Marketing im Pott – der Marketing-Blog für das Ruhrgebiet

Der richtige Marketingmix für Ihre Zielgruppen

Veröffentlicht am 31.10.2014 in Marketing

Die Frage nach der Zielgruppe ist für den richtigen Marketingmix natürlich immer grundlegend.marketingmix

Das Problem: Früher war es wesentlich einfacher, diese Zielgruppen einzugrenzen. Im Laufe der Zeit haben sie sich verändert, überlagert oder gänzlich aufgelöst.

Reicht es heute noch aus, Marketingmaßnahmen auf den Typus »Hausfrau«, »Facharbeiter« oder »Akademiker« zuzuschneiden?

Ich denke nicht. Die Konsumgewohnheiten sind so vielfältig und individuell geworden, dass eine solche Einteilung nicht mehr alle Konsumenten erfasst, die man erreichen will.

Drei Entwicklungen prägen diese modernen Konsumgewohnheiten besonders stark:

  • "Individualisierung" (Aufhebung traditioneller Familienmodelle und Beziehungskonzepte)
  • "New Work" (Flexibilisierung der Wirtschaft und Bedarf an lebenslangem Lernen)
  • "Alterung" (Langlebigkeit und Aktivierung der Senioren)

Was aber bedeutet das konkret? Welche Rückschlüsse lassen sich aus dieser Einsicht für einen passenden Marketingmix gewinnen?

Mit den folgenden praktischen Beispielen möchte ich zeigen, wie ein Marketingmix aussehen kann, der die genannten Faktoren berücksichtigt.

Beispiel 1: Die Autowerkstatt

Eine Autowerkstatt richtet sich schlicht an die Besitzer eines Autos.

Es besteht der Wunsch nach Mobilität und Flexibilität und der zugehörige Trend ist die "New Work". Wer mobil ist, will es auch bleiben, wenn das Auto in Reparatur ist.

Auf dieses Bedürfnis kann man diesseits und jenseits eines Ersatzwagens mit verschiedenen Werbemitteln reagieren.

"Die schnellste Reparatur der Stadt" ist jedenfalls die zugehörige Botschaft, die passenden Werbemittel sind ganz klassisch Zeitungsanzeigen, Kino- und Radiowerbung.

Die Sicherstellung der Mobilitätswünsche von Kunden kann jedoch schon vor dem Schadens- oder Verschleißfall aufgegriffen werden.

Für die Bewerbung von Reifenwechsel, Ölwechsel und Durchsicht sollten Bestands- und Neukunden getrennt voneinander betrachtet werden.

Erinnerungskarten per Post und Rabattierungen für Frühkunden eignen sich zur Bindung von Bestandskunden.

Die Neukundengewinnung kann bei solch einer Werkstatt dann über einen Mix reichweitenstarker lokaler Angebote realisiert werden, zum Beispiel 35% Zeitungsanzeigen, 45% Radiowerbung, 10% Kinowerbung, 10% Plakatwerbung.

Eine auf bestimmte Fahrzeuge spezialisierte Werkstatt (beispielsweise Oldtimer- oder Markenwerkstätten) dagegen wird mit dieser Art von Werbung kaum einen soliden Kosten-Nutzen-Ausgleich ihrer Marketingaktivitäten realisieren können.

Diese Unternehmen sind besser beraten, einen sehr „persönlichen“ Marketingmix bestehend aus je einem Drittel Flyer für (Auto-)Stammtische, Social Media- Werbung und Empfehlungsmarketing zu erstellen, um zielgenau Personengruppen anzusprechen, die aufgrund eigener Beteiligung Interesse am Angebot der Werkstatt haben könnten.

Beispiel 2: Das Waschmittel

Ein Waschmittel ist ein Produkt aus dem Alltagsbereich. Hauptsächlich muss es funktionieren, in diesem Fall: reinigen.

Die Zielgruppen spalten sich auf in jene, die Wert auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit legen, und solche Konsumenten, die nur auf den Reinigungseffekt zum passenden Preis setzen.

Der Reinigungsmittelhersteller Frosch beispielsweise spricht vor allem die erste Zielgruppe an.

Der Nachhaltigkeitsgedanke wird in Image, Layout und Produktverpackung konsequent verfolgt. Der zugehörige Slogan von Frosch lautet »Bioqualität seit 1986«. Und der Marketingmix besteht aus Radio- und Fernsehwerbung zu Zeiten, in denen besonders viele Mütter erreicht werden, sowie diversen Mitteln des Online-Marketings, die modernen konsumbewussten Gruppen wie Veganer, Vegetarier und sonstige Bio-Verfechter ansprechen.

Dazu gehört die Bannerwerbung auf Internetseiten ebenso wie das Couponing, also die Bereitstellung von Gutscheinen.

Und schließlich ist auch das Sponsoring ein Werbemittel, das genau die richtige Zielgruppe anspricht, wenn beispielsweise Wettbewerbe zur Förderung von Engagement für Umwelt und Natur ausgelobt werden.

Beispiel 3: Das Online-Dating-Portal

Last but not least werfen wir doch einen Blick auf den Marketingmix eines Onlinedating- Portals.

Studien belegen, dass Onlinedating in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Sie weisen den Onlinedater als modernen Individualisten aus. Single-Gruppen mit besonderen Charakteristika wie Menschen mit Behinderung, Vegetarier, Gothic-Fans, mollige Singles oder Landwirte.

Neben den Möglichkeiten des Online-Marketings besteht der Marketingmix aus Foren oder Orten, die Menschen mit spezifischen Eigenschaften im Blick haben: Fachzeitschriften für besondere musikalische Vorlieben oder für bestimmte Berufsgruppen sind interessante Werbeträger für Dating-Portale.

Nicht zu vernachlässigen sind große Veranstaltungen wie Musikfestivals: Ein Werbegeschenk wie ein Kugelschreiber oder die Teilnahme an einem Flirtspiel wird innerhalb einer vergnüglichen Festivalmenge viel eher akzeptiert. Es kann sogar zur Umwandlung von Unterhaltungsfreude in ein echtes Dating-Interesse führen.

Diese Beispiele zeigen, dass der richtige Marketingmix, die Paradoxien und Komplexitäten des modernen Lebens integrieren muss, um den Weg zur Zielgruppe zu finden. Es ist immer von Vorteil, zuerst vom Kunden auszugehen und sich erst dann Gedanken über die Gestaltung zu machen.

verwendete Bilder: © lumen-digital - Fotolia.com

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