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Kino im Kopf – wie Radio Emotionen schafft

Veröffentlicht am 11.05.2015 in Media & Werbung

radio-emotionenRadio an – und das Kopfkino startet. So ähnlich läuft das tatsächlich ab – und genau auf diese Weise funktioniert auch die Werbung im Hörfunk.

Wenn wir Radio hören, spielt sich ein Film vor unserem inneren Auge ab. Es entstehen Bilder in unseren Köpfen, die uns im Fall von Radiowerbung zum Kauf anregen.

Hierbei löst die selbe Werbung bei unterschiedlichen Personen oft ganz ähnliche Bilder aus.

Wie dieses “Kino im Kopf” entsteht und unsere Emotionen beeinflusst, habe ich hier für Sie zusammengefasst.

Übers Ohr direkt in den Kopf

Unsere fünf Sinne haben eines gemeinsam: Man kann sie nicht einfach abstellen.

Solange wir wach und bei Bewusstsein sind sehen, riechen, schmecken, fühlen und hören wir.

Allerdings kann man sich diesen Sinneseindrücken teilweise entziehen. Indem man einfach wegschaut oder die Hand von der heißen Herdplatte nimmt. Unser Gehörsinn allerdings lässt sich nicht so ohne Weiteres abstellen. Solange wir uns also nicht mit beiden Händen die Ohren zuhalten, schalldichte Kopfhörer tragen oder Oropax benutzen, hören wir.

Manchmal hören wir bewusst zu, manchmal auch weniger aufmerksam. Dass es hierbei einen großen Unterschied gibt, wird im Deutschen nicht so eindeutig gemacht, wie in anderen Sprachen.

‚To listen‘ und ‚to hear‘ beispielsweise bezeichnen im Englischen genau diese Differenz: Im ersten Fall hört man etwas oder jemandem willentlich zu, im zweiten Fall “nimmt man wahr”, hört – aber eben nicht unbedingt bewusst oder gewollt.

Der Unterschied zu Print und Fernsehen

Wenn wir Radio hören sollte es also einen Unterschied machen, ob wir wirklich zuhören, oder das Radio parallel laufen lassen. Das stimmt allerdings nur teilweise.

Nehmen wir zum Vergleich zwei andere Beschäftigungen. Wenn wir Fernsehen sind sowohl unsere Ohren, als auch unsere Augen gefordert. Audiovisuelle Medien zielen auf beide Sinneswahrnehmungen.

Werbung im TV funktioniert nur, wenn beide Sinne (sehen und hören) zusammenspielen. Schalten wir den Fernseher auf stumm oder schauen nicht auf den Fernseher, während wir nur noch den Ton wahrnehmen, geht ein beträchtlicher Teil der Wirkung verloren. Fernsehen kann daher nur mit unserer aktiven Teilnahme stattfinden.

Beim Lesen hingegen sind nur unsere Augen aktiv gefordert. Die aneinander gereihten Buchstaben werden in unserem Gehirn zu Wörtern, die einzelnen Wörter in ihrer Abfolge zu sinnvollen Sätzen. Hierfür ist die eigene Konzentration gefragt, um einen Zusammenhang herzustellen und den Text als Ganzes zu verstehen.

Man kann auch unkonzentriert einen Text überfliegen, jedoch wird der Inhalt dadurch im Schnellverfahren konsumiert und daher weniger wahrscheinlich vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übergehen.

Radiohören hingegen muss keine aktive Beschäftigung sein, um unsere Aufmerksamkeit zu haben. Ähnlich wie beim Lesen, entstehen beim Radiohören Bilder im Kopf. Diese speichert unser Unterbewusstsein ab - ob wir wollen oder nicht.

Der klassische “Ohrwurm”, den sicher jeder von uns schon mal “hatte”, zeigt dies ziemlich einleuchtend: Mir selbst geht es oft so, dass ich – ohne mich recht dagegen wehren zu können – den ganzen Tag ein Lied vor mich hinsumme, nur weil ich es auf der morgendlichen Autofahrt ins Büro im Radio gehört habe.

Oftmals handelt es sich dabei sogar um einen Song, der gar nicht zu 100 Prozent meinen Musikgeschmack trifft. Und genau in diesen Momenten stelle ich selbst immer wieder fest: Ja, Radio bleibt tatsächlich im Kopf.

Erlernte Emotion

Bereits ab dem frühsten Kindesalter prägen uns verschiedenste Sinneseindrücke.

Je nachdem, ob unsere Erfahrungen unter positiven oder negativen Bedingungen stattfinden, können sie uns dauerhaft konditionieren und wir entwickeln eine Art “Gedächtnis” für Geschmack, Geruch oder auch unser Gehör. Viele unserer Hör-Erinnerungen und die damit verbundenen Bilder haben wir allerdings im Laufe unseres Lebens unter sozialen oder gesellschaftlichen Gesichtspunkten erlernt.

Diese Theorie lässt sich anhand sehr einfacher Beispiele veranschaulichen. Wenn wir eine sympathische Stimme am Telefon oder eben im Radio hören, stellen wir uns auch immer einen sympathischen Menschen dazu vor, dem diese Stimme gehört.

Eine eher tiefere, beruhigende Tonlage, eine volle Stimme verbunden mit flüssiger Sprechweise und positivem Klang verbinden wir auch automatisch mit gutem Aussehen. Dies wiederum lässt uns durch soziale und gesellschaftliche Prägung auf Erfolg, Glück und Gesundheit schließen, alles durchaus erstrebenswerte Eigenschaften. Dass wir also manche Stimmen als sympathisch empfinden, ist angeboren.

Die dazugehörige Person dagegen mit gutem Aussehen und in diesem Zusammenhang mit positiven Eigenschaften zu verbinden, ist erlernt. Diese erlernten Emotionen gibt es auch im Zusammenhang mit Geräuschen und Klängen. Hierbei werden eigentlich neutrale Geräusche mit sozial und gesellschaftlichen Bedeutungen besetzt, immer in Abhängigkeit vom Kontext, in dem wir leben.

Nehmen wir beispielsweise Meeresrauschen. Es kann Urlaub, Entspannung oder Fernweh versinnbildlichen – alles sehr positive Assoziationen. Jemand, der am Meer lebt, zählt dieses Geräusch allerdings zu seinem alltäglichen akustischen Inventar, und wird ganz andere Bilder hiermit in Verbindung bringen.

Angeborene Emotion

Neben den “erlernten” Geräuschen und ihren dazugehörigen Bildern, gibt es jedoch auch ganz natürlich ausgelöste Emotionen, die uns sozusagen in den Genen liegen.

Harmonien in der Musik empfinden wir als angenehm und positiv, egal ob in Dur oder Moll. Solange etwas ‚harmonisch‘ klingt, befinden wir es demnach als stimmig. Je nach Tonart können unsere dazugehörigen Emotionen aber sehr unterschiedlich ausfallen.

Etwas in Dur kann unsere Emotionen positiv beeinflussen, während eine Melodie in Moll uns dagegen eher nachdenklich und melancholisch stimmt.

Zusätzliche Aspekte wie Rhythmus, Gesang oder verschiedene Instrumente erweitern die Emotions-Palette hier noch und wir können beim Hören einer Melodie Spannung, Freude oder sogar Aufregung empfinden.

Reiz – Bild - Emotion

Radio entfaltet seine Wirkung also in zwei Schritten: Erst gelangt das Gehörte unweigerlich über den Gehörsinn in unser Bewusstsein. Die auditiven Reize (eine Melodie, ein Geräusch, eine Stimme) lösen dann spezifische Bilder in unseren Köpfen aus, die wiederum Emotionen in uns hervorrufen.

Aber selbst wenn wir uns hierüber im Klaren sind, können wir uns dieser Wirkung nicht entziehen, sondern sie nur im Nachhinein reflektieren.

Haben Sie weitere Anregungen oder Fragen zu diesem Thema? Ich freue mich über Ihre Rückmeldung in den Kommentaren!

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verwendete Bilder: © Andrey Burmakin - Fotolia.com

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