Marketing im Pott – der Marketing-Blog für das Ruhrgebiet

Gelbe Seiten vs. Google My business

Veröffentlicht am 16.12.2014 in Marketing & Werbung

google-my-businessFrüher hatte man es als Geschäftsführer eines lokal agierenden Geschäfts leicht: Man inserierte seine Werkstatt, sein Parfümgeschäft oder seine Druckerei einfach im Lokalteil der Zeitung.

Zusätzlich setzte man das Unternehmen in die Gelben Seiten, damit man direkt gefunden werden konnte – über Jahrzehnte hinweg war dieses Vorgehen Standard, um die Kunden vor Ort zu erreichen.

Heute ist alles anders.

Die einst so prestigeträchtigen Gelben Seiten liegen stapelweise bei der Post oder in Hausfluren herum und niemand interessiert sich mehr für die gelben Wälzer, abgesehen von ein paar Muskelprotzen, die jedes Jahr einen Wettbewerb veranstalten, wer ein solches Buch in einem Satz in zwei Teile zerreißt.

Genau hier stellt sich die Frage, warum die Gelben Seiten dann immer noch gedruckt werden und warum sie nach wie vor so dick sind?

Womöglich hat das mit der alten Mär zu tun, man müsse als modernes Unternehmen „unbedingt“ in die Gelben Seiten – und nebenbei noch eine teure Suchmaschinenoptimierung (SEO) für die eigene Webseite betreiben, damit die Leute von heute Sie auch im Netz finden. Meiner Meinung nach ist dies aber die falsche Strategie.

Warum ich das behaupte?

Es geht auch günstiger und einfacher!

Der Eintrag in die Gelben Seiten mag kostenlos sein, weshalb eigentlich nichts dagegen spricht, quasi für die analoge Kundschaft.

Doch mit SEO für die eigene Seite ist es immer so eine Sache – klar ist das wichtig und darüber wird im Netz viel diskutiert, aber was machen Unternehmen, die gar keine eigene Seite haben? Oder bei denen sich eine teure SEO-Optimierung einfach nicht rechnet? Etwa kleinere Einzelhändler und Handwerksbetriebe?

Einem Metzger wird sich schwerlich erklären lassen, warum er eine Website braucht, die er zusätzlich für teures Geld optimieren soll. Es ist unwahrscheinlich, dass das passieren wird.

Doch es gibt eine Lösung.

Sie ist wesentlich simpler, günstiger, eleganter, sogar nachhaltiger und heißt „Google my business“.

Was ist Google My Business?

google-my-business-1Google My Business ging aus dem ehemaligen Google Places und Google+ Local hervor.

Man geht davon aus, dass bei Google ungefähr jede dritte Suchanfrage einen lokalen Bezug besitzt. Dieser Anteil dürfte durch die wachsende Verbreitung von Smartphones, bei denen Lokalisierungsdaten zum Teil automatisch in die Suchergebnisse mit einbezogen werden, weiter anwachsen.

Gerade für Unternehmen mit lokalem Bezug (Ärzte, die eingangs erwähnten Werkstätten, Einzelhändler,Friseure etc...) ist ein Eintrag bei Google My Business fast ein Muss, denn die Kundschaft kommt immer häufiger direkt aus dem Netz: Sogar Geschäfte um die Ecke werden wegen der Öffnungszeiten gegoogelt.

Außerdem sieht man gleich die Lage in der Stadtkarte und spart sich die mühselige Suche und Kontaktaufnahme über die Gelben Seiten.

Und der große Vorteil für Unternehmer ist: Um einen eigenen Google My Business Eintrag zu haben braucht man nicht einmal zwingend eine eigene Website – man trägt einfach direkt bei Google seine Informationen ein!

Google Places, Google+ Local & Google My Business

Vor dem Hintergrund der wachsenden Relevanz des Standorts des Suchenden, begann Google bereits vor einigen Jahren mit dem Aufbau eines eigenen Branchenbuchs (zunächst unter dem Namen "Google Places"). Dazu wurden aus öffentlichen Branchenbüchern zum Teil automatisch Firmeneinträge auf Google Maps platziert, die von den Unternehmen (nach Überprüfung) bearbeitet, oder gegebenenfalls neu angelegt werden konnten.

Suchte sodann ein Kunde beispielsweise nach „Bäckerei Dortmund“ wurde ihm zusätzlich zu den regulären Suchergebnissen eine Karte von Dortmund angezeigt, auf der mit kleinen roten Punkten diejenigen Bäckereien angezeigt wurden, die im Bereich Dortmund ihre Adresse bei Google Places angegeben hatten.

Wenn der Kunde einen dieser Punkte anklickte, wurden ihm die genaue Adresse, die Öffnungszeiten sowie Kundenbewertungen angezeigt. Außerdem konnte er seine eigene Bewertung für das betreffende Unternehmen hinterlassen.

Mit der späteren Verknüpfung dieser Firmeneinträge mit dem sozialen Netzwerk Google+ erfolgte zunächst die Umbenennung in "Google+ Local"

Da Google mittlerweile diverse Dienste für Unternehmen bereitstellt (Google+ Local, Webmaster Tools, Google Analytics, Unternehmensseite bei Google+, Youtube-Kanal, Google Drive, ...), wurde im Jahr 2014 mit "Google My Business" eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, von der aus die verschiedenen Dienste und Einträge koordiniert werden können.

Wie gelangt man zu einem Google My Business Eintrag?

Ein solcher Eintrag ist schnell eingerichtet: Nachdem man zunächst bei Google ein Konto erstellt und aktiviert hat, sollte man zunächst überprüfen, ob es für Ihren Unternehmensstandort bereits einen Eintrag gibt. Ist dies der Fall, sollten Sie zunächst die Inhaberschaft des Eintrags beantragen.

google-my-business-2

Dabei wird Ihnen postalisch oder telefonisch ein Code genannt, mit dem Sie die Berechtigung erhalten, Änderungen vorzunehmen.

Sollte es noch keinen Eintrag geben, können Sie diesen sehr einfach auf Google My Business Seite erstellen.

Man gibt seinen Unternehmensnamen, Anschrift, E-Mail, Website und eine kurze Beschreibung seines Geschäfts ein. Dann wählt man mindestens eine Geschäftskategorie und die Öffnungszeiten. Hilfreich ist zudem, wenn man weitere Details wie Einzugsgebiet oder Zahlungsoptionen angibt.

Ein absolutes Muss ist es hingegen, ein einladendes Foto Ihres Ladenlokals, bzw. Ihrer Person einzustellen, je nach Unternehmensart. Überprüfen Sie dann, ob Google Ihren Standort korrekt findet und passen sie diesen gegebenenfalls an.

Speichern – und fertig!

Der Google My Business Eintrag ist erstellt – und jetzt?

Nun kommt das, was immer kommt, wenn man im Internet etwas (von sich) veröffentlicht: Je mehr Sie Ihr Unternehmensprofil optimieren und pflegen, desto mehr Wirkung wird es entfalten.

Achten Sie beispielsweise darauf, dass Ihre Fotos aktuell bleiben. Tauschen Sie ruhig auch mal eines aus und probieren Sie, wie die Kunden darauf reagieren.

Wenn Sie keine Webseite haben, ist dieser Eintrag ihre Visitenkarte im Internet.

Kunden können nach wie vor Bewertungen abgeben und verlassen sich andererseits auf ihre Angaben wie Öffnungszeiten und Zahlungsoptionen. Achten Sie daher am besten darauf, dass die Angaben immer auf dem aktuellsten Stand sind.

Wenn Öffnungszeiten nicht korrekt angegeben werden und der Kunde deshalb vor verschlossener Tür steht, ist das natürlich ärgerlich für ihn.

Noch schlimmer wird es, wenn der Betreffende deswegen auch noch eine schlechte Bewertung hinterlässt – so etwas ist im Internet schwer wieder gut zu machen.

Apropos schlechte Bewertungen: Versuchen Sie, mit Kritik immer sachlich und fair umzugehen. Jedem passieren schließlich Fehler. Wenn ein Unternehmen mit solchen Ausrutschern offen umgeht und sich umgehend entschuldigt, kann das sogar besonders sympathisch wirken.

Wenn sich beispielsweise ein Gast online beschwert, das Essen in Ihrem Restaurant sei versalzen gewesen, können Sie diesen schlechten Eindruck durch einen entsprechenden Kommentar abfedern.

Schreiben Sie ihm am besten, dass Sie bedauern, seine Erwartungen nicht erfüllt zu haben, und dass sie seine ehrliche Meinung schätzen. Vielleicht können Sie ihm eine Gutschrift als Wiedergutmachung anbieten?

Um auf Kritik zeitnah reagieren zu können, müssen Sie ihren Eintrag allerdings regelmäßig auf neue Bewertungen kontrollieren. Natürlich muss das nicht stündlich geschehen, aber alle ein bis zwei Tage sollte man seinen Account überprüfen.

Ganz wichtig bei der Optimierung Ihres Google My Business Eintrags: Gehen Sie immer mal wieder über Ihren Beschreibungstext.

Überlegen Sie sich, mit welchen Suchbegriffen ein potenzieller Kunde suchen würde, um sie zu finden – und dann bauen Sie genau diese Worte in Ihre eigene Beschreibung ein!

Das ist klassisch und einfach, aber immer noch die effektivste Suchmaschinenoptimierung.

Da Google natürlich auch die einzelnen Bewertungen als Referenz nimmt, motivieren Sie ihre Kunden außerdem zu einem positiven Beitrag auf Ihrem Profil, wenn er mit dem Haarschnitt, der Zahnarztbehandlung zufrieden war oder einem guten Kauf getätigt hat.

Mein Friseur gibt beispielsweise für jede Bewertung 5 Euro Rabatt auf den nächsten Haarschnitt. Er weiß: Jede Empfehlung ist für ihn und seine Sichtbarkeit bei Google bare Münze wert.

Fazit

Google My Business bietet eine attraktive und faire Methode für KMUs mit lokalem Bezug auch ohne eigene Marketingabteilung oder horrende SEO-Agentur-Kosten im Internet nicht nur vertreten, sondern auch „sichtbar“ zu sein.

verwendete Bilder: © Aleksandar Jocic - Fotolia.com

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