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Guerilla Marketing-Strategien Teil 1: Trittbrettfahrer-Strategien

Veröffentlicht am 02.10.2015 in Marketing & Werbung

guerilla_marketingKleines Budget, große Wirkung – unter vielen Marketern gilt erfolgreiches Guerilla-Marketing als perfekte Waffe, wenn es darum geht, mit wenig Geld möglichst weitreichende Effekte zu erzielen.

Dabei ist Guerilla-Marketing nicht gleich Guerilla-Marketing. Vielmehr gibt es verschiedene Methoden, die sich mal mehr und mal weniger gut für den eigenen Marketing-Mix eignen.

Im ersten Teil dieser Serie, die sich mit den verschiedenen Guerilla Marketing-Strategien befasst, möchte ich Ihnen mit Moskito Marketing und Ambush Marketing so genannte Trittbrettfahrer-Strategien vorstellen.

Was genau ist Moskito Marketing?

Unter den Begriff Moskito Marketing fallen Guerilla-Kampagnen, die ausschließlich von kleinen bis maximal mittelgroßen Betrieben gestartet werden.

Diese kleineren Akteure punkten dabei ausschließlich über ein Höchstmaß an eigener Kreativität bei gleichzeitig minimalem finanziellen Aufwand.

Überspitzt formuliert könnte man also Moskito Marketing als Kerngedanken jedweder Guerilla-Aktivitäten begreifen.

Grundvoraussetzung für erfolgreiches Moskito Marketing ist immer ein gewisses Quantum an Respektlosigkeit gegenüber der deutlich größeren, ja fast schon übermächtigen Konkurrenz, auf dessen Rücken die Maßnahmen stattfinden.

Um nun erfolgreiches Moskito Marketing lancieren zu können, sollten die Schwächen und Fehler des Gegners möglichst umfassend in Erfahrung gebracht werden. Nur so wird es Ihnen gelingen, die Platzhirsche mit den verfügbaren bescheidenen Mitteln wie ein Moskito auszustechen und die eigene Ware ins beste Licht zu rücken.

Bleiben Sie dabei selbst wendig und flexibel, um sofort auf Kundenwünsche reagieren zu können.

Wer zuletzt lacht...

Wie erfolgreiches Moskito Marketing funktionieren kann, zeigt uns ein Werbeplakat des Hamburger Bio-Fleischers Hans Wagner, der mit seiner Aktion vor allem auf die konkurrierende Massenware von Billiganbietern und Discountern abzielte.

Seine drastische Aussage „Abgepackte Wurst ist für'n Arsch“, die er nicht versäumte, entsprechend provokant zu bebildern, sorgte in der Hansestadt nicht nur für zahlreiche Schmunzler, sondern auch für viele neue Kunden im Laden des Kleinunternehmers.

Ein mindestens eben so hohes Maß an Respektlosigkeit ist nötig, wenn Sie auf das so genannte Ambush-Marketing setzen möchten. Der Name ist hier Programm.

Wie Sie wissen bedeutet der englische Begriff „ambush“ ins Deutsche übersetzt schließlich nichts anderes als Hinterhalt. Und es kommt nicht von ungefähr, dass diese Strategien mitunter gar als Schmarotzer-Marketing bezeichnet werden.

Im Umfeld von Großveranstaltungen

Ambush Marketing feiert vor allem im Umfeld von Großveranstaltungen mit außergewöhnlich starkem Medieninteresse Hochkonjunktur, etwa bei Olympischen Spielen oder im Rahmen einer Fußballweltmeisterschaft.

Da offizielle Werbung oder Sponsoring hier mit immens hohen Kosten verbunden ist, versucht das Ambush Marketing gar nicht erst, mit eigenen teuren Kampagnen zu brillieren. Ganz im Gegenteil zielen die Anstrengungen schlichtweg darauf ab, sich im Windschatten des Events zu präsentieren und dabei die Früchte der zahlenden Konkurrenz zu ernten.

Dies funktioniert natürlich umso besser, wenn Sponsor und Ambusher der gleichen Branche angehören und eine möglichst deckungsgleiche Produktpalette anbieten.

Anders als beim Moskito Marketing ist der Ambusher nicht zwingend ein kleines oder mittleres Unternehmen. Das objektive Kräfteverhältnis zwischen dem klassischen Werbetreibenden und dem Guerilla-Akteur kann durchaus ausgewogen sein, wie das folgende Beispiel einer erfolgreichen Ambush-Kampagne zeigt.

Die schnellsten Schuhe der Welt

Während der Sportartikel-Hersteller Adidas alle Register zog und Unsummen bezahlte, um während der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking möglichst omnipräsent zu erscheinen, setzte Konkurrent Puma vor allem auf den jamaikanischen Sprintstar Usain Bolt.

Der durchschlagende Erfolg der Strategie ließ nach Bolts fulminantem 100 Meter-Finale der Herren nicht lange auf sich warten.

Wie von Puma erhofft, ließ es sich der frisch gebackene Goldmedaillengewinner nicht nehmen, samt güldener Pumas – den nunmehr verbrieften schnellsten Schuhen des Planeten - vor den Kameras dieser Welt zu posieren.

Die entsprechende offizielle Pressemitteilung von Puma ließ selbstredend nicht lange auf sich warten. 

Zweischneidige Strategie

Bei allen Erfolgsaussichten bleibt Ambush Marketing eine höchst umstrittene Maßnahme.

Wie der Name schon andeutet, lastet oftmals der Ruf der Illegitimität auf der gesamten Aktion, wenngleich nur in wenigen Fällen tatsächlich Recht gebrochen wird.

Dem gegenüber bleibt festzuhalten, dass gerade kleineren Unternehmen oftmals gar nichts anderes übrig bleibt, als sich mit Hilfe von Ambush-Maßnamen im Umfeld, respektive am Rande von Mega-Events zu präsentieren, um doch noch ein Stück vom Aufmerksamkeitskuchen zu ergattern, da sie gar nicht erst in der Lage sind, die astronomischen Summen der offiziellen Sponsorengelder aufzuwenden.

Trittbrettfahrer-Strategien sind vor alle eines: günstig. Somit sind sie grundsätzlich auch für Firmen mit kleinerem Marketingbudget umsetzbar.

Nichtsdestotrotz bewegt man sich hier eher auf dünnem Eis.

Will man sich tatsächlich auf dieses glatte Parkett wagen, ist eine sorgfältige Planung und Abwägung daher besonders wichtig.

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verwendete Bilder: © Igor Zakowski - Fotolia.com

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