Marketing 3.0 – Die Entwicklung vom Kunden zum Fan

Marketing 3.0 – Die Entwicklung vom Kunden zum Fan

Direktmarketing, Neuromarketing, Beziehungsmarketing, Suchmaschinenmarketing… Überall tauchen neue Begrifflichkeiten in dem Bereich auf. Und jetzt auch noch „Marketing 3.0“. Schon mal davon gehört? Wenn es 3.0 gibt, gibt es dann auch 1.0 und 2.0? Dies habe ich für Sie mal genauer unter die Lupe genommen

Um eins direkt zu Anfang zu klären: Ja, natürlich gibt es auch Marketing 1.0 und 2.0. Aber wie jeder andere Bereich entwickelt sich auch das Marketing ständig weiter. Marketing 3.0 beschreibt einen Paradigmenwechsel in diesem Bereich. Hierbei werden nun auch normative, gesellschaftliche und ethische Belange in die Maßnahmen mit einbezogen. Die zukünftigen Strategien sind durch einen werteorientierten und ganzheitlichen Ansatz geprägt. Der Kunde soll so noch weiter in den Fokus gerückt werden.

Aber bevor wir uns die Entwicklung vom Kunden zum Fan genauer ansehen, werfen wir doch erstmal einen Blick in die Vergangenheit.

Was ist überhaupt Marketing?

Allgemein gesagt, umfasst das Marketing die gesamten Handlungen eines Unternehmens, welche darauf abzielen, die Kundenaktivitäten zu beeinflussen. Marketing möchte wortwörtlich vermarkten, daher wird der Blick zum einen auf den Markt und zum anderen auf den Kunden gerichtet. Es werden Vorteile hervorgehoben, um dann die Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens in den Fokus zu rücken und im Idealfall eine positive Wirkung beim Kunden zu erzielen.

Marketing 1.0 war nur auf das Produkt bezogen. Ziel war es, möglichst viele der hergestellten Produkte zu verkaufen. Die Kunden wurden nur als eine große Gruppe wahrgenommen, die sowieso kauft, einfach, weil es das Produkt nun mal gibt. Dieses Denken ging einher mit der Industrialisierung.

Die Industrialisierung war durch Massenproduktionen geprägt, da es durch das Errichten großer Industrieanlagen nun möglich war, viele Produkte für die Masse zu produzieren. Die Kommunikation zu der Kundengruppe fand ähnlich statt, nämlich auf dem Weg „One-to-Many“. Dies bedeutet, dass das Unternehmen die potenziellen Käufer rein funktional angesprochen hat. Denn erfolgreich waren Unternehmen zu der Zeit gerade dann, wenn die Produkte einfach ihren Zweck erfüllten.

Marketing 2.0 – Vom Verkäufer- zum Käufermarkt

Das Marketing 2.0 war bereits anders geprägt. Hier hatten Unternehmen die Kundenorientierung als Ziel. Der Fokus lag dabei auf der Kundenzufriedenheit und Kundenbindung. Das Zufriedenstellen von physischen Bedürfnissen, wurde durch Emotionen ergänzt.

Diese Änderung im Marketing wurde deshalb 2.0 genannt, weil sie einherging mit dem Wechsel des Internets von einer reinen Informationsquelle zu einem interaktiven World Wide Web. Die Kommunikation in dieser Phase war oder ist emotional geprägt und die Unternehmen haben viel Wert darauf gelegt, die individuellen Bedürfnisse von Kunden zu berücksichtigen.

Das Hier und Jetzt oder doch noch Zukunftsmusik?

Das „zukünftige“ Marketing 3.0 beschäftigt sich immer noch mit den Bedürfnissen der Kunden. Jedoch wird die Herangehensweise noch etwas verfeinert. Zunächst aber ist auch hier der Ausgangspunkt der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Werten, Anforderungen und Wünschen. Geprägt wird das Marketing 3.0 durch die Bedeutungen von Werten, den Neuen Medien und treuen Fans.

Unternehmen stehen also vor der Herausforderung, eine Entwicklung vom Kunden zum Fan zu fördern. Denn Fans bringen einige Vorteile mit sich. Hier im Ruhrgebiet lässt sich dies besonders gut am Beispiel von Fußball-Fans verdeutlichen: Egal wie schlecht der eigene Verein am Wochenende gespielt hat, er wird immer verteidigt!

Ein ähnliches Phänomen erhoffen sich Unternehmen von Ihren Fans. Während „normale“ Kunden Produkte auch mal reklamieren, ihre Kritik darüber äußern und schneller gewillt sind, die Marke bzw. das Unternehmen zu wechseln, reagieren Fans oft genau gegenteilig: Sie verzeihen kleinere Fehler, hängen ihr Herz an das Produkt, bleiben treu und arbeiten als Werbeträger (Promoter) durch Weiterempfehlungen für Ihr Unternehmen mit.

Die Unternehmensidentität klären

Wenn Sie jetzt sofort mit dem Marketing 3.0 starten möchten, stehen Sie zunächst vor der Frage: Wie gehen wir es an?

Fragen Sie sich als erstes wer Sie sind: Welche Überzeugung hat Ihr Unternehmen? Wofür stehen Sie? Haben Sie ein Leitbild? Wenn nein, erstellen Sie eines. Wenn ja, sind diese Grundprinzipien noch aktuell?

Wenn Sie wissen, wo Sie mit Ihrem Unternehmen stehen, können Sie auch authentisch mit Ihren Kunden sprechen. Wie sagt man immer so schön: „Fragen hilft!“ Nutzen Sie die Medien und gehen Sie mit Ihren Kunden ins Gespräch. Sie werden einiges erfahren und können z. B. Rückschlüsse auf die Wertevorstellungen Ihrer Kunden ziehen.

Können Sie Ihre Kunden vielleicht in Gruppen mit ähnlichen Wertevorstellungen einteilen? Dann lohnt es sich eventuell u. a. Ihr Sponsoring daran anzulehnen.

Zufriedene Kunden sind weniger preissensibel

Die Rechnung ist im Prinzip ganz einfach: Sie fragen Ihren Kundenkreis, was von Ihnen und Ihren Produkten erwartet wird. Kommen Sie ins Gespräch und erfahren Sie so auch noch vieles mehr über Ihre Kunden. Sie können dadurch gegebenenfalls Ihre Produkte und Dienstleistungen optimieren und haben somit zufriedenere Kunden.

Zufriedene Kunden haben auch den Vorteil, dass sie weniger preissensibel sind. Das wiederum bedeutet, dass die Chance groß ist, mehr Produkte/Dienstleistungen zu verkaufen. Und spätestens jetzt schießt wohl jedem Unternehmer das Wort „Umsatz“ durch den Kopf.

Hiermit sollte also klar sein, dass Marketing 3.0 nicht erst in der Zukunft stattfindet, sondern im Hier und Jetzt! Also was hält Sie noch zurück? Marktschreier würden jetzt rufen: „Sprechen Sie mit Ihren Kunden und erhalten Sie kostenlos preisunsensible Fans dazu!“ Ich wünsche Ihnen viel Freude in den Gesprächen.

 

 

Sina Bunzel

Von Sina Bunzel

Sina Bunzel arbeitet als Mediaberaterin für den Lokalfunksender Radio Vest.

Von | 2017-08-10T10:37:46+00:00 18. Oktober 2016|Marketing|2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Peter Kürble 21. Oktober 2016 um 10:27 Uhr- Antworten

    Auch wenn die notwendige Kürze des Artikels es sinnvoll macht, Dinge zu vereinfachen, so muss doch bitte deutlich gemacht werden, dass „Zufriedenheit“ für sinkende Preissensibilität nicht ausreicht. Ein „Fan“ ist nicht nur zufrieden, sondern begeistert. Das ist ein feiner aber wichtiger Unterschied für die Kommunikation mit diesen Kunden

    • Sina Bunzel
      Sina Bunzel 21. Oktober 2016 um 18:18 Uhr

      Hallo Herr Kürble, vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich freue mich, dass Sie meinen Blogeintrag gelesen haben. Partiell gebe ich Ihnen Recht. Wissenschaftlich und im Detail betrachtet, führt Zufriedenheit nicht ausschließlich zu preisunsensiblem Handeln. Bis zu einem Fan durchläuft ein Kunde verschiedene Entwicklungsstufen. Letzten Endes fließen die Begeisterungsfaktoren in die Kundenloyalität ein, die Kunden preisunsensibel werden lässt. Aber darüber könnte man natürlich Bücher schreiben… 😉 Wir Blogger von Marketing im Pott sind bemüht Einblicke in unterschiedlichste Themen und praxisnahe Tipps zu geben, sowie komplexe Themen zunächst ein wenig vereinfacht darzustellen. Und Zufriedenheit ist notwendig für jeden Schritt in Richtung Loyalität, Begeisterung und somit auch der Preisunsensibilität. Ich bin davon ausgegangen, dass ich Ihnen und unseren anderen Lesern die Eigenschaft der Begeisterung eines Fans, durch den Vergleich mit dem Fußballfan deutlich machen konnte. Sie scheinen sich mit dem Thema auszukennen. Ihr letzter Satz klingt nach einem spannenden Thema für unseren Blog. Vielleicht möchten Sie ja Gastblogger werden? Dann melden Sie sich gerne bei unserer Redaktionsleitung. Viele Grüße, Sina Bunzel

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