Erfolgreich selbstständig: Wie meistere ich den Weg richtig? – Teil 2

Erfolgreich selbstständig: Wie meistere ich den Weg richtig? – Teil 2

Im ersten Teil meiner Blogreihe habe ich Ihnen den Entscheidungsprozess zur eigenen Selbstständigkeit aufgezeichnet und Tipps für die erste Planungsphase gegeben.

Einbahnstraßenschild mit der Aufschrift: Own Business

verwendete Bilder: © norsob – Fotolia.com

Unter anderem habe ich Ihnen dazu die groben Umrisse eines Businessplans skizziert, mit dessen Hilfe Sie potenzielle Geldgeber von Ihrer Idee überzeugen können.

Heute möchte ich Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten der Finanzierung aufzeigen und deren Vor- und Nachteile näher betrachten. Außerdem gebe ich Ihnen einen Überblick, welche Formalitäten auf Sie zukommen, wenn sie ein eigenes Unternehmen gründen möchten.

Umsatzvorhersage und Kapitalbedarfsermittlung

Schon vor der eigentlichen Gründung der Unternehmung sollten Sie, wie bereits im ersten Teil meiner Blogreihe beschrieben, innerhalb des Businessplans durchrechnen, ab wann die Gründung für Sie rentabel ist. Dadurch können Sie herausfinden, wie viel Geld Sie mit Ihrem Unternehmen einnehmen müssen, um alle Kosten zu decken und auch langfristig gesehen Gewinn zu machen.

Branchenvergleich

Der zukünftige Umsatz der eigenen Firma lässt sich oftmals anhand der Umsatzberichte von anderen Unternehmen aus der Branche ableiten und somit grob vorhersagen bzw. schätzen. Natürlich sollte jedem Neuunternehmer bewusst sein, dass insbesondere im ersten Jahr wahrscheinlich noch keine großen Umsätze erwartet werden können.

Wie viel Kapital benötigen Sie?

Bevor Sie sich nun entscheiden, wie Sie Ihre Existenzgründung finanzieren möchten, sollte Ihr benötigtes Kapital errechnet werden. Um ein neues Unternehmen erfolgreich am Markt etablieren zu können, darf es in der Anfangsphase nicht an den nötigen finanziellen Mitteln mangeln. Jedem Kaufmann ist klar: Ohne anfängliche Investitionen, werden schlussendlich auch keine Gewinne erwirtschaftet.

Dabei fallen neben Kosten für das Grundstück bzw. das Gebäude, die Maschinen und sonstige Einrichtungsgegenstände, auch alle Kosten für den laufenden Betrieb wie z. B. Personalkosten, Material- bzw. Produktionskosten, Versicherungen oder sonstige Gemeinkosten an.

Die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten

Die finanziellen Mittel, um diese Investitionen zu tätigen, können allerdings auf verschiedenen Wegen beschafft werden.

  • Eigenkapital
  • Private Kreditgeber
  • Bankkredit
  • Beteiligungsfinanzierung
  • Staatliche Förderung

Es ist von Vorteil, wenn Sie ein möglichst hohes Eigenkapital mit in die Unternehmung einbringen können. Durch eigene Ersparnisse wird die benötigte Summe, die man sich von Geldgebern beschaffen muss, deutlich geringer. Somit wird es einfacher, einen passenden Kreditgeber zu finden und auch eine mögliche Zinsbelastung gering zu halten.

Private Kreditgeber

Neben den eigenen Ersparnissen, können Sie auch Bekannte, Familie oder Freunde als private Kreditgeber ins Boot holen. Oftmals verzichten diese völlig auf eine Zinsbelastung oder bieten das Kapital zu günstigen Konditionen an.

Diese persönliche Art der Finanzierung fordert aber auch ein hohes Maß an Vertrauen, welches zwischen Kreditgeber und -nehmer herrschen muss. Außerdem birgt es das Risiko, dass das private Verhältnis auf lange Sicht unter dem finanziellen Deal leidet. Es empfiehlt sich somit auch bei privaten Kreditgebern einen einwandfreien Kreditvertrag aufzusetzen, damit es schlussendlich nicht zu Streitereien kommt.

Bankkredit

Die häufigste Art der Finanzierung ist der Bankkredit. Dabei bittet man ein Bankinstitut (Gläubiger) um das benötigte Kapital (Kreditkapital) und zahlt dieses in Raten über mehrere Jahre zurück. Hinzu kommt ein vorher festgelegter Zinssatz, der als zusätzliche Belastung der neuen Unternehmung berücksichtigt werden muss.

Auch hier ist es von Vorteil, wenn Sie ein gewisses Eigenkapital oder eine andere Sicherheit mitbringen. Bei Banken gelten feste Grundsätze, nach denen ein Unternehmen als kreditwürdig eingestuft wird. Der bereits mehrfach erwähnte Businessplan sowie eine gelungene Präsentation Ihrer Geschäftsidee können dazu beitragen, dass die Bank Ihnen den Kredit gewähren wird.

Beteiligungsfinanzierung

Ein weiterer Gedanke wäre eine Beteiligungsfinanzierung. In diesem Fall führen der oder die Eigentümer Eigenkapital in die Unternehmung ein. Dies kann einmal bei der Gründung geschehen, aber auch später noch durch eine Kapitalerhöhung stattfinden.

Bei dieser Art der Finanzierung spielt die gewählte Rechtsform eine große Rolle, da alle Kapitalgeber z. B. Ansprüche auf Gewinn besitzen. Dafür tragen sie auch einen Teil des Unternehmensrisikos.

Generell ist die Wahl der Unternehmensform eine sehr wichtige Entscheidung. Es ist empfehlenswert sich ausreichend über die nachfolgend genannten Gesellschaftsformen zu informieren, denn nicht alle Unternehmensformen stellen eine direkte Finanzierungsmöglichkeit dar. Um den Rahmen meines Blogposts nicht zu sprengen, gehe ich folgend kurz auf zwei Beispiele ein.

Zu den typische Personengesellschaften zählen die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die Offene Handelsgesellschaft (OHG) und die Kreditgesellschaft (KG).

Bei nahezu allen Beteiligungsfinanzierungen besitzen die Gesellschafter Kontroll- und Einflussmöglichkeiten. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man sich für diese Art der Finanzierung entscheidet. Ein Beispiel: Bei der OHG können die Gesellschafter entweder Geld oder auch Sach- und Dienstleistungen als Kapitaleinlage in das Unternehmen mitbringen. Dadurch ergeben sich Rechte und Pflichten für jeden Gesellschafter, welche in einem Gesellschafsvertrag schriftlich festgehalten werden.

Meist wird ein Gesellschafter als Geschäftsführer ernannt, der auch ohne Zustimmung der restlichen Gesellschafter Entscheidungen bei gewöhnlichen Geschäften treffen darf. Handelt es sich um außergewöhnliche Geschäfte müssen jedoch alle Gesellschafter zustimmen. Jeder Gesellschafter hat zudem ein Widerspruchsrecht. Auch die Gewinn- und Verlustverteilung sollte im Gesellschaftsvertrag geregelt werden, denn diese betrifft alle Gesellschafter, genauso wie die persönliche Haftung.

Als Kapitalgesellschaften kommen die Aktiengesellschaft (AG), die Kreditgesellschaft auf Aktien (KGaA), die Gesellschaft mit begrenzter Haftung (GmbH) und Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt (UG) in Frage. Dabei eignen sind die AG und die KGaA zur Kapitalbeschaffung, werden allerdings eher von großen Unternehmen gewählt.

Ich denke, dass die UG (haftungsbeschränkt) sich besonders gut für Existenzgründer eignet. Dabei handelt es sich um eine Variante der GmbH, bei der allerdings ein geringeres Stammkapital (mindestens ein Euro) vorausgesetzt wird. Außerdem haftet der Gründer nur mit dem Vermögen der Gesellschaft und nicht mit seinem privaten Vermögen.

Tipp: Über diesen Link gelangen sie zu einer Kapitalgeberdatenbank, bei der Sie vielleicht auch für Ihre Unternehmung die richtige Finanzierung finden können.

Staatliche Förderung

Der Weg in die Selbständigkeit wird, unter Berücksichtigung einiger Bedingungen, durch die finanziellen Mittel verschiedener staatlicher Einrichtungen gefördert. Es gibt Förderungsprogamme der einzelnen Bundesländer, vom Bund oder von der EU.

Mehr Informationen zu diesem Thema und eine Auswahl von staatlichen Förderungsmöglichkeiten finden Sie hier.

Wie gründen Sie Ihr neues Unternehmen?

Sie haben alle Hürden bis hier hin genommen? Dann steht dem eigenen Unternehmen eigentlich nichts mehr im Wege – bis auf einen Haufen Formalitäten. Was im Einzelfall alles auf Sie zukommt, hängt auch stark von der Art der Tätigkeit und der gewählten Rechtsform ab.

Namensfindung

Zunächst braucht das Unternehmen einen Namen. Auch bei der Namensfindung spielt die Rechtsform eine Rolle, da diese im Firmennamen genannt werden muss. Hinzu kommt die Pflicht einen Namen zu verwenden, den es noch nicht in gibt. Bestehende Unternehmensnamen und Marken sind gesetzlich geschützt.

Also muss zunächst geprüft werden, ob der Name nicht bereits existiert. Dazu können Sie zum Beispiel das Angebot der IHK Erfurt nutzen. Diese bieten eine deutschlandweite Identitätsrecherche an.

Tipp: Auch den eigenen Unternehmensnamen sollte man nach der Gründung schützen lassen!

Gewerbeanmeldung

Bei der Anmeldung eines Unternehmens müssen einige Behördengänge erledigt werden. Dazu zählen z. B. das Gewerbeamt, die IHK, das Handelsregister, das Finanzamt oder die Berufsgenossenschaft.

Es ist ratsam sich früh genug bei den Behörden zu informieren, ob Sie für die Gründung Ihres Unternehmens gewisse Vorraussetzungen erfüllen oder Nachweise erbringen müssen. Auch spezielle Genehmigungen spielen manchmal eine Rolle.

In jedem Fall heißt es aber zunächst: Formulare ausfüllen. Damit Sie hierbei den Überblick behalten, bietet das STARTCENTER NRW einen Behördenwegweiser und einen Formularserver an, bei dem Sie auch bei Fragen von Beratern betreut werden.

Betriebliche und persönliche Absicherung

Ein wichtiger Punkt, den Sie auf keinen Fall außer Acht lassen sollten, sind die passenden betrieblichen Versicherungen. Dazu zählen unter Anderem:

  • Haftpflichtversicherung
  • Einbruchdiebstahlversicherung
  • Feuerversicherung
  • KFZ-Versicherung
  • Leitungswasserversicherung
  • Produkt-Haftpflichtversicherung
  • Versicherung für Mitarbeiter

Eine detailiertere Übersicht finden Sie hier.

Als Selbstständiger sollte man am Ende auch die persönliche Absicherung nicht aus den Augen verlieren. Neben der Entscheidung für die richtige Krankenkasse, sollten Sie auch über Ihre Altersvorsorge, eine mögliche Berufsunfähigkeit oder eine Lebensversicherung nachdenken, um sich und Ihre Angehörigen zu schützen.

Viel Erfolg!

In meinen zwei Blogposts habe ich Ihnen nun einige Hinweise für Ihren Weg in die Selbstständigkeit mit auf den Weg gegeben und hoffe, dass ich Ihnen ein paar gute erste Informationen und Anreize zu diesem sehr umfassenden Thema liefern konnte.

Ich denke, dass das Ruhrgebiet noch jede Menge Platz für neue Gründer hat und vielleicht möchten Sie uns in Zukunft von Ihrer persönlichen Erfolgsgeschichte berichten? Dann freue ich mich auf Ihre Kontaktaufnahme.

Kati Blumenrath

Von Kati Blumenrath

Arbeitet seit 2014 als Projektmanagerin und Bloggerin für Marketing im Pott.

Von | 2017-08-10T14:01:21+00:00 7. Oktober 2015|Management|0 Kommentare

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