Mitarbeiter führen – Teil 2: Führungsstile nach Kurt Lewin

Mitarbeiter führen – Teil 2: Führungsstile nach Kurt Lewin

Finger der auf einen am Boden liegenden Hund zeigt

Bild: javier brosch – Fotolia.com

Nachdem ich im ersten Teil meiner Serie “Mitarbeiter führen” die tradierenden Vertreter nach Max Weber eingehend beleuchtet habe, schauen wir uns heute die klassischen Führungsstile nach Kurt Lewin an.

Wer nach dem richtigen Führungsstil für die eigene Abteilung oder vielleicht sogar das ganze Unternehmen sucht, wird natürlich nicht nur auf den Namen Max Weber stoßen. Beinahe im gleichen Atemzug taucht unweigerlich auch der berühmte Sozialpsychologe Kurt Lewin (1890 bis 1947) auf, der sich ebenso intensiv mit der Führungsthematik auseinandersetzte.

Während Max Weber mit dem patriachalischen, dem autokratischen, dem charismatischen und dem bürokratische Führungsstil insgesamt vier verschiedene Formen kennt, die heute unter dem Begriff tradierende Führungsstile zusammengefasst werden, kommt Lewin mit gerade einmal drei Variationen aus, die als so genannte klassischen Führungsstile bezeichnet werden.

Dabei war es Lewin stets wichtig zu betonen, dass die Art und Weise der Führung ganz erheblichen Einfluss auf die Stimmung und den Zusammenhalt innerhalb der Gruppierung wie auch auf deren Produktivität und Effizienz hat.

Autoritärer Führungsstil

Der autoritäre oder hierarchische Führungsstil Lewins deckt sich im Prinzip mit dem autokratischen Führungsstil wie ihn Max Weber formuliert.

Der Chef allein ist Herr im Haus und entscheidet. Im obliegt dabei auch die Kontrolle des Geschehens. Die Nachgeordneten setzen lediglich die Beschlüsse ihres Vorgesetzten um, ohne dass sie Möglichkeiten zum Widerspruch oder auch zur Optimierung der Vorgänge haben.

Das Verhältnis im Team ist insgesamt eher distanziert. Wenn es darum geht, schnelle Entscheidungen zu treffen werden die Stärken des autoritären Führungsstils am deutlichsten. Hier gibt es keine Diskussion darüber, wer nun die Verantwortung trägt und das Sagen hat, weshalb diese Art der Führung vor allem in Krisensituationen wertvoll sein kann.

Im Arbeitsalltag wirkt sie eher demotivierend auf die Mitarbeiter, die oft gar keinen Sinn darin sehen, selbst mitzudenken und eigene Ideen zu entwickeln.

Die Führungskraft selbst setzt sich der Gefahr der Überforderung aus, da sie allein die schwere Last aller Verantwortung trägt. Fällt der Chef zum Beispiel durch Krankheit aus, ist praktisch das ganze Team schachmatt gesetzt, da ihm der Kopf fehlt.

Kooperativer Führungsstil

Der kooperative Führungsstil, auch demokratischer Führungsstil genannt, macht die Mitarbeiter zum unmittelbaren Teil des gesamten Entscheidungsvorgangs. Dabei kommt es mitunter vor, dass die jeweilige Führungspersönlichkeit auch Aufgaben, die eigentlich in ihren Zustellungsbereich fallen, an Nachrangige delegiert.

Die Kontrollfunktion des Vorgesetzten ist nicht mehr absolut. Sie kann zum Beispiel durch ein gewisses Maß an Eigenkontrolle aufgeweicht werden. Da die Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse involviert werden, sind sie insgesamt motivierter als Kollegen, die unter einem autoritären Führungsstil tätig sind.

Auch das persönliche Verständnis für firmenrelevante Zusammenhänge ist meist höher. Der kooperative Führungsstil fördert nicht nur das Engagement der Mitarbeiter, sondern auch das allgemeine Betriebsklima, wovon im Regelfall auch die Produktivität profitiert.

Gleichzeitig wird der Vorgesetzte entlastet, da nicht mehr alle Verantwortung allein auf seinen Schultern ruht.

Doch leider gibt es auch hier einen Haken: Bekanntlich verderben zu viele Köche den Brei. So existiert das Risiko, dass es an klaren Anweisungen mangelt und es dem Chef am Ende an der notwendigen Durchsetzungsfähigkeit fehlt. Ist dies der Fall wirkt sich das oftmals negativ auf die Disziplin innerhalb der Gruppe aus. Wichtige Entscheidungen werden einfach vertagt, da es unmöglich erscheint es jedem Einzelnen recht zu machen.

Laissez-faire Führungsstil

Der französische Ausdruck „laissez faire“ besagt: „Lassen Sie machen“, was den Kern dieses Führungsstils bereits gut zum Ausdruck bringt. Tritt dieser Führungsstil zu Tage, genießen die Mitarbeiter alle nur erdenklichen Freiheiten.

Die Befugnis Entscheidungen zu treffen liegt dabei ebenso bei der Belegschaft wie die Kontrolle aller Abläufe.

Im Idealfall wirkt sich der Laissez-faire Führungsstil positiv auf die Mitarbeitermotivation aus, da er jedem gestattet, sich selbst mit seinen eigenen individuellen Stärken einzubringen.

Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Wie wir alle wissen, kann nicht jeder Mensch mit absoluter Freiheit umgehen. Dazu kommt die Gefahr, dass eine Gruppe “ohne delegierenden und eingreifenden Chef” leicht an Orientierung verliert.

Fazit

Wie bei Max Webers tradierenden Führungsstilen lässt sich auch bei Kurt Lewin festhalten: Den einen wahren und allgemein gültig besten Führungsstil gibt es nicht.

Zum Teil hängt es sogar von einzelnen Situationen ab, welche Variante die erfolgsversprechendere ist. So eignet sich der autoritäre Führungsstil vor allem in Krisensituationen, die schnelle Entscheidungen erfordern, während der kooperative Führungsstil gerade im Arbeitsalltag punktet.

Ein Laissez-faire Führungsstil ist in meinen Augen nur in besonderen Situationen angezeigt. Er fördert zwar das eigenständige Arbeiten eines jeden Einzelnen. Doch viele Menschen kommen mit einem Höchstmaß an Freiheit nicht klar.

 

 

Vanessa Lehmkuhl

Von Vanessa Lehmkuhl

Seit 2008 ist die Marketing- und Kommunikationswirtin im B2B-Vertrieb eines regionalen Medienunternehmens gegenüber Werbetreibenden beratend tätig.

Von | 2017-08-09T10:54:04+00:00 8. Februar 2016|Management|0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar