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Die wichtigsten Online Zahlungssysteme Teil 3: Prepaid und Ratenkauf

Veröffentlicht am 28.01.2015 in Marketing & Digital

online-bezahlenOnline-Käufer lieben die Auswahl.

Sie möchten die Möglichkeit haben, genau auf die Weise zu bezahlen, die Ihnen am angenehmsten ist. Der erste Impuls als Web-Shop-Betreiber mag da sein: "Ich biete einfach jede Zahloption an!".

Blickt man hier aber auf den Faktor Rentabilität wird recht schnell klar, dass das nicht funktioniert.

Denn: Jede Bezahlart schlägt sich für den Händler in zusätzlichen Kosten und in einem nicht zu unterschätzenden Aufwand nieder. Deshalb will wohlüberlegt sein, welche Zahlungssysteme für das eigene Geschäft sinnvoll sind.

Nachdem ich Ihnen im 2. Teil dieser Serie Direktüberweisungssysteme sowie PayPal und Click & Buy näher gebracht habe, konzentrieren wir uns heute auf Prepaid- und Ratenkauf im Internet.



Ratenkauf im Internet

Größere Wünsche per Onlinekauf zu realisieren, war lange Zeit nahezu unmöglich. Zumindest dann, wenn man das nötige Geld nicht parat hatte.

Mittlerweile gibt es Anbieter, die es Online-Händlern von hochpreisigen Produkten möglich machen, ihren Kunden auch den Ratenkauf anzubieten.

Klarna

"Kannst du mir mal ein Tempo geben?".

Für jeden hier in Deutschland ist klar, was damit gemeint ist: Der Fragende möchte ein Taschentuch (ob das nun wirklich die Marke "Tempo" ist, ist eigentlich egal). Einen Status wie diesen muss sich ein Unternehmen erst einmal erkämpfen.

Ähnliche Wertschätzung erfährt der Zahlungsanbieter Klarna in Skandinavien. Dort steht der Unternehmensname Klarna nämlich für den Begriff "Online-Zahlung".

Auch in Deutschland genießt das Unternehmen mittlerweile einen gewissen Status und ist deshalb bereits in vielen Shop-Systemen vorinstalliert.

Der Dienst offeriert Shop-Betreibern die Möglichkeit, ihre Ware auch als Rechnungskauf anzubieten – und zwar ohne, dass sie dabei das bekannte Risiko des Zahlungsausfalls tragen müssen, denn das übernimmt Klarna. Dafür erhält der Händler die Kundenzahlung erst gut zwei Wochen später – nach Ablauf dieser Frist zahlt Klarna ihn aus, dann aber oder Wenn und Aber.

Außerdem bietet Klarna auch den Kauf auf Raten an.

Gerade für Händler von hochpreisigen Produkten ist dies ein erstklassiges Mittel zur Kundengewinnung und Kundenbindung.

Für den Händler läuft die Ratenzahlung ohne großes Risiko. Auch wenn der Kunde nicht zahlt, erhält der Händler von Klarna den vollen Betrag.

Allerdings lässt sich Klarna diese Sicherheit natürlich auch bezahlen: eine einmalige Einrichtungsgebühr sowie eine monatliche Grundgebühr plus einer Gebühr pro Rechnung und Ratenkauf wird hier fällig.

Und aufgepasst: Die Gebühr für die Transaktion wird auch dann fällig, wenn der Kunde die Ware innerhalb der Widerrrufsfrist zurückschickt.

RatePay

RatePay ist eine Tochter der Otto Group und existiert seit Ende 2009. Das Unternehmen aus Berlin hat sich auf den Ratenkauf im Internet spezialisiert.

Dabei übernimmt der Anbieter das Risikomanagement. Dazu gehört, die Kunden auf Zahlungsfähigkeit zu überprüfen. Auch das Debitorenmanagement regelt RatePay für den Online-Händler.

Möchte ein Kunde also die Ratenzahlung im Online-Shop in Anspruch nehmen, überprüft RatePay Identität und Bonität des Kunden.

Dabei verzichtet das Unternehmen nach eigenen Angaben auf die Verwendung von Post-Ident-Verfahren (ein ausgebildeter Mitarbeiter einer Postfiliale überprüft anhand verschiedener Dokumente etc. die Identität des Kunden). Diese nämlich führen im E-Commerce häufig zu einer hohen Quote von Kaufabbrüchen.

Anschließend erfolgt eine automatische Risikoeinschätzung in Echtzeit auf Grundlage verschiedener Scorekarten.

Per Ratenrechner von RatePay ermöglichen Händler den Kunden, ihre individuell gewünschte Rate und Laufzeit zu berechnen. Den Ratenrechner können Online-Händler recht unkompliziert im Shop installieren.

Ähnlich wie Klarna gestattet auch RatePay Online-Händlern, den Kauf auf Rechnung anzubieten ohne selbst das Risiko eines Zahlungsausfalls eingehen zu müssen. Begleicht ein Kunde seine Rechnung nicht, erhält der Händler trotzdem sein Geld – abzüglich einer geringen Gebühr.

Die Servicekosten, die der Händler zu tragen hat, variieren bei RatePay je nach Branche.

Auch hier wird eine Transaktionsgebühr und Disagio (Abgeld) fällig. RatePay unterteilt das Warensegment des Händlers in mehrere Risikoklassen.

Je nachdem, in welche Klasse der Web-Shop fällt, gestalten sich die Gebühren für den Betreiber.

Kreditkarten

Das Bezahlen per Kreditkarte hat Tradition.

Um als Händler im Online-Shop aber Kreditkartenzahlung anbieten zu können, braucht man einen Kreditkartenakzeptanzvertrag. Diese Art Kreditvertrag schließt der Händler mit einer Kreditkartenbank wie American Express, Concardis Postbank etc. ab.

Banken, die diese Verträge vergeben werden Acquirer genannt. Diese prüfen das Geschäftsmodell des Online-Händlers auf Herz und Nieren.

Unternehmen, die erst neu gegründet wurden, haben hier kaum eine Chance. Auch mit einer Vor-Ort-Besichtigung muss der Antragsteller rechnen.

Ist es zum Abschluss eines Akzeptanzvertrags gekommen, kümmert sich der Acquirer um die gesamte Abwicklung der Kartenzahlung und sorgt dafür, dass der jeweilige Betrag auf das Konto des Händlers transferiert wird.

Für diese Leistung behält der Acquirer einen Betrag ein, der von verschiedenen Faktoren abhängig ist (z.B. Umsatzvolumen).

Kreditkartenzahlung im Web-Shop anzubieten, birgt also einige Hürden für Online-Händler.

Sicherlich ist die klassische Kreditkartenzahlung also nicht für jeden Web-Shop-Betreiber attraktiv und lohnenswert.

Allerdings: Im Online-Handel kommen immer häufiger auch elektronische Prepaid-Kreditkarten und -Dienste wie Paysafecard zum Zuge, die auch von Kunden gerne und immer häufiger genutzt werden.

Paysafecard

Der Prepaid-Dienst Paysafecard wird mittlerweile von einer ganzen Reihe an Online-Shops als Zahlungsoption bereitgestellt. Das liegt mitunter daran, dass er sich auch sehr gut für Micropayments eignet und problemlos in 37 Ländern verwendet werden kann. Außerdem gehen Händler hier kaum ein Risiko ein, da sie die Deckung überprüfen können.

Als Gebühr fällt für den Händler ein monatliches Abgeld an, das sich nach Höhe des monatlichen Umsatzes mit Paysafecard und nach der Branche richtet.

Im Gegenzug findet Paysafecard auch bei Kunden eine hohe Akzeptanz: Sie brauchen weder eine Kreditkarte noch ein Konto. Die Kunden kaufen in einem der weltweit mehr als 450000 Verkaufsstellen (z.B. Tankstellen) PINs, die sie in ihr Konto hochladen.

Die Summe der gekauften PINs steht ihnen dann als Guthaben zur Verfügung. Zum Bezahlen geben sie einfach nur ihre persönliche 16-stellige Nummer sowie eine PIN an.

Kunden schätzen die diesen Dienst, weil ihre persönlichen Daten beim Kauf anonym bleiben.

Skrill (ehem. Moneybookers)

Auch Skrill ist ursprünglich ein Prepaid-System.

Nachdem der Kunde seine persönlichen Daten angegeben hat, kann er ein Konto einrichten. Danach lädt der Kunde sein Konto also auf in dem er einen Betrag einzahlt (per Banküberweisung, Kreditkarte oder giropay). Für den Händler fallen hier Kosten für jede empfangene Transaktion an.

Neben einem Pauschalbetrag führt der Händler monatlich einen Prozentsatz an Skrill ab, der nach Umsatzhöhe gestaffelt ist: Je mehr Umsatz der Händler im Monat macht desto niedriger fällt diese Abgabe aus. Für Verkäufer mit einem niedrigpreisigen Sortiment, die nur einen relativ geringen Umsatz erwirtschaften, ist Skrill somit also nicht in jedem Fall das Gelbe vom Ei.

Sonderkonditionen sind bei Skrill aber möglich. Zum Beispiel erhalten Online-Händler für die Zusammenarbeit mit bestimmten Shopsystemen einen Nachlass.

Wer die Wahl hat, hat die Qual Es ist nicht ganz einfach im Dschungel der Bezahlmöglichkeiten genau diejenigen auszuwählen, die für den eigenen Online-Shop geeignet sind.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem Blogbeitrag diesbezüglich eine kleine Hilfestellung leisten.

Wenn Sie sich mit den verschiedenen Bezahlmöglichkeiten im Internet auseinandersetzen, stolpern Sie automatisch auch über das Thema "Payment-Service-Provider".

Welche Rolle diese für Betreiber von Web-Shops spielen und ob es sinnvoll ist, den Service eines PSP in Anspruch zu nehmen, verrate ich Ihnen im 4. und letzten Teil dieser Serie.

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verwendete Bilder: © koya979 - Fotolia.com

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