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Engagement vs. Aufwand – Wie nutzen Sie die Social Media-Angebote?

Veröffentlicht am 22.07.2016 in Marketing & Digital

Fotolia_61681743_XSFacebook, Twitter, Instagram und Co. – die Liste der sozialen Netzwerke wird immer länger.

Für kleine und mittelständische Unternehmen haben die Netzwerke zusätzlich zur eigenen Webseite immer mehr an Bedeutung gewonnen. Doch je mehr Angebote ein Unternehmen nutzt, desto höher wird auch der Aufwand.

Ich habe über dieses Thema mit Michael Unterberger gesprochen, er ist Head of Social Media bei der FUNKE Digital GmbH und damit verantwortlich für die Aktivitäten der FUNKE Mediengruppe im Bereich Social Media.

Herr Unterbeger, lohnt sich Social Media für kleine und mittelständische Unternehmen?

Michael Unterberger: "Grundsätzlich kann sich für jedes Unternehmen, egal welcher Größe, ein Engagement in den sozialen Netzwerken lohnen. Wichtig ist dabei, dass man sich realistische Ziele setzt und dieses „lohnt“ für sich definiert.

Der eine möchte vielleicht nur Werbung für sich und seine Produkte/Angebote machen, ein anderer will über Social Media auch direkt verkaufen oder Personal anwerben. Ein anderer wiederum nutzt die Kanäle nur zu Unterhaltungszwecken oder als Support-Angebot.

Nicht jeder Kanal ist außerdem für alle Ziele wirklich dienlich. Ebenso wichtig ist aber auch, dass man auch die zeitlichen, monetären oder personellen Ressourcen dafür aufbringen mag und kann."

Welche Social Media-Angebote sollte ich als Unternehmer nutzen?

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Michael Unterberger: "Das lässt sich so pauschal leider nicht beantworten. Als Unternehmer sollte man sich zuerst fragen: WO könnte sich denn meine Zielgruppe aufhalten und welche Möglichkeiten habe ich im Netzwerk XY, um meine definierten Ziele zu erreichen?

Während man Facebook dank seiner Vielfalt für fast alle Zwecke gut nutzen kann (und aufgrund der potentiellen Reichweite auch als Kanal Nummer 1 in Erwägung ziehen sollte), dient Instagram eher dem Markenaufbau, der Leistungsschau oder mit dem Einsatz passender „Hashtags“ beispielsweise auch für Foto-Wettbewerbe oder Ähnliches.

Jedes Netzwerk dient unterschiedlichen Zielen

Youtube bietet sich an, wenn man gerne auch mal Bewegtbilder von seinem Unternehmen präsentieren möchte. Twitter ist gut geeignet, wenn man gerne und oft Veranstaltungen abhält oder seine Kunden/Leser über aktuelle Entwicklungen auf den Laufenden halten möchte.

Daneben gibt es dann noch Netzwerke wie Pinterest, Google+, Snapchat, WhatsApp etc., die jeweils einen anderen Anwendungsschwerpunkt haben."

Was kann mir ein Engagement im Bereich Social Media genau bringen? Gibt es auch Risiken?

Michael Unterberger: "Was es bringt? Kurz gesagt: sehr viel! Zum Beispiel in den Bereichen Kundenbindung, Markenaufbau, Markenbekanntheit, Supportangebot, Abverkaufsmöglichkeiten, Werbung, Eventplanung usw. Die positiven Folgeerscheinungen sind vielfältig.

Risiko: Erreichbarkeit

Natürlich gibt es auch Risiken: Man muss einige rechtliche Dinge beachten (Urheberrecht bei Fotos, Impressumspflicht etc.), der Betreuungsaufwand ist nicht zu unterschätzen und man ist dann natürlich theoretisch rund um die Uhr „erreichbar“.

Die Kunden/Nutzer erwarten beim Auffinden eines Angebots in sozialen Netzwerken, dass man reagiert, wenn man etwas auf die Seite oder an den Account schreibt. Social Media ist keine Einbahnstraße, es sollte vor allem auch als Interaktionsmöglichkeit mit seinen Fans, Kunden und Lesern aufgefasst und gelebt werden."

Soll ich die kostenlosen Möglichkeiten nutzen und meine Inhalte ganz normal posten oder sind auch bezahlte Einträge sinnvoll?

Michael Unterberger: "Auch hier kommt es auf die Ziele (und natürlich auch das Budget) an, die man sich setzt. Natürlich ist es anfangs immer schwerer, seine (potentiellen) Kunden drauf aufmerksam zu machen, dass man gerade beispielsweise einen neuen Kanal bei Facebook eröffnet hat.

Hier bietet es sich an, zumindest zu Beginn ein wenig Geld in die Hand zu nehmen, um damit seine Seite und die ersten Beiträge innerhalb des Netzwerks bekannt zu machen. Der sogenannte Werbemanager von Facebook bietet hier umfassende Möglichkeiten, die Werbung auch gezielt an eine bestimmte Zielgruppe auszuspielen. Wer also nur 30- bis 40-jährige Männer aus dem Essener Raum, die gleichzeitig auch Schalke-Fan sind und gerne ins Kino gehen, erreichen will, kann das beim Anlegen einer Anzeige so definieren."

Was sind denn die größten Fehler, die ich begehen kann?

Michael Unterberger: "Der größte Fehler ist es, zu denken, dass ein Engagement bei Facebook und Co. sowieso nichts bringt und man es deswegen erst gar nicht versucht. Ich kann jedem Unternehmer nur raten: versuchen Sie es!

Umgangston und Regelmäßigkeit

Und seien Sie dabei bitte nicht zu „steif“ in der Ansprache. Der Umgangston in den sozialen Medien ist eher locker und oft sehr kumpelhaft. Natürlich sollte man bei all seinen Postings nie die Unternehmens-DNA vergessen und man muss auch nicht zwingend alle duzen, wenn man sonst eher siezt.

Nutzen Sie Ihre Kreativität. Bieten Sie Ihren Kunden/Lesern durch ein selbst gemachtes Bild einen Blick „hinter die Kulissen“, teilen Sie ein paar kurze Anekdoten aus dem Geschäftsalltag, senden Sie einen „Guten Morgen“-Gruß oder setzen Sie Ihren Humor ein.

Was auch viele falsch machen: Sie legen eine Seite an, postet die ersten Beiträge und dann passiert lange Zeit nichts mehr. Das A und O sollte aber sein, regelmäßig und in nicht zu langen Abständen die Kanäle zu bespielen. Gerne auch täglich (je nach Netzwerk sogar mehrmals täglich).

Und achten Sie auch immer drauf, was die Kunden/Leser mögen und nachfragen. Binden Sie sie ein, rufen Sie zur Mitarbeit oder Teilnahme auf und machen Sie Werbung für Ihr Social Media-Angebot in Ihrem Laden, auf Ihrer Webseite oder in anderen Medien, die Sie nutzen.

Trauen Sie sich und Sie werden staunen, was in und durch soziale Netzwerke alles möglich und machbar ist."

Vielen Dank für das informative Gespräch.

Für kleine und mittelständische Unternehmen bedeutet das also, sich gezielt mit den eigenen Kunden und Zielen auseinanderzusetzen und zu erkennen, in welchem sozialen Netzwerk man beide erreicht.

Das Motto sollte nicht sein „Ich mache überall ein bisschen“ – dann lieber nur einen Kanal bespielen, diesen aber richtig und mit dem nötigen Erst und (personellen, aber auch finanziellen) Einsatz

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verwendete Bilder: © boygostockphoto - Fotolia.com © Funke Digital GmbH

 

 

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