, MediaDer „digitale Bruch“ im Mediennutzungsverhalten

Der „digitale Bruch“ im Mediennutzungsverhalten

Ich kann mich noch sehr gut an das Ritual meiner Eltern erinnern, mit dem sie zu meiner Schulzeit in den Tag gestartet sind. Vor dem Aufbruch zur Arbeit wurde bei einer Tasse Kaffee die Zeitung durchgeblättert, um sich so über die aktuellen nationalen und internationalen Geschehnisse zu informieren.  Natürlich lief zwecks Informationsgewinnung und Unterhaltung auch das Radio während des Frühstücks.

Das Informations- und Unterhaltungsinteresse ist seitdem nicht gesunken, im Gegenteil. Aber haben sich die Bezugsquellen für News und Entertainment seit dieser Zeit gewandelt?

Heutzutage wird auf dem Weg zur Arbeit der Newsticker auf dem Smartphone überflogen, nebenbei bekommt man von Freunden Videos per Messenger zugeschickt oder vertreibt sich seine Zeit auf Seiten von Video-Channels oder Streaming-Diensten.

Die mediale Nutzung erfährt seit einiger Zeit einen Wandel

Durch die Möglichkeit, mit dem Smartphone Informationen und Unterhaltungsmöglichkeiten von nahezu jedem Punkt der Welt abzurufen, geraten etablierte Informationsquellen vermeintlich ins Straucheln. Laut einer Erhebung aus 2015 entfällt auf die Informationsbeschaffung über das Internet ein höherer prozentualer Anteil als auf die Tageszeitung – Tendenz: Steigend.

Jährliche Studien belegen die stetigen Veränderungen im Mediennutzungsverhalten. Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2016 ergab, dass 84 % der Deutschen „online“ sind. Im Durchschnitt nutzen rund 80 % der deutschen Bevölkerung die sozialen Medien, dabei liegt NRW neben Hessen mit 85, bzw. 86 % Nutzungsdichte an der Spitze. In Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern liegt der Durchschnitt mit 69 % am niedrigsten – für einen letzten Platz ein immer noch ordentlicher Wert.

Bleiben die traditionellen Medien wie Tageszeitung, TV und Radio auf der Strecke?

Der Deloitte Media Consumer Survey erscheint dieses Jahr zum zehnten Mal und durchleuchtet die digitale Nutzung im Vergleich zu etablierten Medien und die jeweilige Akzeptanz in verschiedenen Altersschichten. Die Ergebnisse der Studie möchte ich hier einmal näher darstellen.

Zu erwähnen ist hierbei im Vorfeld der Begriff „digitaler Bruch“. Dieser drückt das Alter aus, in dem digitale Angebote an Bedeutung verlieren und die traditionellen Medien mehr in den Vordergrund rücken.

Video

Graph der die Benutzung verschiedener Video Medien in verschiedenen Altersgruppen zeigt die Mindestens einmal in der Woche genutzt werden

Im Bereich der visuellen Medien ist gut zu erkennen, dass das klassische TV eine etwa gleichbleibend hohe Aufmerksamkeit generiert. Lediglich Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren bevorzugen Short Form Movies, also Kurzvideos auf Internetvideo-Kanälen.

Jedoch verlieren die meisten Online-Dienste mit steigendem Alter an Bedeutung. Auch Videos on Demand (jederzeit abrufbare Filme und Serien auf Portalen wie Maxdome oder Netflix) sinken in der Beliebtheit ab Mitte des 30. Lebensjahres deutlich, während das klassische Fernsehen ein wenig an Boden gutmacht.

Audio

Graph zeigt die Benutzung verschiedener Audio Medien in verschiedenen Altersgruppen die Mindestens einmal in der Woche genutzt werden

Das Radio gehört gerade in der Altersschicht ab 25 zu den mit Abstand beliebtesten Audio-Formaten. Im Bereich der jüngeren Probanden liegen klar Online-Musikportale an der Spitze. Aber auch die CD ist trotz neuerer Speichermedien noch nicht aus der Mode, selbst bei den trendbewussten Teenagern spielt sie noch eine (wenn auch kleine) Rolle.

Musikstreaming-Dienste wie Spotify oder Deezer verlieren ab Mitte der 20er extrem an Bedeutung. Auch wenn ich es mit beinahe Mitte 30 noch regelmäßig nutze.

Zeitungen

Graph zeigt die Benutzung von Printmedien in verschiedenen Altersgruppen die sie Mindestens einmal in der Woche verwenden

Zeitungen gelten gerade in der Sparte der Teenager als „langweilig“ und „old-school“. Jugendliche suchen, sofern sie überhaupt interessiert sind, die Neuigkeiten am liebsten im Internet. Im Laufe des Alters steigt das Informationsbedürfnis über die Zeitung an.

Während digitale Angebote und Online-Informationen mal mehr, mal weniger stark an Aufmerksamkeit verlieren, rückt die traditionell gedruckte Zeitung wieder mehr in den Fokus und ist ab Mitte 50 das beliebteste Zeitungsmedium.

Magazine

Graph zeigt die Benutzung von Magazinen in verschiedenen Altersgruppen die sie Mindestens einmal in der Woche benutzen

Auch im Bereich der Magazine und Zeitschriften sinkt mit steigendem Alter das Interesse an digitalen Bezugsquellen. Während bei Teenagern und Jugendlichen Internetartikel noch gefragt sind, legen Nutzer ab 50 vermehrt Wert auf Zeitschriften in gedruckter Form.

Besonders die kostenpflichtigen Angebote auf digitaler Basis verlieren mit dem Alter ihren Reiz. Dagegen kann Print in puncto Wertigkeit und Haptik punkten. Etwas „in der Hand“ zu haben, ist gerade für die ältere Generation ein Argument für die Zeitung in gedruckter Form.

Fazit

Aufgrund der neuen Möglichkeiten in der digitalen Welt steigt das Angebot an Bezugsquellen und sorgt somit für eine stetige Veränderung im Nutzungsverhalten. Gerade der jüngeren Nutzergruppe bietet sich so ein breiteres Spektrum an Informations- und Unterhaltungs-möglichkeiten. Grundsätzlich bedeutet dies jedoch nicht gleichzeitig das Ende traditioneller Angebote. Über alle Mediengattungen hinweg bedient jede Bezugsquelle eine oder mehrere Zielgruppen. Jedes Medium bietet individuelle Vor- und Nachteile und unterliegt altersbasierten Schwankungen.

Jedoch muss man berücksichtigen, dass es auch darauf ankommt, mit welchen Medien man aufgewachsen ist. Die Jugendlichen von heute, die mit mobilen und digitalen Informations-angeboten groß werden, nutzen diese womöglich auch weiterhin. Der digitale Bruch wird also kontinuierlich mit dem Alter ansteigen. Daher kann man von einer langfristigen Trendwende ausgehen, die digitale Medien immer stärker in den Vordergrund rücken wird, ohne jedoch die etablierten Medien endgültig zu verdrängen.

Guido Stratmann

Von Guido Stratmann

Arbeitet als Mediaberater für den Lokalradiosender Radio Sauerland.

Von | 2017-08-15T11:36:37+00:00 1. Dezember 2016|Digital, Media|0 Kommentare

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