Mitarbeiter führen – Teil 4: Moderne Führung

Mitarbeiter führen – Teil 4: Moderne Führung

Finger der auf einen am Boden liegenden Hund zeigt

Bild: javier brosch – Fotolia.com

Mitarbeiter führen. Wie gelingt das? Was macht einen Führungsstil perfekt? Max Weber, Kurt Lewin, Horst-Joachim Rahn und viele weitere Geistesgrößen haben sich in der Vergangenheit über diese Frage die Köpfe zerbrochen.

Heute gilt die Suche nach dem einzig wahren, optimalen Führungsstil weitgehend als überholt. Stattdessen rückt das Verhältnis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter ins Zentrum des Interesses.

Die Suche nach dem perfekten Führungsstil hat in der Vergangenheit eine Vielzahl an Theorien und Modellen zu Tage gefördert.

Drei der verbreitetsten Varianten, nämlich die so genannten tradierenden Führungsstile nach Max Weber, die klassischen Führungsstile nach Kurt Lewin und die gruppenbezogenen Führungsstile nach Horst-Joachim-Rahn habe ich Ihnen ja bereits in den ersten drei Teilen meiner kleinen Serie zum Thema vorgestellt.

Der Blick auf die Überlegungen der drei Geistesgrößen ist nach wie vor lohnenswert.

Nichtsdestotrotz gelten ihre jeweiligen Einteilungen der ihrer Ansicht nach probaten Führungsmethoden nach aktuellem Stand der Forschung als veraltet.

Natürlich ist eine erfolgreiche Unternehmensführung auch heute nicht zuletzt eine Frage des Stils. Doch die schablonenhafte Herangehensweise vergangener Tage ist weitgehend passé.

Grau ist alle Theorie

Die Hauptschwäche der genannten Führungsstil-Modelle liegt darin begründet, dass es sich um abstrakte Konstrukte handelt, die dem Praxistest nicht standhalten.

So lassen sich etwa nach Weber kaum konkrete Verhaltensempfehlungen für das tägliche Miteinander ableiten. Dazu gesellt sich ein weiteres schwerwiegendes Problem.

Ein starrer Führungsstil kann nur dann zum Erfolg führen, wenn er zur jeweiligen Persönlichkeit der Führungskraft passt und diese ihn auch gerne praktiziert.

Dennoch galt lange Zeit Lewins kooperativer Führungsstil als erfolgsversprechend. Doch auch hier sind sich Experten inzwischen einig, dass er im Sinne einer optimalen Führung nicht ausreichend ist, zumal er gerade in Krisensituationen eindeutige Schwächen aufweist.

Die Tendenz geht heute klar hin zu einer so genannten situativen Führung, die sich an den jeweils vorhandenen Gegebenheiten orientiert.

Umdenken in den Chefetagen

Moderne, flexiblere Arbeitsmodelle machen selbstverständlich auch vor der Chefetage nicht halt.

Es liegt auf der Hand, dass sich eine Unternehmenskultur, die auf innovatives Miteinander und flache Hierarchien setzt nur schlecht mit einem autoritären Führungsstil vereinbaren lässt.

In der modernen Gesellschaft ist es keine Seltenheit, zum Beispiel via Facebook selbst mit dem Chef „befreundet“ zu sein. Dies wirkt sich natürlich auch auf das Miteinander im Job aus.

Teamwork heißt das Zauberwort der Stunde, entsprechend wichtig ist das zwischenmenschliche Verhältnis, innerhalb des Teams. Führungskraft inklusive.

Die Mitarbeiter wünschen sich dabei nicht nur die Wertschätzung ihres Chefs, sondern auch die Möglichkeit, sich selbst in einem produktiven Umfeld entfalten zu können. Hinzu kommt eine positive Work-Life-Balance, aus der sie Kraft für die kommenden Herausforderungen schöpfen.

Positive Unternehmenskultur

Es ist die Aufgabe einer modernen Führungskraft, für den Aufbau einer positiven Unternehmenskultur zu sorgen. Wichtig ist, das Vorhandensein echter Werte, die auch innerhalb des Betriebs gelebt werden.

Platte Parolen werden indes ihr Ziel verfehlen. Darüber hinaus sollten Führungskräfte die Bereitschaft besitzen eine echte Vorbild-Funktion im Unternehmen auszufüllen, um überhaupt in der Lage zu sein, die postulierten Werte glaubhaft zu vermitteln.

Ein hohes Maß an sozialer Kompetenz ist für Führungskräfte heute wichtiger denn je. Ein guter Chef kennt sein Team und weiß, wie er seine Mitarbeiter anpacken muss, und wie der einzelne tickt.

Um erfolgreich Führungsarbeit leisten zu können, ist der Vorgesetzte jedoch auf das Vertrauen seiner Nachgeordneten angewiesen, das er durch Sachverstand und authentisches Auftreten erreicht.

Das Ende der One-Man-Show

Während Führungsarbeit zu Zeiten Max Webers und seinen Ausführungen zum patriachalischen oder zum charisamatischen Führungsstil teilweise einer Ein-Mann-Show gleichkam, lässt sich auf diese Weise heute kein Blumentopf mehr gewinnen.

Dabei begreift sich der moderne Chef oftmals als Teil des Teams, in dem er allerdings das letzte Wort innehat. Gleichzeitig gehört das Durchregeln aller Prozesse der Vergangenheit an. So ist es ein Kennzeichen moderner Führung, dass mit den Aufgaben auch die Verantwortung von einer Ebene auf die nächste übertragen wird.

Fazit:

Starre Führungsstil-Modelle im Sinne Max Webers oder Kurt Lewins haben heutzutage ausgedient. Die Sichtweise, dass sich eine erfolgreiche Mitarbeiterführung in ein unflexibles Korsett pressen lässt, gehört der Vergangenheit an.

Stattdessen rückt das Team und mit ihm der einzelne Mensch mit seinen individuellen Stärken, Schwächen und situationsbedingten Befindlichkeiten in den Fokus.

 

 

Vanessa Lehmkuhl

Von Vanessa Lehmkuhl

Seit 2008 ist die Marketing- und Kommunikationswirtin im B2B-Vertrieb eines regionalen Medienunternehmens gegenüber Werbetreibenden beratend tätig.

Von | 2017-08-09T10:39:53+00:00 22. Februar 2016|Management|0 Kommentare

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