Im digitalen Zeitalter bringen Freelancer viele Vorteile für Unternehmen. Sie bereichern das Unternehmen mit Manpower, Expertenwissen und Flexibilität, wenn ein paar Faktoren berücksichtigt werden.

Kleine und große Unternehmen kommen oftmals an den Punkt, wo die Beauftragung von externen Dienstleistern im Raum steht. Aus Zeit- und Kostengründen bilden ortsunabhängige Freiberufler, sogenannte Remote-Freelancer, eine attraktive und flexible Möglichkeit Aufgaben und Teilbereiche auszulagern.

Damit die Zusammenarbeit mit den externen Fachexperten möglichst erfolgreich und reibungslos läuft gibt es allerdings einige Faktoren zu berücksichtigen. Wie sich die Zusammenarbeit mit Freelancern am besten gestalten lässt, verrät uns der erfahrene Investor Cédric Waldburger in unserem Experteninterview.

Herr Waldburger, wie schätzen Sie die heutige Bedeutung von Remote-Freelancer für Unternehmen ein?

Cédric Waldburger: Unternehmen werden international immer stärker von der Digitalisierung beeinflusst. Als klare Trends sind Home Office und Remote Work als neue Arbeitsformen zu beobachten. Die Zusammenarbeit mit externen Fachexperten wird im Zuge der Digitalisierung immer wichtiger. Die meisten Unternehmen lagern einzelne Bereiche aus und beauftragen externe Dienstleister mit solchen Aufgaben. Unternehmen können mit dieser Strategie besser auf die gestiegenen Herausforderungen reagieren, die eine zunehmende Digitalisierung mitbringt.

Wie kann die Wettbewerbsfähigkeit durch Remote Freelancern gesteigert werden?

Cédric Waldburger hat über 20 Unternehmen gegründet, mitgegründet oder als Investor begleitet. Über Distanz mit seinen Teams und Freelancern zusammenzuarbeiten gehört für ihn zum tagesgeschäft.

Cédric Waldburger hat über 20 Unternehmen gegründet, mitgegründet oder als Investor begleitet. Über Distanz mit seinen Teams und Freelancern zusammenzuarbeiten gehört für ihn zum Tagesgeschäft.

Cédric Waldburger: Unternehmen benötigen neue Kompetenzen, wenn sie sich online einstellen wollen. Kenntnisse in den Bereichen E-Commerce, Social Media und Online-Vermarktung von Firmen sind wichtig. Fehlt es an Know-how, ist nicht genügend qualifiziertes Personal vorhanden oder nimmt die Produktivität ab, steht das Unternehmen vor größeren Schwierigkeiten.

Unternehmer benötigen spezialisierte Talente für die neuen Arbeitsbereiche. Outsourcing ist die Lösung. Durch die Zusammenarbeit mit Freelancern können sich Unternehmen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, Kosten sparen und sich ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. Diese Arbeitsweise wirkt sich auf die innere Unternehmensstruktur aus. Sie kann auch die Agilität von Unternehmen und die Qualität von deren Dienstleistungen verbessern.

Welche Aufgaben oder gar ganze Unternehmensbereiche eignen sich für eine Auslagerung an externe Experten?

Cédric Waldburger: Zunächst sollten Unternehmen im Voraus ihre Strategie planen, wenn sie externe Experten mit Prozessen, projektbezogenen Aufgaben oder Teilbereichen beauftragen wollen. Verschiedene Bereiche können gut ausgelagert werden. Dabei ist zu überlegen, welche Fähigkeiten für die neuen Aufgaben benötigt werden. Aufgaben aus den Bereichen Marketing, Design, Textproduktion und Übersetzungen sowie die IT sind gut für eine Auslagerung geeignet.

Welche Chancen und Risiken bringt diese Form von Outsourcing mit sich?

Cédric Waldburger: Für eine nachhaltige Steigerung der Produktivität ist eine bestimmte Unternehmensstruktur erforderlich. Die Bedürfnisse der Kunden und Mitarbeiter müssen berücksichtigt werden. Wo gibt es noch ungenutztes Potential? Um Projektaufgaben fristgerecht zu erledigen und Informationen lückenlos zu vermitteln, kommt es auf die richtige Kommunikation und Organisation an.

Ist ein geeigneter Freelancer gefunden, kann er das Unternehmen auf verschiedene Weise bereichern. Kosten können eingespart werden, da für den Freelancer keine Lohnsteuer, Sozialabgaben und andere Gelder gezahlt werden müssen. Die Freelancer kennen sich auf dem entsprechenden Gebiet hervorragend aus. Daher wird keine Zeit für die Einarbeitung in neue Aufgaben benötigt. Intern können die Freelancer fehlende Ressourcen ersetzen. Feste Mitarbeiter können sich auf die Produktivität, Unternehmensentwicklung und Effizienz fokussieren. Die externen Dienstleister bieten für ein Unternehmen mehr Agilität und Flexibilität. Für ein Unternehmen bedeutet das Wissenszuwachs und Lerneffekte.

Wie finde ich einen geeigneten Freelancer?

Cédric Waldburger: Über Online-Plattformen für die Suche und Beauftragung von Freelancern können Unternehmen die geeigneten Talente für spezielle Aufgaben und Projekte finden. Dafür eignen sich zwei Methoden: Erstens können geeignete Kandidaten über ein intelligentes Filtersystem gefunden werden und direkt beauftragt werden. Zweitens gibt es die Möglichkeit eine Ausschreibung oder Rollenbeschreibung  zu veröffentlichen. Auf diese können sich die entsprechenden Kandidaten dann bewerben.

Welche Dinge sind beim Briefing des Freelancers besonders zu beachten?

Cédric Waldburger: Unternehmen, die keine Ausschreibung veröffentlichen und ihre Kandidaten lieber direkt buchen wollen, können ein Briefing an den Auftragnehmer starten. Die Erwartungen sollen so klar wie möglich formuliert werden. Daher sind einige wichtige Punkte zu beachten. Eine klare Begrenzung des Umfangs ist wichtig, denn gleich zu Beginn des Briefings sollten Sie Ihr Ziel und die Ausgangslage klar darstellen. Ganz klare, kleine Aufgaben funktionieren am besten. Der Arbeitsumfang sollte für jede dieser Aufgaben ca. 5 Stunden umfassen. Um eine komplette Webseite zu gestalten, sollten Sie zuerst nur eine einzelne Seite beauftragen.

Es sollte ebenso auf Messbarkeit geachtet werden. Ist das Ziel messbar, lässt es sich vom Freelancer leichter einschätzen. Der Freelancer kann besser darauf hinarbeiten. Eine „schnelle Seite“ ist schwer vorstellbar. Ein klares Ziel ist hingegen eine Ladezeit von zwei Sekunden.

Sind Aufgaben nicht messbar, gestalten sich Vorgaben oft als schwierig. Sie sollten daher möglichst viele Hintergrundinformationen bereitstellen. Im Beispiel mit der Erstellung einer Webseite können Informationen über den Zustand der alten Seite und darüber bereitgestellt werden, was daran nicht gefällt. Sie können auf Konkurrenten hinweisen, von denen Sie sich unterscheiden möchten.

Hat der Freelancer seine Aufgabe erledigt, sollten Sie das nicht gleich abhaken. Sie sollten mit dem Freelancer noch einmal darüber sprechen, was für ihn einfach und was schwierig war. So können Sie das Briefing hinterfragen und für mögliche Folgeprojekte individuelle Stärken und Schwächen des Freelancers identifizieren.

Vielen Dank für die hilfreichen Tipps Herr Waldburger!

Lena Nagarajah

Von Lena Nagarajah

Ist für die FUNKE Mediengruppe als Projektmanagerin im SalesMarketing tätig und zertifizierte Online Marketing Managerin.