, MarketingCSR im Ruhrgebiet: Die Kumpelkiste

CSR im Ruhrgebiet: Die Kumpelkiste

Der Begriff Corporate Social Responsibility – kurz CSR – ist mittlerweile in vielen deutschen Firmen ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur geworden.

Das heißt: Die Betriebe möchten gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und ihren Beitrag dazu leisten, auf Missstände hinzuweisen und dagegen vorzugehen.

Diese Sozialverantwortung wird von den Unternehmen freiwillig übernommen und kann ganz unterschiedlich aussehen.

Der Kumpelkiste Truck

verwendete Bilder: © FC Schalke 04

Natürlich möchten die Firmen dadurch auch das eigene Image pflegen und eine positive Markenidentät aufbauen. Daher ist es wichtig, dass das soziale Engagement zum Unternehmen passt und somit auch authentisch wirkt.

Regionales Engagement in Gelsenkirchen

Der FC Schalke 04 aus Gelsenkirchen hat in dieser Saison eine CSR-Kampagne gestartet, die in kurzer Zeit sehr erfolgreich angenommen wurde. Mit der „Kumpelkiste“ werden Sachspenden jeglicher Art gesammelt. Egal ob gut erhaltene Kleidung, gebrauchte Spielzeuge oder elektronische Geräte – alles findet Platz in der selbst entworfenen Kumpelkiste.

Mit dem Slogan „Haut den Schalkern die Kiste voll. Mit vereinten Kräften Gutes tun.“ wirbt der Verein bei allen Mitgliedern, Fans, Mitarbeitern, Partnern, Freunden und der gesamten Öffentlichkeit.

Kiste kaufen, packen und wieder abgeben

Das Konzept dahinter ist simpel: Beim Verein kann für kleines Geld eine Kumpelkiste erworben werden. Danach können die Käufer die Kiste mit nach Hause nehmen und dort mit allen Gegenständen füllen, die sie für den guten Zweck spenden möchten. Danach kann die Kumpelkiste an mehreren Stellen wieder abgegeben werden, wie z. B. zu öffentlichen Trainingszeiten und an Spieltagen bei der XXL-Kumpelkiste an der Geschäftsstelle in Gelsenkirchen, aber auch bei den Auswärtsspielen vom FC Schalke 04.

Danach werden die Kisten sortiert, geprüft und wieder neu gepackt. Am Ende erfolgt eine Ausgabe an soziale Einrichtungen in Gelsenkirchen und in ganz Nordrhein-Westfalen. Die Kumpelkiste ist eine Initiative gegen Armut. Auch der Großteil der Verkaufserlöse wird gespendet.

Ich habe mich mit Sebastian Buntkirchen, dem Geschäftsführer von Schalke hilft! getroffen und ihm ein paar Fragen zur Kumpelkiste gestellt:

Herr Buntkirchen, wie kam es zu der Idee, die Aktion „Kumpelkiste“ ins Leben zu rufen? Welchen Stellenwert hat soziale Verantwortung beim Verein FC Schalke 04?

Interviewpartner: Sebastian Buntkirchen

Interviewpartner: Sebastian Buntkirchen (rechts)

Sebastian Buntkirchen: „Die Anzahl hilfsbedürftiger Menschen nimmt stetig zu – auch in Nordrhein-Westfalen und speziell im Ruhrgebiet steigt sie unaufhaltsam. Kinder oder alte Menschen, Alleinerziehende sowie die unzähligen Menschen auf der Flucht: Die Not in Deutschland hat viele Gesichter. Der FC Schalke 04 möchte diese Not aktiv mitbekämpfen und ist sich seiner sozialen und gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst.

Zu helfen ist ein zentraler Bestandteil der Identität des FC Schalke 04. Aus diesem Grund wurde bereits im Jahre 2008 die vereinseigene Stiftung Schalke hilft! ins Leben gerufen. Sie ist Ausdruck der sozialen Verantwortung des Clubs, der in einer Region beheimatet ist, die insbesondere in den vergangenen 50 Jahren schwer vom Strukturwandel getroffen wurde.

Etwas an die Menschen zurückgeben

Als Verein, der von Bergarbeitern gegründet wurde, sieht sich der S04 in einer besonderen Verantwortung. Mit Schalke hilft! möchte er etwas an die Menschen zurückgeben, die ihn in den vergangenen 111 Jahren stets unterstützt und erst zu dem gemacht haben, was er heute ist: einer der größten Fußballvereine weltweit, ein international anerkannter und bekannter Club und ein wichtiger Arbeitgeber der Stadt. Schalke hilft! unterstützt deshalb zahlreiche soziale Projekte in Gelsenkirchen und der Region.“

Welche Kommunikationsmaßnahmen haben Sie ergriffen, um auf die Aktion aufmerksam zu machen? Wie war die anfängliche Resonanz auf die „Kumpelkiste“?

Sebastian Buntkirchen: „Um die Kommunikation mit Bürgern und Interessengruppen zu fördern ist eine vielschichtige Struktur erstellt worden: Startschuss war die Mitgliederversammlung im Juni 2015. Dort wurde die Kumpelkiste von unserem Vorstandsmitglied Alexander Jobst vorgestellt. Seitdem werden über Facebook, eine eigens für unsere Initiative erstellte Internetseite und die Internetseite des Vereins regelmäßig Beiträge zu unserer Initiative online gestellt.

Neben den zahlreichen eigenen Kommunikationskanälen des Vereins und der vereinseigenen Stiftung berichten Zeitungen, Zeitschriften, TV und Rundfunk, sowohl lokal als auch national, über die Initiative und Spendenübergaben.

Unterstützung durch Fanclubs

Unterstützende Fanclubs der Kumpelkiste sitzen Im Kumpeltruck

verwendete Bilder: © FC Schalke 04

Auf den Roadshows und an der XXL-Kumpelkiste auf dem Vereinsgelände erfolgt des Weiteren eine aktive Ansprache – Interessengruppen wie Schalker Fanclubs sind ebenfalls eingebunden und erreichen zahlreiche Menschen. Plakate zu der Kumpelkiste hängen vor jedem Auswärtsspiel in der jeweiligen Stadt.

Zudem helfen außerplanmäßige Veranstaltungen wie beispielsweise eine Projektwoche an der Fachhochschule Gelsenkirchen bei der externen Kommunikation. Auch weitere Projekte wie die Joblinge gAG Ruhr oder „Eine saubere Leistung“ von VW sind in die Organisation eingebunden. Die Ehrenamtsagentur in Gelsenkirchen wirbt für ehrenamtliches Engagement und macht auf unsere Initiative aufmerksam.“

Mir scheint, dass hinter der Aktion ein großer organisatorischer Aufwand steckt und eine aufwendige Logistik von Nöten ist. Wie ist der genaue Ablauf? Stemmt der Verein diese Aufgaben alleine?

Sebastian Buntkirchen: „Aus dem Bewusstsein seiner sozialen Verantwortung hat der FC Schalke 04 eine CSR-Initiative ins Leben gerufen, die als 360°-Kampagne über alle Vereinskanäle bespielt wird: Mitarbeiter des gesamten Unternehmens engagieren sich während und nach ihrer Arbeitszeit ehrenamtlich für die Kumpelkiste. Es wird nicht nur eingepackt, sondern vor allem ausgepackt, um die generierten Sachspenden zu sortieren und im Nachgang bedarfsgerecht verteilen zu können.

Mitarbeiter und Ehrenamtliche helfen mit

Nachdem bereits rund 4.500 gefüllte Kisten abgegeben wurden, heißt es für die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen, diese Spenden nahezu täglich in unser eigenes Lager zu transportieren, wo sie dann sortiert und weiterverarbeitet werden.

Koordiniert wird die ehrenamtliche Hilfe seitens eines festangestellten Mitarbeiters. Promotoren entlasten die Mitarbeiter zusätzlich während der Auswärtsspiele.“

Wie ist das Feedback von den Spendern bzw. den Empfängern? Gab es bereits besondere Geschichten hinter den Kisten?

Viele Kinder die sich über die Kumpelkiste freuen

verwendete Bilder: © FC Schalke 04

Sebastian Buntkirchen: „Insbesondere von unseren Spendenempfängern ist das Feedback aufgrund der pragmatischen und unbürokratischen Soforthilfe durchweg positiv. Das Spendenaufkommen unserer Mitglieder, Fans, Partner und Mitarbeiter ist stetig gestiegen.

Aufgrund des hohen Aufkommens gehen wir davon aus, dass unsere Spendenverteilung positiv bei den Spendern ankommt. Direktes Feedback erhalten wir zudem regelmäßig über unsere sozialen Netzwerke.“

Konnte sich die Marke „FC Schalke 04“ durch diese Aktion im Markt neu oder anders positionieren? Ist dieser Prozess messbar?

Sebastian Buntkirchen: „Der Verein selbst erzielt durch die Initiative einen deutlichen Mehrwert. Ob sich die Marke FC Schalke 04 hierdurch anders oder neu auf dem Markt positioniert hat, ist allerdings nicht nachzuweisen.“

Die Kumpelkiste ist eine Aktion innerhalb der Saison 2015/2016. Soll und kann die Aktion auch über das Saisonende hinaus fortgeführt werden? Wie planen Sie die Zukunft der Kumpelkiste?

Sebastian Buntkirchen: „Die Kumpelkiste wird auch in Zukunft Bestandteil des Vereins bleiben.Genaue Pläne werden derzeit intern abgestimmt.“

Vielen Dank für das nette Gespräch.

Dass ein Fußballverein aus dem Ruhrgebiet so viel gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, zeigt nur, dass jedes Unternehmen, egal aus welcher Branche, sich für soziale Projekte einsetzen kann.

Vielleicht gibt Ihnen mein Blogpost einen kleinen Anstoß zu überlegen, wie Sie und Ihr Unternehmen sich für soziale Projekte einsetzen können. Es muss ja nicht immer gleich eine komplette CSR-Kampagne sein, auch ein kleiner Spendenlauf zum guten Zweck kann schon eine tolle Summe einspielen, die dann gespendet werden kann.

Kati Blumenrath

Von Kati Blumenrath

Arbeitet seit 2014 als Projektmanagerin und Bloggerin für Marketing im Pott.

Von | 2017-08-15T16:39:37+00:00 8. April 2016|Best Practice, Marketing|0 Kommentare

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