Ob Verleger, Regie-Ikonen oder Chefredakteure: Frank „Zepp“ Oberpichler hatte sie schon alle vor dem Mikro. Sein erst wenige Monate junger Ruhrpodcast entwickelt sich bereits jetzt zu einer Erfolgsgeschichte. 

Ich sprach mit Frank „Zepp“ Oberpichler, dem Chef der Duisburger Kommunikations- und PR-Agentur Durian, über Beweggründe, bisherige Erfahrungen und Ausblicke auf die Zukunft.

Herr Oberpichler, warum haben Sie den Ruhrpodcast ins Leben gerufen?

Frank Oberpichler: Audio-Kommunikation – und das wird in Deutschland noch unterschätzt – gewinnt zunehmend an Bedeutung, ganz besonders bei jungen Menschen. Die informieren sich nicht mehr über die klassischen Kanäle, sondern über Youtube und eben Podcasts.

Foto Oberpichler_Schuppelius: Frank „Zepp“ Oberpichler und Mitarbeiterin Annika laden für den Ruhrpodcast regelmäßig bekannte und (noch) unbekannte Lokalakteure zum Gespräch ein.

Frank „Zepp“ Oberpichler und Mitarbeiterin Annika laden für den Ruhrpodcast regelmäßig bekannte und (noch) unbekannte Lokalakteure zum Gespräch ein. Foto: Durian GmbH

Das Medium Podcast hat mich sehr gereizt. Ich bin ja nicht nur Agenturchef, sondern außerdem Autor und Musiker. Mir war klar, das kann ich bedienen. Und mir war klar, dass ich keine One-Man-Show abliefern, sondern Menschen zu Wort kommen lassen möchte, die etwas zu sagen haben. Ich bin ein waschechtes Ruhrpottkind, und wer hier aufgewachsen ist, hat schon längst nicht mehr nur das Schmuddel-Image im Kopf. Wir wissen – Kohle ist zwar schwarz, kann aber auch glänzen. Daher möchte ich all denen ein Forum bieten, die unsere Region als Metropolregion in irgendeiner Art und Weise vorantreiben. Das müssen nicht ausschließlich die ganz großen Namen sein. Auch Menschen, die medial nicht im Mittelpunkt stehen, aber dennoch Interessantes zu erzählen haben, will ich eine Plattform bieten.”

Was machen Sie dabei anders als andere?

Frank Oberpichler: „Nehmen wir einmal Gäste, die im Umgang mit Medien routiniert sind und regelmäßig Interviews geben. Die sind gewohnt, dass sie zu einem ganz bestimmten Thema oder tagesaktuellen Anlass eingeladen werden und womöglich vorab sogar einen Fragenkatalog zugeschickt bekommen. Das will ich aber gar nicht. Ich möchte, dass sich ein gutes Gespräch, eine Eigendynamik entwickelt. Dass die Gäste das Gespräch gestalten. Natürlich bereite ich mich auf meine Gesprächspartner vor, aber ich habe kein Skript. Diese Vorgehensweise birgt zwar das Risiko, dass es Gesprächshänger geben, dass es vielleicht sogar gründlich schief gehen kann, aber diese Erfahrung habe ich in den bisher 17 Gesprächen noch nicht einmal machen müssen.”

Wie reagieren Ihre Gäste auf das Freestyle-Konzept?

Frank Oberpichler: „Im schlimmsten Falle sind sie in den ersten Minuten noch ein wenig angespannt, weil sie nicht genau wissen, was sie erwartet. Das gibt sich aber immer ganz schnell, und nach kurzer Zeit vergessen sie sogar das Mikrofon, fühlen sich wohl und zeigen andere Facetten als die, die sowieso schon jeder kennt.”

Wo und wie oft finden die Gespräche statt?

Frank Oberpichler: „Im Besprechungsraum meiner Agentur, in einer gemütlichen und entspannten Atmosphäre, die auch Medienneulingen die anfängliche Nervosität nimmt. Mein Ziel ist, jede Woche eine neue Folge online zu stellen, und das hat bisher auch geklappt. Bei der Terminierung muss ich mich natürlich meinen Gesprächspartnern und deren Terminkalendern anpassen. Da kann es auch vorkommen, dass wir in einer Woche gleich drei Folgen aufnehmen, diese dann aber sukzessive online stellen.”

Schneiden Sie die Gespräche?

Frank Oberpichler: „Mir ist Authentizität sehr wichtig. Deswegen schneide ich allenfalls längere Gesprächspausen heraus, die übrigens nur selten vorkommen. Ich selber spreche bewusst, wie mir der Schnabel gewachsen ist, verwende zum Beispiel „datt“ und „watt“. Schließlich ist das der Ruhrpodcast, und das darf man ruhig auch hören.”

Wen erreichen Sie?

Frank Oberpichler: „Das hängt sehr vom Gesprächspartner und von der mit ihm verknüpften Thematik ab. Beim Podcast mit Chefredakteur Alexander Hüsing von deutsche-startup.de zum Beispiel hatten wir sehr viele Zugriffe aus Berlin und Hamburg. Die Episode mit Fritz Elmer, Regionalsprecher Deutsche ILCO e.V. Region Niederrhein und Westmünsterland (die größte deutsche Selbsthilfevereinigung von Stomaträgern, Menschen mit Darmkrebs und ihren Angehörigen, Anm. d. Red.) haben wir auch sehr viele ältere Menschen erreicht. Bei der Podcast-Folge mit Jana Weyers, der Mitbegründerin des ersten Unverpackt-Ladens in Mülheim, haben auffallend viele junge Hörer eingeschaltet, die sich in Zeiten von „Fridays for Future“ verstärkt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit interessieren. Mit anderen Worten: Mit unseren Ruhrpodcasts erreichen wir alle überall.”

War zum Thema Pflege am Mikrofon: Beate Rupietta, Geschäftsführerin der Assum GmbH, mit Hund Flaco.

War zum Thema Pflege am Mikrofon: Beate Rupietta, Geschäftsführerin der Assum GmbH, mit Hund Flaco. Foto: Durian GmbH

Sprachen (nicht nur) über Punkmusik, Erfolglosigkeit und Melancholie: Frank „Zepp“ Oberpichler und Reinhard Wolff alias Zwakkelmann aka Schlaffke.

Sprachen (nicht nur) über Punkmusik, Erfolglosigkeit und Melancholie: Frank „Zepp“ Oberpichler und Reinhard Wolff alias Zwakkelmann aka Schlaffke. Foto: Durian GmbH

Sie rufen auf www.ruhrpodcast.de zum Mitmachen auf. Ihre Hörer können per WhatsApp oder telefonisch Lob, Kritik und Anregungen äußern. Welche Rückmeldungen gab es bisher?

Frank Oberpichler: „Bislang eigentlich nur positive. Die meisten freuen sich, dass es uns gibt, dass wir über Themen und mit Menschen sprechen, die sie ohne den Ruhrpodcast nicht auf dem Schirm gehabt hätten. Und dann gibt es eben auch die Hörer, die das ganze unter professionellen Aspekten verfolgen.

Der Ruhrpodcast ist eigentlich mein Fun-Projekt, also nicht profitorientiert. Ich verfolge derzeit kein kaufmännisches Ziel, sondern wir agieren vielmehr in einer Art Laborsituation, probieren einfach aus und schauen, wie es sich entwickelt. Dennoch ist schon Interesse aus der Wirtschaft bekundet worden, wurde angefragt, ob wir so etwas auch für Firmen realisieren können – das freut mich natürlich sehr.”

Was macht einen guten Podcast aus?

Frank Oberpichler: „Zuerst mal – auch wenn das profan klingt: Er muss gut erreichbar sein. Uns findet man zum Beispiel neben unserer Homepage www.ruhrpodcast.de auf Deezer, Spotify, Apple Podcast; Xing und LinkedIn.

Dann muss der Sound stimmen – sowohl technisch als auch inhaltlich. Ich kenne das ja von mir als Konsumenten: Das Thema kann noch so interessant sein: Wenn es hölzern und monoton präsentiert wird, schalte ich ab. Ebenso, wenn die Klangqualität übel ist.

Die Folgen müssen flüssig sein und von der ersten bis zur letzten Minute lebendig bleiben.”

In der aktuellen und letzten Folge des vergangenen Jahres haben Sie gemeinsam mit Ihrer Co-Moderatorin Annika alle bisherigen Folgen Revue passieren lassen. Was ist für 2020 geplant?

Frank Oberpichler: „Man sollte sich auf jeden Fall die erste Folge vom 8. Januar anhören. Da spreche ich mit dem namhaften bildenden Künstler Cyrus Overbeck, der auch kommunikativ wahrlich ein Meister seines Fachs ist. Das verspricht unterhaltsam zu werden. Ich freue mich außerdem schon auf das Gespräch mit Joachim Hiller, seines Zeichens Herausgeber vom OX-Magazin und diverser weiterer Bücher wie zum Beispiel „Kochen ohne Knochen – das vegane Kochbuch”.”

Herr Oberpichler, danke für das Gespräch.

Ende August 2019 startete der Ruhrpodcast, ein Projekt der Kommunikations- und PR-Agentur Durian GmbH aus Duisburg. Agenturchef Frank „Zepp“ Oberpichler spricht im Ruhrpodcast mit einem Gesprächspartner aus seinem Agenturteam sowie mit anderen Ruhrgebietsakteuren über Menschen, Märkte und Motive.

Frank „Zepp“ Oberpichler ist nicht nur Agenturchef – er ist auch Autor und Musiker. Unter anderem hat er Bücher für den Ruhrgebietsverlag Henselowsky Boschmann geschrieben, tourt mit seinen Band- sowie Buchprojekten durch den Pott und gibt Workshops zu Marketing- und PR-Themen. Selbstständig ist er seit über 25 Jahren im PR-Business unterwegs, seit 17 Jahren mit der Durian Agentur. Und nein, er ist kein Österreicher oder Bayer. Auch wenn der Name danach klingt.

Claudia Brück

Von Claudia Brück

Arbeitet als Produktmanagerin bei der FUNKE Media Sales.