Interviewpartner Björn Schüngel

Foto: Björn Schüngel

Björn Schüngel (40) ist mit seinem Geschäftspartner Christian Schwarz seit 2005 geschäftsführender Gesellschafter der Agentur schüngelschwarz.

Die inhabergeführte Full-Service-Kommunikationsagentur mit Sitz in Essen betreut primär Kunden aus dem Mittelstand des Ruhrgebiets und NRW.

Zu den prominentesten Kunden zählen dabei die Privatbrauerei Jacob Stauder, der Sutter Telefonbuchverlag, die Allbau AG, die Johanniter Unfall-Hilfe Regionalverband Essen und Bäcker Peter, ein Familienunternehmen mit über 50 Fachgeschäften in Essen und angrenzenden Städten.

Björn Schüngels Schwerpunkt liegt in der Konzeption und Kundenbetreuung.

Aus Ihrer Erfahrung: Wo brauchen KMU im Marketing am häufigsten Beratung und Unterstützung?

Die Möglichkeiten in der Kommunikation beziehungsweise Werbung sind in den vergangenen Jahren wesentlich vielfältiger geworden.

Hier sind KMU aus meiner Sicht gut beraten, sich einen kompetenten Berater zu suchen, der das Unternehmen sicher durch die doch komplexe Vielfalt hindurchnavigiert. Der eben sagt, was Sinn macht. Der aber auch sagt, was verzichtbar ist, weil er einen realistischen Blick für die finanziellen Möglichkeiten des KMU hat.

Aus meiner Sicht verfallen viele KMU oftmals in einen Aktionismus, der von persönlichen Erlebnissen geprägt ist: „Hey, mein Kollege macht so tolle Sachen bei Facebook. Das will ich jetzt auch.“

Gerade wenn Unternehmen gar keinen Experten, also Marketingleiter, im eigenen Haus haben, wird es da schnell heikel und bedingt durch Fehler teuer.

Macht es Sinn, „Werbetrends“ zu folgen?

„Trends“ sind oftmals sexy, „Trends“ sind aber oft auch ganz schnell wieder vorbei.

Unternehmen, die es sich leisten können, dürfen und sollten mit Trends auch mal experimentieren dürfen.

Die Frage ist doch immer: Was für ein Unternehmen bin ich eigentlich? Bin ich eine junge, hippe Marke, sollte ich bei Entwicklungen insbesondere im Online-Segment möglichst vorn dabei sein. Bewege ich mich in einem sehr konservativen Umfeld, muss ich mit Sicherheit nicht direkt im fünften Gang fahren.

Wir empfehlen meist, „Trends“ frühzeitig zu analysieren, sich mit dem Thema wirklich vertraut zu machen, um im Zweifel sofort am Start zu sein.

Aber auch hier gilt natürlich: Kann ich mit einem „Trend“ meine strategischen Ziele in der Kommunikation einfach nicht erreichen, dann bitte nicht mitmischen, nur weil es der Kollege aus dem Business-Club doch auch macht.

Bremsen Sie manchmal auch Kunden ein, die sich voll auf  einen bestimmten Trend eingeschossen haben, zum Beispiel auf Werbung auf Social Media-Seiten?

Unbedingt. Wir streben als Agentur stets eine langfristige, beständige Zusammenarbeit an.

Und dazu gehört eben auch, den Kunden vor Fehlern zu bewahren. Selbst wenn die Agentur mit so einem „Fehler“ möglicherweise gutes Geld verdient hätte.

Woran erkenne ich als Werbetreibender eine gute Werbeagentur?

Gute Ideen, tolle Konzepte und ein Sinn für Notwendigkeiten des jeweiligen Marktes und finanzielle Ressourcen des KMU.

Gerade KMU sind gut beraten, sich eine Agentur zu suchen, mit der sie einen engen, vertrauensvollen Draht aufbauen können. Die Agentur sollte sich gerade bei langfristiger Zusammenarbeit intensiv und detailliert mit dem Unternehmen, seinen Stärken und Schwächen auseinandersetzen.

Zeigt die Agentur selbst Interesse an so einem Austausch, ist das ein guter Indikator. Dazu kann es nicht schaden, wenn die „Größenverhältnisse“ passen.

Auch ein kleines Unternehmen kann sich natürlich eine große renommierte Agentur suchen. Aber man sollte sich klar darüber sein, dass man dort nicht die Nummer Eins sein wird.

Mit einer kleineren Agentur, idealerweise auch vor Ort für schnelle Absprachen, kann es oft besser klappen.

Was kann ein Unternehmer tun, damit die Zusammenarbeit mit der Agentur möglichst reibungslos klappt?

Eine Agentur arbeitet nur dann gut, wenn sie ein klares Briefing hat, wenn die Ziele und die Zuständigkeiten klar definiert sind.

Die schicke Unternehmensbroschüre, der neue Radiospot, das alles kann natürlich nur dann fertig werden, wenn das Unternehmen für pünktliche Feedbacks und Korrekturläufe sorgt.

Kurzum: Eine Agentur nimmt viel Arbeit ab, bedeutet aber auch wiederum Arbeit auf Unternehmensseite.

Wer das nicht leisten kann oder will, wird auch mit der besten Agentur der Welt irgendwann Probleme bekommen.

Also: Zeit einplanen. Und der Agentur gegenüber klar machen, wer auf Unternehmensseite entscheidet.

Ich kenne Situationen, wo ein Mitarbeiter des Unternehmens bereits die Freigabe für einen Druckauftrag erteilt. Und eine Stunde später rudert der Geschäftsführer dann wieder zurück.

So etwas darf nicht passieren.

Das kostet Nerven und Geld. Auf beiden Seiten.

Wann ist es sinnvoll, mit mehreren Agenturen zusammenzuarbeiten?

Eine Zusammenarbeit mit einer Agentur bedeutet Arbeit und Austausch.

Gute Agentursteuerung will schlichtweg gelernt sein. Wenn jemand keinerlei Erfahrung damit hat, sollte er sich also nicht direkt eine ganze Mannschaft an Bord holen.

Mehrere Agenturen sind dann sinnvoll, wenn der Bedarf an Beratung und operativer Betreuung in unterschiedlichen Bereichen extrem hoch ist.

Einige Agenturen können tatsächlich alles leisten, andere eben nicht. Bitte im Zweifel die Agentur darauf abklopfen.

Es klingt unglaubwürdig, wenn eine Zwei-Mann-Agentur vom TV-Spot über die neue Website bis hin zu komplexen PR-Konzepten alles auf dem Kasten hat.

Eine gute Agentur zeichnet sich eben unter anderem dadurch aus, dass sie auch mal sagt: „Nein, das können wir nicht so gut. Aber wir kennen jemanden, der löst das optimal für Sie.“

Aus unserer Sicht werden Partnerschaften durch diese offene und ehrliche Form des Umgangs nur gefestigt.

Katharina Bösch

Von Katharina Bösch

Arbeitet seit 2012 als Leiterin des Redaktionsteams eines Beratungsportals für Medienunternehmen.