, WerbungForm, Farbe, Veredelung: Worauf kommt es bei einer Flyergestaltung an?

Form, Farbe, Veredelung: Worauf kommt es bei einer Flyergestaltung an?

Mehrere Flyer

verwendete Bilder: © F. Seidel – Fotolia.com

„Einen Flyer erfolgreich zu gestalten kann eine echte Herausforderung sein!“ sagt Stephan Nierlein von der Agentur Kreativschufter. Dabei dachte ich immer, dass es bei einem Flyer nur um kurze und knappe Informationen geht, die mit ein bisschen Farbe und ein paar geeigneten Bildern aufgepeppt werden.

Was ist bei der Gestaltung überhaupt möglich und wie können Sie mit Ihrem Angebot aus der Flut von Flyern herausstechen?

Die Agentur Kreativschufter aus Duisburg hat sich unter anderem auf Druckerzeugnisse spezialisiert und Stephan Nierlein hat selbst bereits einige Erfahrungen mit der Flyergestaltung gemacht.

Sie haben bereits einige Flyer entworfen und produzieren lassen. Was sollte der erste Schritt sein, wenn man sich als Unternehmen dazu entschlossen hat einen eigenen Flyer drucken zu lassen?

Stephan Nierlein: „Wir haben bereits für Kunden aus ganz verschiedenen Branchen Flyer entwickelt. Wir als Agentur stehen unseren Kunden bereits bei der strategischen Ausrichtung im Marketing beratend zur Seite. Dazu fahren wir meist erst mal in die Betriebe, Restaurants oder Hotels – um nur einige Beispiele zu nennen – und gucken uns das Unternehmen und seine Mitarbeiter an, um vor der Entwicklung einer Kampagne oder der Gestaltung eines Flyers zunächst zu erfahren, wer unsere Auftraggeber überhaupt sind und welche Ziele generell verfolgt werden.

Wir folgen dabei dem Design-Thinking-Prinzip. Dabei versuchen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsam ein Problem zu lösen oder neue Ideen zu entwickeln, bei denen vor allem die Bedürfnisse und der Nutzen der Kunden berücksichtigt werden. Ich persönlich möchte meine Kunden dazu animieren über den Tellerrand hinaus zu schauen und dabei neue Denkprozesse anzustoßen. Denn ich denke, dass man sich so von seiner Konkurrenz abheben kann. Grade bei Flyern sollte man auch viel Wert auf eine individuelle Gestaltung legen. Also ist es zunächst wichtig die eigenen Beweggründe und Ziele zu hinterfragen und über den gewünschten Einsatz der Flyer nachzudenken.“

Flyer begegnen uns überall – Im Café, am Bahnhof, im eigenen Briefkasten etc. Die meisten davon lasse ich liegen. Was macht einen Flyer zum Hingucker?

Stephan Nierlein: „Da gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Natürlich kann die Form schon einen besonderen Eindruck erwecken. Wenn ein Flyer kreisrund, dreieckig oder rautenförmig ist, erscheint er zunächst ungewöhnlich und wird vielleicht eher in die Hand genommen. Aber es gibt noch viele andere Möglichkeiten.

Leider muss die Qualität von Druckerzeugnissen heutzutage oft hinter dem  Zeitaufwand und dem Preis anstehen. Viele Kunden möchten ihre Flyer schnell und möglichst günstig produzieren lassen. Natürlich sind Geschmäcker verschieden, aber oft kann man bereits durch die Wahl des Materials einen höheren Mehrwert schaffen. Der Druck könnte auf Natur- oder Recyclingpapier erfolgen. Somit hat man eine bessere Haptik, der Flyer erscheint direkt hochwertiger und wenn dann noch das Design ansprechend ist, landet der Flyer vielleicht nicht direkt in der Papiertonne.“

Sie sprechen jetzt explizit die Gestaltung des Flyers an. Gibt es hierbei besondere Dinge auf die man achten sollte? Können Sie mir gewisse „Dos and Don’ts“ verraten?

Stephan Nierlein: „Zunächst ist es sehr wichtig, dass der Gestalter den man beauftragt, auch wirklich darüber informiert wird, warum und wofür der Flyer benötigt wird. Denn es sollte immer der Nutzen des Kunden im Vordergrund stehen. Ein Gestalter ist kein Künstler sondern ein Dienstleister.

Ansonsten finde ich es schwierig bei der Gestaltung richtige Grenzen zu setzen. Eigentlich ist so gut wie nichts unmöglich. Natürlich gibt es gewisse ungeschriebene Gesetze. Dazu gehören die Grundsätze nie mehr als zwei verschiedene Schriftarten oder Punktgrößen zu verwenden. Ob ein Text auf dem Flyer eher mittig stehen sollte oder nicht, darüber lässt sich streiten. Es ist einfach eine optische Geschmacksfrage.

Im Trend liegen momentan QR-Codes. Diese verbinden die reale Welt mit der Online-Welt bzw. Print mit Digital. Ich denke, dass viele Kunden das Potenzial noch gar nicht entdeckt haben. Durch die Einbindung eines solchen Codes kann man sowohl die Aufmerksamkeit auf dem Flyer erhöhen und zugleich den Traffic auf der eigenen Internetseite erhöhen.

Generell kann man bei der Gestaltung vielleicht höchstens von der Nutzung von tiefschwarzer Farbe abraten. Wobei das eher technische Gründe hat. Druckerzeugnisse werden durch das tiefe Schwarz sehr empfindlich, wodurch eine Weiterverarbeitung schwierig sein kann.“

 

Interviewpartner: Stephan Nierlein

Interviewpartner: Stephan Nierlein

Über die technischen Möglichkeiten haben wir bisher noch nicht gesprochen. Es gibt viele verschiedene Druckverfahren. Welches würden Sie für den Druck von Flyern empfehlen?

Stephan Nierlein: „Bei der Wahl des richtigen Druckverfahrens spielt zunächst die Auflage eine entscheidende Rolle. Wenn nur eine kleine Anzahl von Flyern gedruckt werden soll, kann ich einen Digitaldruck in Offsetqualität empfehlen. Sollten es doch ein paar Flyer mehr werden, bietet sich der klassische Offsetdruck an. Damit ist eigentlich alles möglich.

Allerdings können sich Flyer besonders durch Veredelungen von der großen Masse abheben. Dabei denke ich direkt an die Verwendung von einem Strukturlack oder Duftfarben. Bei diesen Effekten sollte man den Siebdruck wählen. Dieser ist zwar eher grob und nicht so gut geeignet bei Bildern oder Fotos, dafür können aber eine Vielzahl an verschiedenen Effekten mit gedruckt werden.“

Durch so eine Veredelung kann man also erreichen, dass die Aufmerksamkeit erhöht wird und der Flyer gleich mehrere Sinne des Betrachters anspricht. Wie setze ich das konkret um?

Stephan Nierlein: „Dies geschieht zum Beispiel durch die Verwendung der eben genannten Duftfarben. Auch der Glitzereffekt kann gewisse Motive auf dem bedruckten Material besonders hervorheben. Dabei werden Metallicpigmente mit gedruckt. Auch der Einsatz von phosphoreszierenden Farben kann sich lohnen. Diese können UV-Licht abspeichern und in der Dunkelheit wieder abstrahlen. Man spricht hierbei auch von Nachtleuchtfarben.

Mir persönlich gefällt auch der Thermochrom-Effekt sehr gut. Dabei ändern sich die Farben durch Temperaturen. Beispielsweise könnte man den Flyer so drucken, dass bestimmte Teile der Schrift erst durch das Auflegen der Handfläche, also durch die Abgabe von Wärme, sichtbar werden.

Auch die Haptik spielt bei Druckerzeugnissen eine große Rolle. Die Blindprägung beispielsweise kann genutzt werden, um bestimmte Worte auf dem Flyer abzuheben. Dabei wird die Schrift ohne Verwendung von Farben in das Material eingeprägt und kann danach ertastet werden. Weitere schöne haptische Ergebnisse können auch mit Relief- oder Strukturlacken erzielt werden.“

Wie soll ein Unternehmen bei diesen ganzen Möglichkeiten den Überblick behalten?

Stephan Nierlein: „Eine vernünftige Beratung ist dabei wirklich entscheidend. Es wird leider viel zu oft nicht mehr genug miteinander gesprochen. Dabei ist ein direkter Kontakt mit dem Kunden notwendig, um am Ende ein passendes Produkt in den Händen zu halten.

Ich habe für alle, die mit dem Gedanken spielen einen neuen Flyer für ihr Unternehmen zu entwerfen, nur einen Rat: Seien Sie mutig und probieren Sie sich auch mal an etwas Ausgefallenes, so kann man auch mit traditionellen Druckerzeugnissen, wie Flyern, einen großen Werbeeffekt erreichen.“

Vielen Dank, dass Sie sich für meine Fragen Zeit genommen haben.

Bei der Gestaltung eines Flyers müssen also doch einige Dinge berücksichtigt und vorab geplant werden. Ich denke, dass es wichtig ist dabei einen roten Faden zu verfolgen, damit die Gestaltung und der Inhalt am Ende auch gut zusammen passen. Dies erreiche ich zunächst durch eine persönliche Zielsetzung und ein gutes Briefing, mit dem ich die Agentur bzw. den Gestalter über meine genauen Vorstellungen informiere. Ich hoffe, dass Ihnen mein Blog-Beitrag einige neue Ideen für die Gestaltung Ihrer Flyer liefern konnte.

Kati Blumenrath

Von Kati Blumenrath

Arbeitet seit 2014 als Projektmanagerin und Bloggerin für Marketing im Pott.

Von | 2017-08-09T10:28:59+00:00 29. April 2015|Marketing, Werbung|0 Kommentare

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