Seine Marke hörbar machen… Fast jedes große, aber nur wenige mittelständische und kleine Unternehmen perfektionieren ihre Corporate Identity mit einem Markenklang.

Warum ist das so? Wie sieht der Weg hin zum Corporate Sound, also das Audio Branding, aus? Und für wen ist Audiokommunikation sinnvoll?

Interviewpartner: Stefan Nierwetberg

Interviewpartner: Stefan Nierwetberg. Foto: Privat

Über diese und weitere Fragen habe ich mit Stefan Nierwetberg, Inhaber und Geschäftsführer der P&P-Studios Audio Agentur in Regensburg, gesprochen.

Der Audio-Profi blickt auf eine 25-jährige Erfahrung im Bereich Audiokommunikation zurück und schult in seinen Webinaren Marketingfachkräfte, Führungskräfte und Mediaberater.

Herr Nierwetberg, was genau versteht man unter Corporate Sound?

Corporate Sound ist der hörbare Unternehmensauftritt.

Er ist Teil des Corporate Designs und ergänzt den visuellen Auftritt. Die Keimzelle des Corporate Sound ist in der Regel ein Audiologo wie etwa bei der Telekom oder ein bestimmter Soundscape wie bei O2 an dem sich das Unternehmen oder die Marke wie bei einem grafischen Logo leicht wiedererkennen lässt.

Das Audiologo oder der Soundscape finden sich dann in allen hörbaren Elementen, also Radio-/Fernsehwerbung, Telefonwarteschleife/ Imagefilm/ Klingelton etc. in Kurz- und Langformen oder in Bearbeitungen wieder.

Für wen ist das Thema interessant und warum?

Das Thema ist für Unternehmer, ihre Marketingverantwortlichen, aber auch für alle Mediaberater von Interesse.

Ein ganzheitlicher Marketingauftritt, der den hörbaren Kanal konsequent mit einbezieht und nicht heute so und morgen so daherkommt, ist im Sinne des Kunden, sei es nun im B2C- oder B2B-Bereich. Unternehmen können sich so merkbar von der Konkurrenz absetzen, denn der Kunde möchte Orientierung und Hilfe bei der Entscheidung, wer nun sein finanzielles Wohlwollen erhält.

Die meisten großen Firmen haben mittlerweile einen Unternehmensklang, die Mittelständler hinken hinterher. Warum ist das so und lohnt sich Ihrer Ansicht nach ein Corporate Sound auch für kleinere Unternehmen?

Viele Mittelständler vermuten hinter der Entwicklung eines eigene Corporate Sounds einen hohen Zeit- und Finanzaufwand. Daher scheuen sie davor zurück, dieses Thema anzupacken.

Sicher dauert der Prozess des Audiobrandings schon „etwas“ länger als die Produktion eines Radiospots zum Tag der offenen Tür. Audiobranding ist aber auch keine „Herkulesaufgabe“.

Wir erleben es oft, dass der Corporate Sound im Zusammenhang mit der Produktion von Telefonansagen oder einer Imagekampagne im TV oder Radio entsteht. In solchen Fällen wird die Implementierung des Corporate Sounds in das Marketing des Unternehmens auch gleich hörbar und entfaltet Wirkung nach innen und außen.

Ein Unternehmen, das einen eigenen Klang hat, hebt sich vom Wettbewerb hörbar ab.

Daher ist Corporate Sound als auditive Ergänzung zum visuellen Marketing für jede Unternehmensgröße – vom Ein-Mann-Unternehmen bis zum Großkonzern – wichtig und richtig.

Sie halten Webinare zum Thema Audiokommunikation. Was lernen die Zuschauer in diesen Schulungen?

Sie erfahren etwas über das Hören. Wie Gehörtes eingeordnet wird und wie viel Information darin steckt.

Sie lernen den Prozess kennen, durch den der Corporate Sound entsteht: das Audio Branding. Sie erkennen, dass dieser kreative Prozess kein beliebiges Rumprobieren ist, sondern ein vom Briefing und konsequentem Ausfiltern geprägter Ablauf.

Was macht einen guten Corporate Sound aus?

Ein guter Corporate Sound ist nicht beliebig, sondern orientiert sich am gesamten Unternehmens- und Markenauftritt – der ja meist schon existiert -und dockt dann an einer bestimmtem Stelle an dieses „Mutterschiff“ an.

Diese Stelle ist häufig die Kernidee des Corporate Sound. Wie bei der Telekom die auditive Umsetzung des visuellen Logos der 4 kleinen grauen Würfel und dem großen T in 4 tiefe und einen hohen Ton oder bei O2 eben die Übersetzung der Bildwelt der Luftblasen unter Wasser in einen liquiden Soundscape.

Man hätte bei der Telekom ja auch recht banal den Markennamen in die dazugehörigen sieben Mehrfrequenzwahltöne der sieben Buchstaben „übersetzen“ können.

Wenn man hier aber stattdessen zusammen mit den Unternehmern und Marketingverantwortlichen in einem kreativen Prozess die einfältigen, oberflächlichen Einfälle von den tiefergehenden Ideen trennt, so entsteht im Idealfall ein Unternehmensklang, mit dem sich das Unternehmen identifizieren und an dem sich der Kunde orientieren kann.

Welchen Corporate Sound finden Sie persönlich besonders gelungen?

Sicherlich mag ich das Telekom-Audiologo, denn es gehört mit seiner überzeugenden Umsetzung des visuellen Logos zu den „Klassikern“.

Dennoch bin auch ich schon viel früher mit Audiologos in Kontakt gekommen, die ich seit meiner Kindheit kenne und die ich besonders mag: so das „Schneekoppe“- oder das „Sanostol“-Audiologo.

Vielen Dank, Herr Nierwetberg!

Fazit:

Corporate Sound ist für Unternehmens-Riesen längst nicht mehr wegzudenken. Dabei profitieren auch Mittelständler vom – gut umgesetzten – Markenklang.

Auch wenn Audio Branding auf den ersten Blick aufwändig erscheint, ist es dennoch keine “Herkulesaufgabe”. Und es ist eine Investition, die für Aufmerksamkeit sorgt – allein schon aufgrund seiner enormen Reichweite.

Vanessa Lehmkuhl

Von Vanessa Lehmkuhl

Seit 2008 ist die Marketing- und Kommunikationswirtin im B2B-Vertrieb eines regionalen Medienunternehmens gegenüber Werbetreibenden beratend tätig.