Team

  • offen für Neues (Neugier)
  • denken Sie um, wechseln Sie die Sichtweise (kochen Sie zum Üben beispielsweise Ihr Lieblingsgericht mal komplett anders)
  • mutig und aktiv

Letztendlich muss auch die Kreativität, das Verlassen von eingerosteten Denkstrukturen trainiert werden, wie die Muskelkraft.

Fazit

Steve Jobs sagte: „Kreativität heißt: Dinge miteinander verbinden. Wenn Sie kreative Menschen fragen, wie sie etwas geschaffen haben, fühlen sie sich ein bisschen schuldig, weil sie gar nicht wirklich etwas getan, sondern nur etwas gesehen haben. Es war einfach offensichtlich für sie. Deswegen waren sie fähig, Erfahrungen zu verbinden und neue Dinge zu kreieren.“

Natürlich gibt es auch die Meinung, dass Kreativitätstechniken, vor allem in Gruppen, nicht sehr effektiv sind. Hier heißt es, dass durch ein qualifiziertes Team, ein gutes Projektmanagement, ein exaktes Briefing, einem durchdachten Plan und funktionierender interner Kommunikation, kreative Meeting überflüssig sind.

Bei allen Punkten stimme ich zu, denn diese Punkte sind die Voraussetzung für ein funktionierendes Team. Allerdings finde ich auch, dass je nach Projekt kreative Meetings Sinn machen – aus eigener Erfahrung.

Welcher Meinung sind Sie?

 

 

Steffi Margos-Ludwig

Von Steffi Margos-Ludwig

Steffi Margos-Ludwig arbeitet als Projektmanagerin bei der FUNKE Mediengruppe in Essen.

Von | 2017-08-09T10:29:41+00:00 22. April 2015|Management|0 Kommentare

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