Influencer Marketing oder Schleichwerbung?

Influencer Marketing oder Schleichwerbung?

Snapchat, YouTube, Instagram – das sind nur einige der Social Media-Kanäle, auf denen sich sogenannte Influencer tummeln. Als Influencer werden Personen bezeichnet, die mit ihrem Handeln als Meinungsführer andere Menschen beeinflussen können. Auf den jeweiligen Social Media-Plattformen besitzen Influencer eine hohe Anzahl an Fans bzw. Followern und schaffen mit ihren Postings – oft emotionalen Geschichten – einen zielgruppengenauen Content.

Influencer sind für Unternehmen attraktive Kooperationspartner, da sie der hohe Grad an Glaubwürdigkeit zu einem interessanten Multiplikator macht. Die Unternehmen setzen auf diese neue Marketing Strategie, um von der Authentizität und Reichweite der Meinungsmacher zu profitieren.

Alte Idee, neue Umsetzung

Die Idee der Vermarktung von Produkten anhand bekannter Personen zur Herausstellung bestimmter Produkte und Vorteile eines Unternehmens ist dabei keineswegs neu. Schon seit Jahrzehnten verpflichten Unternehmen Testimonials als Markenbotschafter und geben dem Unternehmen oder den Produkten ein bekanntes Gesicht – wie zum Beispiel Thomas Gottschalk vor Jahren als HARIBO Botschafter angesehen wurde.

Die Medienwelt hat sich jedoch deutlich weiterentwickelt. Heutzutage können auch Blogger, die anhand von Fotos und Videos Produktempfehlungen aussprechen als Markenbotschafter für Unternehmen dienen und somit zur Person des öffentlichen Lebens werden. Besonders interessant: Während die TV-Werbeblöcke meistens übersprungen werden, herrscht in sozialen Netzwerken wie Instagram eine hohe Akzeptanz für Werbebotschaften bei den jungen Followern. So können Profile von Influencern fast vollständig aus gesponserten Fotos und Empfehlungen bestehen, ohne dass sich daran gestört wird. Eher noch: Die Follower lieben ihre Vorbilder gerade für genau diese Empfehlungen!

Versteckte Werbung und unzureichende Kennzeichung

Besonders einflussreiche Influencer betten die Marken und Produkte meistens in Form von Storytelling in ihren Postings / Blogs ein, sodass diese gar nicht als direkte Werbebotschaft, sondern eher als hilfreiche Empfehlungen an die Follower mit ähnlichen Interessen und Vorlieben aufgefasst werden könnten.

Das Spektrum des Influencer Marketings ist breit: Es gibt die klassische PR-Arbeit mit Bloggern, die von den Unternehmen mit Informationen oder Testprodukten versorgt werden ohne dass dafür Geld gezahlt wird. Besonders bei YouTubern steht häufig ein bezahltes Product Placement im Mittelpunkt von Kooperationen, wofür Produkte im Video vorgestellt und empfohlen werden. Auf Instagram lassen sich die Influencer dafür bezahlen, dass bestimmte Produkte öfter auf den Fotos auftauchen und vorgestellt werden.

Seit Monaten diskutiert die Influencer-Szene über Schleichwerbung, da viele Influencer ihre werblichen Postings / Videos nicht ausreichend kennzeichnen. Eine erste Online-Petition fordert mehr Transparenz und ein entsprechendes Gesetz. Unter anderem heißt es darin, dass durch Kürzel wie #sponsoring, #werbung oder #ad Kennzeichnungsregeln gelten sollten, die ansonsten mit Geldbußen bestraft werden.

Mehr Transparenz in der Kennzeichnung von gesponserten Posts

Derzeit ist es wirklich sehr schwer einzuschätzen, ob ein Influencer ein Produkt aus monetären Gründen empfiehlt oder weil er von dem Produkt zu hundert Prozent überzeugt ist. Oft frage ich mich dann: Würde derjenige das Produkt auch empfehlen, wenn er es zu dem Originalpreis hätte kaufen müssen? Wäre ihm das Produkt dennoch den Preis wert? Oder wird das Produkt nun nur angepriesen, weil der Hersteller dafür ordentlich Geld zahlt bzw. das Produkt dem Influencer kostenlos zur Verfügung stellt?

In meinen Augen wäre eine Kennzeichnungspflicht für alle gesponserten Postings durchaus wünschenswert, da sich besonders die junge Zielgruppe von den Empfehlungen der Influencer stark leiten lässt und oft gar nicht versteht, dass viele der Influencer nur aufgrund von Markenkooperationen ihre Empfehlungen aussprechen. Schließlich wird auch von anderen Mediengattungen ganz klar verlangt, dass Werbung eindeutig als diese gekennzeichnet wird.

So darf keine Printanzeige in einer Zeitung ohne den Hinweis „Anzeige“ und eine klare räumliche Trennung zu redaktionellen Beiträgen erscheinen. Daher sollte sich auch das Influencer Marketing an die Bestimmungen halten, sowohl auf Seite der Influencer als auch seitens der Unternehmen und Agenturen, die diese beauftragen.

Wie stehen Sie zu dem Thema? Haben Sie bereits erste Erfahrungen mit Influencer Marketing in Ihrem Unternehmen machen können? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in die Kommentare!

Verena Katernberg

Von Verena Katernberg

Verena Katernberg arbeitet als Referentin Marken- und Veranstaltungskoordination bei der FUNKE Mediengruppe.

Von | 2017-04-27T13:22:36+00:00 12. April 2017|Marketing|0 Kommentare

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