Mitarbeiter führen – Teil 3: Führungsstile nach Horst-Joachim Rahn

Mitarbeiter führen – Teil 3: Führungsstile nach Horst-Joachim Rahn

Finger der auf einen am Boden liegenden Hund zeigt

Bild: javier brosch – Fotolia.com

Wie sieht der perfekte Führungsstil aus? Nun, die Meinungen hierzu sind ebenso vielfältig wie die einzelnen Führungskräfte selbst.

Während ich in Teil 1 und Teil 2 meiner Reihe die verschiedenen Führungsstile nach Max Weber und Kurt Lewin eingehend unter die Lupe genommen habe, geht es nun um die Varianten nach Horst-Joachim Rahn.

Bei der Analyse probater Führungsstile verfolgt Horst-Joachim Rahn schon im Ansatz einen anderen Weg als Max Weber oder Kurt Lewin.

Weber misst in seinen Überlegungen der jeweiligen Persönlichkeit des Chefs eine immense Rolle zu.

Diese Stelle mit einem Menschen zu besetzen, dem es beispielsweise an Charisma mangelt, ist seiner Ansicht nach lediglich beim bürokratischen Führungsstil ohne weiteres möglich. Auch Lewin widmet seine Betrachtungen in erster Linie der Führungskraft selbst.

Ihre Art zu führen erstreckt sich seiner Position nach auf die gesamte Belegschaft. Ganz egal, welche Charaktere sich innerhalb des Teams im Einzelnen befinden.

Individuelle Mitarbeiterführung

Der 1940 im sächsischen Olbernhau geborene Hochschullehrer Horst-Joachim Rahn indes ist der Ansicht, dass es nicht zielführend ist, alle Angestellten bzw. Abteilungen innerhalb des Betriebs gleich zu behandeln.

Er plädiert für eine individuelle Herangehensweise, die von den jeweiligen Gruppenmitgliedern oder auch von der Gestalt einer Gruppe im Ganzen abhängt. Folgerichtig ist demnach auch vom gruppenbezogenen Führungsstil nach Rahn die Rede.

Der Umgang mit den einzelnen Mitarbeitern ist von mehreren Faktoren, etwa seinem Verhalten oder seinem Status innerhalb des Teams abhängig. Die Gruppe selbst ist als Gesamtheit zu führen, wobei wiederum jede Gruppenart eine individuelle Behandlung braucht.

Neulinge integrieren

Rahn kennt insgesamt sechs gruppenorientierte Führungsstile, die es je nach Bedarf anzuwenden gilt. So empfiehlt es sich in seinen Augen integrierend zu agieren, wenn die Führungskraft auf Außenseiter oder Neulinge trifft.

Die Aufgabe des Chefs ist es hierbei, diese Personen an die Gruppe heranzuführen und Hilfe anzubieten.

Ebenso müssen neu entstehende Gruppen innerhalb eines Betriebs integriert werden.

Eine anspornende Herangehensweise ist indes gefragt, wenn es um den richtigen Umgang mit Leistungsschwachen geht. Dies ist auch der Fall, wenn es sich um bekannte Drückeberger und erwiesenermaßen arbeitsscheue Team-Mitglieder handelt. Hier ist es die Aufgabe der Führungskraft, Ziele scharf zu umreißen und vorhandene Leistungsreserven gezielt zu aktivieren.

Die gleiche Vorgehensweise ist laut Rahn angezeigt, wenn eine in sich leistungsschwache Gruppe als Einheit geführt werden soll.

Stars fördern

Beim Umgang mit “Stars” und anderen Leistungsträgern ist die fördernde Führung nach Rahn das passende Rezept. Dies sollte etwa durch das Delegieren von Verantwortung an die betreffenden Akteure geschehen.

Darüber hinaus ist das Verleihen bestimmter Kompetenzen denkbar. Auch besonders leistungsstarke Teams sollten eine angemessene Art der Förderung erfahren.

Das Setzen von Anreizen ist neben einem öffentlichen Gruppenlob ein probates Mittel. Wertschätzendes Agieren ist für Rahn auch dann unbedingt angezeigt, wenn der betreffende Mitarbeiter aufgrund seiner individuellen Persönlichkeit eine wahre Frohnatur ist.

Das gleiche gilt für Menschen, die aufgrund ihres geselligen Wesens oder eines ausgleichenden Charakters maßgeblich zum positiven Klima innerhalb der Mannschaft beitragen. Umsichtige Führungskräfte sollten es nicht versäumen, solche gruppenerhaltende Persönlichkeiten ausreichend zu würdigen.

Gezielter Einsatz von Autorität

Ein eher bremsendes Verhalten sollte an den Tag gelegt werden, wenn es darum geht Intriganten oder groß gewordene “Klassenkasper” in ihre Schranken zu weisen. Das selbe gilt übrigens für Querulanten oder Mitarbeiter, die einen falschen Ehrgeiz zeigen.

Auch potenzielle Aufrührer sollten in ihrem Tun rechtzeitig gebremst werden.

Verhält sich die gesamte Gruppe “aufmüpfig” ist der besonnene Einsatz von Autorität ein gutes Mittel, um das Team wieder ins richtige Fahrwasser zu lenken.

Und wie geht eine gute Führungskraft mit schüchternen Angestellten um, die Gefahr laufen, innerhalb einer Gruppe unterzugehen? Oder mit solchen, die aufgrund persönlicher Probleme hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben?

Hier sieht Rahn einen ermutigenden Stil als erforderlich an, der durch eine positive Haltung und Anteilnahme gekennzeichnet ist. Präsentiert sich eine ganze Gruppe unnötig still und schüchtern, sollte dieses Team ermutigend angefasst werden, da ihm so die Chance eingeräumt wird, das notwendige Selbstbewusstsein zu tanken.

Fazit:

Individuen brauchen eine individuelle Führung, um am Ende des Tages das Optimum aus sich heraus zu holen. Die Argumente, die Horst-Joachim Rahn aufzeigt, leuchten ein. Doch scheitern sie im Arbeitsalltag vermutlich schon allzu bald an der Realität.

Gerade in größeren Unternehmen ist es schlichtweg nicht möglich, jeder einzelnen Persönlichkeit eine maßgeschneiderte Behandlung zuteil werden zu lassen. In überschaubaren Teams jedoch kann diese Art zu führen durchaus funktionieren.

In jedem Fall aber tut jeder Chef gut daran, sich zumindest einmal Gedanken darüber zu machen, wie die Menschen im Team im Einzelnen gestrickt sind.

 

 

Vanessa Lehmkuhl

Von Vanessa Lehmkuhl

Seit 2008 ist die Marketing- und Kommunikationswirtin im B2B-Vertrieb eines regionalen Medienunternehmens gegenüber Werbetreibenden beratend tätig.

Von | 2017-08-09T10:45:22+00:00 15. Februar 2016|Management|0 Kommentare

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