Seit dem Google Update in 2018 werden Webseiten für gesundheitliche, rechtliche oder finanzielle Aspekte stärkeren Qualitätskriterien unterzogen. Doch ist Vertrauen messbar und worauf ist zu achten?

E-A-T der neue Fokus in den Quality Rater Guidelines

Beinahe täglich rollt Google neue Updates des Algorithmus aus, der für die Zusammenstellung der Suchergebnisse verantwortlich ist. Worauf diese abzielen, ist in den sogenannten Quality Rater Guidelines (QRG) beschrieben. Ein Team von ca. 10.000 Quality Ratern wird von Google eingesetzt, um tausende von Internetseiten laufend nach den Kriterien in den Quality Rater Guidelines zu klassifizieren.

So kann nach jedem Algorithmus Update geprüft werden, ob sich die Suchergebnisse verbessert haben – d.h. ob die gelisteten Seiten der Rangfolge nach stärker den Qualitätskriterien in den Quality Rater Guidelines entsprechen.

Zum Hintergrund:

  • Aus Gründen der Transparenz veröffentlicht Google diese Guidelines seit 2013
  • Im Jahr 2018 wurde erstmals eine Version veröffentlicht, die intensiv Qualitätskriterien nach dem Prinzip von E-A-T beschreibt
  • Im August 2018 folgte ein Google Core Update, das die Suchergebnisse im medizinischen Bereich stark durcheinandergewirbelt hat.
  • Obwohl weit mehr als lediglich Seiten mit medizinischem Charakter betroffen waren, wurde das Update von der SEO Branche damals „medic Update“ getauft
  • Quartalsweise folgten daraufhin weitere Core Updates, die große Auswirkungen zeigten

Im Rückblick über all diese Updates hinweg ist es evident, dass diese Veränderungen starke Zusammenhänge mit dem in den Quality Rater Guidelines beschriebenem E-A-T Prinzip zeigen.

Nicht alle Branchen werden in gleichem Maß zukünftig davon beeinflusst werden. Dennoch werden die meisten Seitenbetreiber nicht um dieses Thema herumkommen, wenn sie zukünftig von wertvollem Suchmaschinen Traffic profitieren möchten.

Wofür steht E-A-T?

Werfen wir also einen Blick darauf, was Google unter dem Prinzip E-A-T versteht. E-A-T steht als Abkürzung für drei zentrale Begriffe:

  1. Expertise
  2. Authoritativeness
  3. Trustworthyness

Expertise – Mit Expertise wird das qualitative Niveau eines Inhaltes beschrieben. Dabei ist zu beachten, dass Google hierbei vor allem den Autor und nicht die Organisation selbst im Blick hat. Je nach Thema kommt es mehr oder weniger stark auf formelle Qualitätskriterien an.

Themen, die großen Einfluss auf gesundheitliche, rechtliche oder finanzielle Aspekte des Lebens haben, erfordern aus Sicht von Google Expertise, die durch Qualifikation & Ausbildung formal nachgewiesen werden kann. Google beschreibt diese Themen als YMYL – your money your life.

Dennoch bleibt auch praktische Lebenserfahrung nicht unberücksichtigt. Diese kommt vor allem jenseits der YMYL Seiten zum Tragen. Google geht sogar so weit, dass persönliche Erfahrungen berücksichtigt werden, wenn diese der jeweiligen Suchintention entsprechen.

Autorität zielt vor allem auf die Reputation. Dabei sollen die Quality Rater sowohl die gesamte Webseite als auch den jeweiligen Autor eines Inhaltes im Blick behalten.

Je stärker sich unabhängige Stimmen summieren, ein Autor auch auf anderen Seiten als Experte auftaucht oder positive Bewertungen von guten Erfahrungen mit einem Unternehmen berichten, desto höher wird der Grad an Expertise angesehen.

Entscheidend hierbei ist wie im Linkbuilding der relevante Kontext. Die Expertise muss für die Themen nachgewiesen werden, die auch im Ranking eine Rolle spielen.

Vertrauen beleuchtet die Glaubwürdigkeit eines Internetauftritts. Google stellt dabei einen starken Zusammenhang zur Transparenz her:

  • Wird ersichtlich, wer für die Inhalte verantwortlich ist?
  • Gibt es Kontaktmöglichkeiten, wenn beispielsweise bei finanziellen Transaktionen Probleme auftreten?
  • Sind diese Kontaktmöglichkeiten gut auffindbar?
  • Gibt es eine Telefonnummer, um ein Problem sehr schnell zu lösen?

YMYL Seiten müssen auch hier höhere Anforderungen erfüllen als private Webseiten. Weiterhin zahlt die Richtigkeit von getroffenen Aussagen auf die Glaubwürdigkeit ein.

Häufen sich Falschaussagen oder unbegründete Widersprüche gegen einen etablierten Konsens anderer Experten, sinkt die Vertrauenswürdigkeit von Inhalten

Welche Auswirkungen hat das E-A-T Prinzip auf SEO?

Ist E-A-T ein Ranking Faktor?

Das E-A-T Prinzip beeinflusst die Google Suchergebnisse. Bild iStock

Das E-A-T Prinzip beeinflusst die Google Suchergebnisse. Bild iStock

Wie eingangs beschrieben gab es mehrere Algorithmus Updates, die die Suchergebnisse unter dem Prinzip E-A-T neu sortiert haben. Dennoch gibt es weder einen konkreten E-A-T Algorithmus noch eine Art E-A-T Score für eine Webseite.

Es gibt keine einzelne Kennzahl, sondern viele verschiedene Signale anhand derer Expertise, Autorität und Vertrauen ermittelt werden. Insgesamt beeinflussen diese natürlich wie Suchergebnisseiten zusammengesetzt sind.

Wie beeinflusst E-A-T die Suchergebnisse?

Welche Signale in Summe herangezogen werden, um Expertise, Autorität und Vertrauen zu ermitteln, ist nicht bekannt. Wichtig ist hierbei zu verstehen wie die Ergebnisse des Quality Rater Teams auf die Suchergebnisse wirken. Google hat dazu im August einen Artikel mit tiefen Einblicken veröffentlicht.

Google wird des Weiteren nicht müde zu betonen, dass E-A-T nichts ist, was sich schnell optimieren lässt. Qualität & Reputation lassen sich nicht von heute auf morgen verbessern. Dennoch ist es möglich auf eine neue Form von Außendarstellung hinzuarbeiten.

Wenn die Quality Rater Guidelines die große Mission beschreiben, auf die Google hinarbeitet, dann liegt es nahe diese Qualitätsrichtlinien allen SEO Maßnahmen zugrunde zu legen. Der Start kann bereits mit kleinen Schritten gelingen: Vorhandene Expertise muss hervorgehoben und Transparenz zum Seitenbetreiber sowie Autoren im Hintergrund hergestellt werden.

Wie kann E-A-T aus SEO Perspektive optimiert werden?

Kurzfristig und schnell lassen sich folgende Maßnahmen umsetzen.

  1. Zeige, wer hinter der Seite steht! Für das E-A-T Prinzip ist es entscheidend, dass deutlich wird, wer die Seite betreibt. Ein Impressum ist das Minimum, das weltweit in manchen Ländern bereits eine rechtliche Pflicht ist. Besser ist, wenn es darüber hinaus eine informative Über uns Seite gibt sowie strukturierte Daten eingesetzt werden, um Informationen maschinenlesbar zur Verfügung zu stellen.
  2. Zeige, welche Experten für dich schreiben! Seiten, die substanzielle Informationen enthalten, sollten einen konkreten Autor benennen. Dieser Autor ist auch innerhalb der strukturierten Daten zu kennzeichnen. Im Idealfall verlinkt die Autorenbox eine Autorendetailseite. Auf dieser Seite sollten weitere Informationen darüber zu finden sein, welche Erfahrungen und Qualifikationen der Autor mitbringt und ihn zur Beratung befähigt. Pflegt der Autor soziale Profile, so sind auch diese zu verlinken. Durch strukturierte Daten können sämtliche Informationen in maschinenlesbarer Form hinterlegt werden.
  3. Schaffe Kontaktmöglichkeiten! Bedient die eigene Seite YMYL Themen sollte es neben Email und Postadresse telefonische Kontaktmöglichkeiten geben. Die Telefonnummer wird idealerweise gut sichtbar auf jeder Seite eingebunden und ebenfalls mit strukturierten Daten gekennzeichnet.
  4. Lade Experten ein, Inhalte für dich zu schreiben! Sollten keine Experten im eigenen Unternehmen arbeiten oder die nötige Reputation fehlen, ist es ein legitimes Mittel mit Experten zu kooperieren. Beispielsweise können Experten dafür angeworben werden auf der eigenen Seite Gastbeiträge zu veröffentlichen. Auch freie Journalisten mit Expertise in bestimmten Themenfeldern lassen sich engagieren.

Neben diesen transparenzstiftenden Maßnahmen muss vor allem auf den Status einer Autorität langfristig hingearbeitet werden. Dabei sollte folgendes im Fokus stehen:

1. Sorge für mehr Bewertungen! Die Quality Rater Guidelines heben die Bedeutung von Bewertungen hervor. Langfristig sollte dafür gesorgt werden, dass es mehr und überwiegend positive Bewertungen gibt.

Es ist verboten Bewertungen zu incentivieren, d.h. sie mit einer Gegenleistung zu verbinden. Möglich ist jedoch je nach Business Modell die Einladung zur Bewertung im After Sales Prozess.

Positive Geschäftsbeziehungen verdienen ein „Dankeschön“, das mit einer kleinen Aufmerksamkeit und der Einladung zur Bewertung verbunden sein kann. Wer könnte diese Bewertung in so einem Moment ablehnen?

Negative Bewertungen sollten reduziert werden, indem auf einen kundenzentrierten Service geachtet wird, der Kritik als kostenlosen Ratschlag auffasst und mit Optimierungsmaßnahmen darauf reagiert.

2. Baue Reputation und Erwähnungen auf! Sowohl für die Webseite als auch für die Autoren selbst sollte permanent an einem Reputationsaufbau gearbeitet werden. Wichtigstes Mittel ist hierbei das Generieren von Links und Erwähnungen. Das setzt eine profilierte Außendarstellung sowie ein gutes Netzwerk voraus.

Beides ist steuerbar durch klare Marketing Botschaften sowie die Teilnahme am fachlichen Diskurs auf Messen, Konferenzen, Branchen-Events sowie im digitalen Raum durch Interviews, Gastbeiträge uvm.

Fazit:

Wie Google bereits geäußert hat, sind die o.g.Faktoren nicht in kürzester Zeit optimierbar. In der Regel sitzt jedes Unternehmen jedoch auf einem großen Fundus an Kompetenz. Die größte Herausforderung besteht darin, diese nach außen hin sichtbar zu machen. Wer diese Herausforderung annimmt, wird sich zukünftig einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil erarbeiten und langfristig in der organischen Suche erfolgreich sein.

 

 

Hannes Richter

Von Hannes Richter

Hannes Richter ist Head of SEO bei der Online Marketing Agentur clicks digital GmbH