Glokalisierung pur! Ein Internetknoten zwischen Dortmund und Bochum soll neue digitale Dienste im Ruhrgebiet ermöglichen. Das soll Wirtschaftswachstum fördern und neue digitale Dienste ermöglichen.

Die knapp 5,1 Millionen Einwohner im Ruhrgebiet können sich glücklich schätzen: Seit rund einem halben Jahr stellt ein eigener Internetknoten namens Ruhr-CIX sicher, dass die digitale Anbindung höchsten Ansprüchen gerecht wird.

Wir blicken mit DOKOM21-Geschäftsführer Jörg Figura im Marketing im Pott-Interview auf den Status quo, umgesetzte Marketingkampagnen und in die Zukunft.

Über einen Internetknoten mitten im Ruhrgebiet machen sich wahrscheinlich die wenigsten Nutzer*innen Gedanken – dabei profitiert der größte Ballungsraum Deutschlands davon schon heute. Wie macht sich der Ruhr-CIX bemerkbar?

Jörg Figura, Geschäftsführer der DOKOM21

Jörg Figura, Geschäftsführer der DOKOM21

Jörg Figura: Mit dieser Glasfaser- und Rechenzentrumsvernetzung über das gesamte Ruhrgebiet und durch die größten Glasfasernetz- und Rechenzentrumsbetreiber der Region befördern wir die Technik, das Angebot sowie die Erreichbarkeit der Dienstleistungen internationaler Technologie- und Medienkonzerne. Hierdurch werden die Digitalisierung und Vernetzung der gesamten Metropole Ruhr für Unternehmen und Privatpersonen gesteigert.

Der Ruhr-CIX verbessert die Verbindung zu wichtigen Internetunternehmen wie Google, Microsoft, Amazon, Akamai, Netflix oder Facebook. Indem der Ruhr-CIX die Paketlaufzeit zwischen den angeschlossenen Internetunternehmen reduziert, führt er zu einem stabileren Netz für Anwendungen wie Cloud-Computing, VoIP-Verbindungen, Video, Gaming oder Musikstreaming.

Der Ruhr-CIX fördert also die Nutzung digitaler Dienste für Unternehmen und Verwaltungen und auf der anderen Seite für Freizeitangebote?

Jörg Figura: Ja, durch die lokale Verteilung der Daten erhöht er die Internetqualität in der Region spürbar. Damit wird der Ruhr-CIX auch zum wirtschaftlichen Wachstum in der Region beitragen.

Dafür arbeiten die drei Unternehmen DOKOM21, Gelsennet und TMR zusammen. Und Deutschlands bekannter Hauptknoten DE-CIX in Frankfurt spielt dabei auch eine wesentliche Rolle.

Jörg Figura: Der technische Betrieb des Internetknoten Ruhr-CIX wird von DE-CIX sichergestellt, dem Betreiber des weltweit führenden Internetknotens. DE-CIX betreibt seit 25 Jahren weltweit erfolgreiche Internetknoten in Metroregionen, wie beispielsweise New York, Madrid, Istanbul, Dubai und Mumbai. Über die Zusammenarbeit mit DE-CIX erreichen wir eine optimale Interconnection und eine verbesserte Vermarktung an nationale und internationale Content Provider, Cloud Provider und Internet Service Provider sowie Unternehmen und Systemhäuser außerhalb des Ruhrgebiets.

Wirtschaftsminister Altmaier spricht häufig vom „Cloud-Projekt Gaia-X“, bei dem sich Europa und Deutschland die digitale Souveränität zurückholen können. Für viele klingt das sehr abstrakt – können Sie das anhand des Nutzens für KMU deutlich machen?

Jörg Figura: Wir sollten zukünftig nicht mehr allein darauf vertrauen, den wachsenden Datenverkehr über außereuropäische Clouds abzuwickeln. Für unsere Wirtschaft und Unternehmen benötigen wir auch in Deutschland sichere und stabile Lösungen. Das Cloud-Projekt GAIA-X verfolgt dieses Ziel auf europäischer Ebene. Mit dem Ruhr-CIX haben wir diesen zukunftsfähigen Ansatz auf die regionale Ebene heruntergebrochen und den ersten regionalen Internetknoten im Ruhrgebiet vorgestellt.

Angeschlossene Unternehmen werden die Verbesserung der Internetstruktur deutlich spüren. KMU und großen Unternehmen bieten sich dadurch neue aussichtsreiche Möglichkeiten für digitale Prozesse und Geschäftsmodelle. Die Datenhoheit und die Kontrolle von Daten deutscher Unternehmen liegen dabei bei deutschen Rechenzentrums- und Netzbetreibern nach deutschem und DSGVO-konformem Recht – und nicht bei internationalen Anbietern außerhalb Europas. Damit entspricht der Ruhr-CIX dem neuen Trend in Sachen Internetverbindung: Glokalisierung. Global vernetzt, aber lokal gesichert.

Als Marketing-Portal interessiert uns der Aspekt der Kampagnenkommunikation – auf welchen Plattformen, in welchen Medien machen Sie den Ruhrgebietsknoten bekannter?

Jörg Figura: Die Bewerbung des Ruhr-CIX betreiben wir kombiniert offline und digital über ATL-Maßnahmen und Massenwerbung wie beispielsweise einer Anzeige in der NRW-Regionalbeilage der ct, erschienen im November 2020, Display Ads auf ct-online für Besucher aus NRW, einer Flappe bei der Ruhr Wirtschaft Ausgabe November 2020 sowie über BTL-Maßnahmen und Direct-Marketing-Kommunikationen über unseren Newsletter und unsere B2B-Social-Media-Kanäle. Ebenfalls nutzen wir unsere Website als Präsentationsfläche sowie Pressemitteilungen.

Wer ist Ihre Zielgruppe für die angebotenen Leistungen?

Jörg Figura: Die Zielgruppe der Ruhr-CIX Vermarktung ist generell der gesamte B2B-Sektor von Nordrhein-Westfalen bezogen auf alle Branchen. Jedes Unternehmen, das eine digitale Informationsverarbeitung oder digitale Dienstleistung betreibt, kann durch den Ruhr-CIX in Verbindung mit unseren Rechenzentrumsdienstleistungen profitieren. Beispielsweise können für geplante und langfristig notwendige Cloudmigrationen DOKOM21 und der Ruhr-CIX als sichere und verlässliche Plattform genutzt werden. Dies ist generell für jede Branche und speziell für IT-Dienstleister und Managed-Service-Provider sehr interessant.

Können Sie konkret eine Kampagne näher beleuchten?

Jörg Figura: Schwerpunktmäßig vermitteln wir in der Kampagne die Hauptvorteile der Kombination von physischer Daten- und Serversicherheit durch Rechenzentrumsdienstleistungen von DOKOM21 und Ruhr-CIX-Dienstleistungen, wie beispielsweise sichere, private und redundante Cloudzugänge für Unternehmen.

Zum Schluss ein Blick in die Glaskugel: Welche Trends lassen sich in Sachen Internetnutzung jetzt schon ausmachen? Wie sieht die Mediennutzung der Zukunft nach Ihrer Einschätzung aus?

Jörg Figura: Mit der immer ausgeprägteren Nutzung des Smartphones gilt die Maxime „Always Online.“ Die Online- und Offline-Welt werden sich weiter verbinden und ineinanderfließen. Technologien wie Virtual Reality und Augmented Reality werden optische Sinneserlebnisse im Internet auf einer neuen Ebene ermöglichen.

Das Internet der Dinge wird sich rasant weiterentwickeln. Immer mehr Gegenstände und Produkte vernetzen sich untereinander und kommunizieren miteinander. Autonomes Fahren und Smart Home-Anwendungen werden in unserem Alltag an Bedeutung gewinnen. In der Industrie 4.0 werden effiziente Expertensysteme, vernetzte Roboter und die zunehmende Kommunikation von immer mehr Maschinen untereinander die Produktionsprozesse in der Smart Factory prägen.

Die Internetnutzung wird unseren Alltag weiterhin stark prägen und in Zukunft sicherlich weitere spannende Veränderungen für unser Leben hervorbringen.

Vielen Dank für das Interview!

Mehr Informationen zum Projekt erfahren Sie in diesem Video:

Von Hendrik Weyers

Journalismus, Mediendesign und Tech Enthusiast. Der Medienfachwirt arbeitet als Projektmanager im Bereich der digitalen Kommunikation.