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Marketing? – In diesen Branchen noch eine Besonderheit

Veröffentlicht am 16.06.2017 in Marketing

Marketing gilt in vielen Unternehmen als Geldverschwendung. Foto: Pixabay, Montage: Marketing im Pott

Beim Verfassen des Titels habe ich mir schon gedacht, dass ich auch direkt hätte schreiben können: „Marketing für 'langweilige' Branchen“. Jedoch geht es hier nicht um ein Regelwerk für Branchen, welche traditionell eher in Grautönen gekleidet sind, sondern es geht vielmehr um die vertanen Chancen dieser Branchen.

Marketing gilt in vielen Unternehmen als Geldverschwendung und hat sich aus diesem Grund auch (noch) nicht etabliert. Warum sollte ich zum Beispiel für mein Maschinenbauunternehmen werben? Was wollen die Leute denn schon wissen? Interessiert doch eh keinen und meine Kundenkontakte pflege ich persönlich. Kennen Sie diese Meinung?

Marketing hat viele Facetten

Streng gesehen verdient der Vertrieb das Geld und Marketing gibt es aus. Eine altertümliche Ansicht. Heutzutage muss jedes Unternehmen, egal welche Farbe das Gewand hat, darüber nachdenken wie es sich positioniert, was es von anderen Unternehmen abhebt und welche Kanäle für diese Kommunikation (B2B und B2C) sinnvoll genutzt werden. Es geht nicht nur darum, die Produkte in den Vordergrund zu stellen, sondern das Unternehmen mit all seinen Werten steht im Vordergrund.

Alles zusammen sollte in einem Gesamtkonzept stehen und aufeinander abgestimmt sein. Gelingt dies, so lassen sich spannende neue Kundenkontakte knüpfen. Zusätzlich trägt ein nachhaltiger Eindruck zum Überleben des Unternehmens bei.

Unsere Interviewpartnerin, Viktoria Schütz, stand bei Ihrem Einstieg ins Marketing eines Maschinenbauunternehmens vor genau diesen Herausforderungen. Mittlerweile hat sie sich den Aufgaben gestellt, ein Buch darüber geschrieben und arbeitet als selbstständige Marketingberaterin für Maschinenbauunternehmen.

Frau Schütz, wie müssen wir uns die Ausgangslage eines Marketingteams in einem Maschinenbauunternehmen vorstellen?

Viktoria Schütz arbeitet als selbstständige Marketingberaterin für Maschinenbauunternehmen.Viktoria Schütz: „Da sind wir schon beim Problem: In mittelständischen Maschinenbauunternehmen gibt es selten jemanden, der speziell für das Marketing zuständig ist und schon gar kein Team. Wenn überhaupt Marketing gemacht wird, wird es meistens vom Vertrieb oder vom Chef mitgemacht. Das heißt, es gibt keine langfristige Planung, sondern ab und zu Aktionen, wenn es gerade reinpasst. Die meisten mittelständischen Maschinenbauer verschenken dadurch viel Potenzial.“

Welche Herausforderungen waren neu?

Viktoria Schütz: „Ich habe früher für Markenartikler gearbeitet, die Konsum- und Verbrauchsgüter herstellen. Da hat man nie direkten Kundenkontakt und es geht darum, dass die Konsumenten die Artikel möglichst oft kaufen. Das ist bei Maschinen ganz anders: Der direkte Kundenkontakt ist das A & O und Maschinen sind sehr teuer und halten sehr lange, das heißt es geht um Vertrauen und langfristige Beziehungen.“

Warum konnten Sie bestehende theoretische Vorgehensweisen nicht in Ihrem Unternehmen umsetzen?

Viktoria Schütz: „In der Marketingtheorie und auch im Marketingstudium geht es vorranging um schnelldrehende Artikel. Die 4 Ps werden immer nur anhand von Konsum- und Verbrauchsgütern abgehandelt. Dabei sind Investitionsgüter ein wichtiger Markt für die deutsche Wirtschaft. In diesem Bereich gibt es einige Marketing-Unterschiede, bei Maschinen geht es z. B. nicht um Verpackungsdesign und Distributionskanäle.“

Welche Tipps können Sie Personen in der gleichen Ausgangslage geben? Womit fängt man an?

Viktoria Schütz: „Anfangs genügt es schon, mit kleinen Aktionen für wenig Budget anzufangen und auszutesten, was funktioniert und was nicht. Man darf aber nicht zu schnell aufgeben, da in diesem Bereich Marketing- und Werbeaktionen meistens erst mittel- oder langfristig wirken. Wichtig ist daher Kontinuität in den Maßnahmen. Das heißt, einen Jahresplan erstellen und aufeinander abgestimmte Aktionen durchführen. Damit die Wirkung von Anfang an verstärkt wird, empfehle ich ein Corporate Design entwickeln zu lassen und dieses auch konsequent zu nutzen.“

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Ich denke, dass es neben dem Maschinenbau noch einige andere Branchen gibt, die ähnlichen Problemen im Marketing gegenüberstehen. Hier ist es ratsam, ein Umdenken im Unternehmen anzustoßen und somit eine Entwicklung voranzutreiben, um Potenziale auszuschöpfen, die bisher nicht genutzt wurden.

Arbeiten Sie in so einer Branche? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Teilen Sie uns in unseren Kommentaren mit, ob Sie einen solchen Wandel schon miterlebt haben.

 

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