Im Content Marketing wird die Zielgruppe durch Inhalte angesprochen. Beispiele dafür gibt es wie Sand am Meer, weil auch Unternehmensblogs durch gezielte Positionierung der eigenen Dienstleistungen zum Content Marketing zählen. Oft wird dabei allerdings der wichtige Zusatz „Visual“ vernachlässigt.

Die Bäckereiauslage im Artikelfoto ist ein gutes Beispiel, weil die angebotene Leckerei (der Content) geeignet präsentiert wird und den hungrigen Kunden anlockt. Nourolhoda Nourshahi ist Geschäftsführerin der Social Media Agentur Luxregia aus Gelsenkirchen. Sie erklärt im Marketing im Pott-Interview, was der Zusatz „Visual“ beim Content Marketing bedeutet und warum er so wichtig ist – nicht nur beim Bäcker.

Im Content Marketing wird die Zielgruppe durch informierende, beratende oder unterhaltende Inhalte angesprochen. Was meint der Zusatz „Visual“?

Nourolhoda Nourshahi ist Geschäftsführerin von Luxregia in Gelsenkirchen.

Nourolhoda Nourshahi ist Geschäftsführerin von Luxregia in Gelsenkirchen.

Nourolhoda Nourshahi: „Das Auge nimmt 36 Milliarden Informationen in der Stunde auf. Kein Wunder, dass wir vieles nur noch flüchtig wahrnehmen. Hier ist die emotionalisierte Macht der Bilder gefragt, um die Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu generieren. Nicht umsonst heißt es: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Sie kennen das sicher auch: Sie sehen ein Bild und müssen spontan lächeln, staunen oder weinen. Bilder können ohne Reaktionszeit echte und tiefe Emotionen in einem Menschen hervorrufen. Ein Bild wird mit dem ersten Blick erfasst und hinterlässt sofort einen Eindruck – das Branding wird so kreiert.“

Warum setzen Sie so stark auf diese Form des Storytellings? Welche Vorteile bietet es, insbesondere in Bezug auf die Wahrnehmung?

Nourolhoda Nourshahi: „Guter Visual Content steigert die Wahrnehmung und auch die Glaubwürdigkeit. Visual Content hilft eine Geschichte zu erzählen und lässt das Produkt bzw. die Dienstleistung erlebbar machen. Durch die Untermalung des Storytellings mit aussagekräftigen Bildern entsteht eine Beziehung zwischen Zielgruppe und ausgespieltem Inhalt. Aktuelle Studien belegen, dass 49 % aller Kaufentscheidungen über die Marke getroffen werden:

  • Ist es ein sympathisches Bild?
  • Welche Werte und welche Qualität vermittelten mir das Produkt, die angebotene Dienstleistung oder das Unternehmen?

Wenn hier bei der Zielgruppe ein angenehmes Empfinden entsteht, erfolgt die „Conversion“; die sogenannte Kaufentscheidung.“

Welche visuelle Mittel bieten sich an, um beim Visual Content Marketing durchzustarten?

Nourolhoda Nourshahi: „Das Bewegtbild liegt momentan im Trend und wird vom Algorithmus der Social Media-Kanäle mit hohen Reichweiten und auch Interaktion belohnt. Hier bieten sich kurze knackige Videos an bzw. auch Live-Videos auf Messen oder Veranstaltungen. Live-Fragestunden haben sich erfahrungsgemäß auch sehr gut bewährt. Generell gilt: Authentizität liegt vor perfekter Bildgestaltung, damit das „echte Gefühl“ transportiert werden kann. Es bieten sich alle Grafiken mit klarer Bildsprache für die Kommunikation an. Der Betrachter muss in drei Sekunden erfassen, um welche Art des Produktes bzw. der Dienstleistung es sich handelt. Somit wird er angeregt mehr über das Angebot zu erfahren.“

Einer Ihrer Leitsätze lautet „Bildinfo vor Textinfo“…

Nourolhoda Nourshahi: „Wer seine Zielgruppe mit nichtssagenden Inhalten überflutet, anstatt Wichtiges auf den ersten Blick sichtbar zu machen, verliert diese! Vor allem Infografiken eignen sich nicht nur hervorragend, wichtige Inhalte und komplexe Zusammenhänge übersichtlich darzustellen, sondern werden zudem in sozialen Netzwerken häufiger geteilt und erhöhen die Brand Awareness.“

Wie lassen sich diese Mittel zweitverwerten? Gibt es Verwendungsmöglichkeiten im Social Media-Bereich?

Nourolhoda Nourshahi: „Mit Visual-Content in Social Media, insbesondere durch Werbeanzeigen in Social Media (Ads) erreichen Sie Ihre individuelle Zielgruppe und können Ihre Markenbekanntheit und Reichweite steigern und auf Ihre Produkte/Dienstleistung aufmerksam machen. Mit Ihren Unternehmens-Updates können Sie subtil Werbung in eigener Sache ausspielen ohne zu plakativ zu wirken. Mit Sponsored Content sichern Sie sich den besten Platz vor den Augen Ihrer Zielgruppe. Somit erzielen Sie einen Marketing-Mix von Website, Social Media und ggf. stationärem Geschäft und können auf mehreren Schnittstellen sowohl in Interaktion mit Ihren Bestandskunden gehen als auch neue Zielgruppen erschließen.“

Können Sie ein Beispiel darstellen, wie einer Ihrer Kunden das Visual Content Marketing erfolgreich umgesetzt hat?

Nourolhoda Nourshahi: „SINGER Nähmaschinen betreuen wir beispielsweise seit vergangenem Jahr. Die Positionierung der Marke sollte eine frischere und moderne Note erhalten. Zielsetzung der Kommunikation ist es, auf einzelne Produkte aufmerksam zu machen und mit unterhaltenden Inhalten den Spaß am Nähen zu befördern, um so eine langfristige Kundenbindung (Upselling) anzustreben. Gleichzeitig sollte Facebook, nach Set-up, als zusätzlicher Kanal für den Kundensupport fungieren, um die Kundenzufriedenheit zu stärken und durch den Austausch in der Community für Inspiration zu sorgen.“

Haben Sie eine konkrete Handlungsempfehlung für KMU?

Nourolhoda Nourshahi: „Überlegen Sie sich, welchen Mehrwert Ihr Produkt bzw. Dienstleistung für den Verbraucher darstellt und bereiten Sie diese Inhalte bildlich auf. Sie können beispielweise

  • Personen dabei filmen, wie Sie Ihr Produkt verwenden
  • Ihre Teammitglieder fotografieren und Kurzinterviews dazu veröffentlichen
  • Kurzstatements Ihrer Kunden darstellen
  • den Produktionsablauf in Bildern zeigen und so Transparenz in der Produktionskette schaffen.

Das Ziel des Visual Contents sollte sein, Vertrauen aufzubauen und eine Beziehung zu Menschen aufzunehmen. Ist die Beziehung erst hergestellt, wird sich der Verkaufsabschluss einstellen. Wie im Leben auch, steht und fällt ein gutes Verkaufsgespräch auch in der digitalen Welt, mit einer angenehmen Atmosphäre. Diese können Sie mit einer kontinuierlich ausgespielten Bilderwelt auf Ihren digitalen Kanälen in der Customer Journey erschaffen.“

Vielen Dank für das Interview!

Das Visual Content Marketing bildet also nicht nur den verlängerten Arm der Customer Journey ins Digitale. Es ist vielmehr der Unterschied in der Konzeption und die Herangehensweise, wie Inhalte dargestellt werden. Die Bildsprache wird, gerade in Zeiten sozialer Netzwerke und Messenger, wichtiger als je zuvor. Sofern sie nicht im Corporate Design definiert wurde, wird es jetzt allerhöchste Eisenbahn, die (digitale) Produktauslage Ihres Unternehmens neu zu denken.

Hendrik Weyers

Von Hendrik Weyers

Journalismus, Mediendesign und Tech Enthusiast. Arbeitet als Content Manager für das Portal Marketing im Pott.