, MarketingBusiness Knigge – Gelten die gleichen Regeln für alle?

Business Knigge – Gelten die gleichen Regeln für alle?

„Bin ich denn hier im Kindergarten – oder auf der Arbeit?“ Schwirrt Ihnen manchmal auch diese Frage durch den Kopf? Sie behaupten, dass gutes Benehmen doch schließlich in der Kinderstube beigebracht werden sollte.

verwendete Bilder: © momius – Fotolia.com

Für die Vermittlung von Manieren und guten Umgangsformen seien die Erziehungsberechtigten und die entsprechenden Einrichtungen wie Kita, Kindergarten und Schule verantwortlich. Klar, das stimmt schon. Wäre auf jeden Fall wünschenswert. Doch das reicht leider nicht ganz.

Denn…

. . . nicht sämtliche Ihrer Mitarbeiter oder Kollegen, von der obersten Führungsebene bis hin zum „normalen“ Arbeiter, haben in allen Lebenslagen eine gute Erziehung genießen dürfen bzw. befolgen diese.

Jedoch ist eine gute Kommunikation die Grundlage für erfolgreiches Arbeiten innerhalb des Betriebes und ist die Basis für eine gute und stabile Kundenbeziehung. Denn wer sympathisch rüberkommt, punktet.

Leben Sie es vor.

Jeder Einzelne spiegelt die Unternehmenskultur wider und verbreitet diese nach außen. Ob nun bewusst oder unbewusst, Ihr Kunde wird es erfahren, wie in Ihrem Unternehmen miteinander und mit ihm selbst umgegangen wird. Je respektvoller Sie die Mitarbeiter führen und diese mit Ihren Kunden umgehen, umso loyaler werden Ihre Mitarbeiter wiederum, sich Ihnen und Ihrem Unternehmen gegenüber verhalten. Das könnte ein klarer Wettbewerbsvorteil sein.

. . . die richtigen Umgangsformen müssen auf das Umfeld abgestimmt werden.

In einer heute globalisierten Welt muss man sich über die interkulturellen Unterschiede seiner internationalen Geschäftspartner bewusst sein. Erkundigen Sie sich, welche Verhaltensweisen von diesen erwartet werden. Auch branchenspezifisch kann es große Unterschiede geben.

Beispiel:

Ein Kunde einer Bank wäre sicherlich höchst überrascht, wenn Ihm der Bankberater sagen würde: „Du nimm mal ein bisschen Geld und packe die Kohle in den Fond, da wirst du staunen, was es Dir auf deinem Konto bringt.“ Wenn der Fahrradhändler so locker mit Ihnen sprechen würde, hätte man damit kein Problem: „Du trittst mal fester in die Pedale und nutz den anderen Gang, dann staunst Du wie schnell das Fahrrad abgehen kann.“ Dafür erwartet man von diesem sicherlich nicht: „Investieren Sie Ihr Geld in das Fahrradmodell XY. Sie können dieses als Geldanlage sehen und es in ein paar Jahren wertsteigernd veräußern“.

Versuchen Sie folgende Fragen für Ihr Unternehmen zu beantworten:

Wer sind Ihre Kunden? Aus welchem Kulturkreis kommen diese? Wie sollte man mit ihnen sprechen und umgehen? Welche Verhaltensweisen sind passend? Siezen Sie Ihre Kunden oder stehen Sie in einem Duzverhältnis zu Ihnen? Wofür steht Ihre Marke –  Ihr Produkt und Ihre Person? Wie möchten Sie bei Ihren Mitmenschen wahrgenommen werden? Wie ist Ihre Unternehmenskommunikation, sowohl nach innen wie auch nach außen gerichtet? Spiegelt sich dieses auch in Ihrer Werbung wider?

Vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern, wie mit Ihren Kunden, Handelspartnern umgegangen werden soll.

Machen Sie mit Ihrem ersten Eindruck – Eindruck!

Achten Sie besonders auf Ihr äußeres Erscheinungsbild.

Was sagt Ihre Kleidung über Ihre Person und Ihr Unternehmen aus? Wie würden andere Menschen Sie beschreiben, wenn man Sie sieht? Passt dieses Erscheinungsbild zu Ihrer Firmenphilosophie? Treten Sie eher „Smart casual“ oder „Sportlich elegant“ auf? Welchen Dresscode sollten Ihre Mitarbeiter befolgen? Macht es eventuell Sinn, dass Ihr Team einheitlich gekleidet ist?

Auch das Business – Outfit, sprich die Kleidung „im Geschäft“, unterscheidet sich sowohl interkulturell als auch in den einzelnen Branchen. Was bei dem einen Unternehmen gerne gesehen wird, kann bei dem anderen Unternehmen schon der halbe Rauswurf sein. Piercings können im Unternehmen als hübsches Accessoire angesehen werden, hingegen könnte in einem anderen Betrieb sich der Träger darauf gefasst machen, dass er beim öffentlichen Tragen des Schmuckstücks ins Chefbüro zitiert wird.

… Benimmregeln können sich im Laufe der Zeit wandeln und sich den Gegebenheiten anpassen. Was vor 10 Jahren noch ein „No-Go“ war, könnte heute bereits „up to date“ sein.

Fast jeder hat diese Situation schon einmal erlebt:

Eine Person fängt laut an zu niesen. Man möchte höflich sein und reagiert mit: „Gesundheit“ und ein Dritter lässt dann verlauten: „Laut Knigge soll man doch nach dem Niesen nicht mehr „Gute Besserung“ wünschen….“ Gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit ist eben vieles im Wandel. Eben auch die gewünschten Umgangsformen unterliegen dem Trend und passen sich stets der Zeit an. Die Email ersetzt heute häufig den klassischen Geschäftsbrief, oft auch das Telefonat. Daher sollte man sein Verhalten immer mal wieder hinterfragen, ob dieses noch zeitgemäß ist.

… es besteht ein großer Unterschied, ob man als Privatperson auftritt oder geschäftlich unterwegs ist.

Auf einer Grillparty, bei 27 Grad im Schatten, mit Anzug und Krawatte… Nein, das möchte ich mir selbst als Frau nicht vorstellen. Jedoch auf der Arbeit, bei Meetings oder bei einem abendlichen Geschäftsessen, man präsentiert nicht nur sich, sondern man repräsentiert gleichzeitig auch immer das Unternehmen, für das man arbeitet. Darüber muss man sich bewusst sein und Verhalten sowie Dress gegebenenfalls anpassen. Auffällig allerdings, der Schlips scheint auf dem Rückzug zu sein. Selbst Staatspräsidenten, Minister und Wirtschaftsmanager treten heute auch schon mal ohne den Binder vor die Kamera.

Vor wenigen Jahren undenkbar!

Gerade Berufseinsteiger, oder neue Mitarbeiter stellen sich oft die Frage, um nicht ins Fettnäpfchen zu treten, welches Outfit z.B. am besten angebracht sei. Je klarer Ihr Unternehmen sich bereits während des ersten Bewerbungsgespräches präsentiert, desto einfacher wird es sein, die Richtung zu begreifen. Zeigen Sie wofür Sie stehen und man wird es Ihnen nachahmen.

Wie soll man da bei alledem noch den Überblick behalten?

Es gibt viele Anbieter im Bereich Business – Knigge. Auch im worldwideweb werden zahlreiche, wertvolle Tipps gegeben, wie man sich auf dem Businessparkett verhalten sollte. Ihre Aufgabe besteht darin, in Ihrem Unternehmen, als ein Zahnrad von vielen, den richtigen Rahmen zu finden. Je klarer dieser abgesteckt ist, desto stilvoller und souveräner ist das Auftreten jedes einzelnen Mitarbeiters und so höher ist die Authentizität des Angestellten. Heutzutage ist es sicherlich in einigen Bereichen der Geschäftswelt etwas lockerer geworden. Auch der Mitarbeiter sieht sich noch stärker als Individuum und möchte sich in seiner Tätigkeit entfalten. Die Individualität der Marken spiegelt sich heute zudem noch deutlicher im Umgang mit dem Kunden wider. Umso wichtiger ist es, Ihrem Team, einen Rahmen zu geben, der für Ihr Unternehmen Gültigkeit hat und in diesem er sich frei bewegen kann.

Apple duzt all seine Kunden. Das gehört zum Marketingkonzept des Unternehmens und ist sicherlich ein kleiner Baustein zu seinem Erfolg gewesen. Die Idee wird Nachahmer finden.

Anna Waltemathe

Von Anna Waltemathe

Arbeitet seit 2009 als Mediaberaterin für den privaten Rundfunksender Radio Vest im Kreis Recklinghausen.

Von | 2017-08-15T14:13:33+00:00 5. August 2016|Management, Marketing|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Sara-Marie_D 6. September 2017 um 15:26 Uhr- Antworten

    Ein sehr spannender Artikel, ich hatte viel Freude beim Lesen. Ich habe die ganze Thematik noch nicht so aus diesem Blickwinkel betrachtet. Es gibt einige Fallstricke und Fettnäpfchen in die man tappen kann. Ich finde das Beispiel mit dem Niesen sehr passend. Ich persönlich wünsche oft noch Gesundheit, obwohl es ja eigentlich nicht mehr „gestattet“ ist. Im Büro und unter Kollegen ist das kein großes Problem. Bei Kundenterminen kann es dann doch schon anders aussehen, vielleicht ist hier eine bessere Option ein Taschentuch anzubieten.
    Das Outfit und das Aussehen spielt auch eine wichtige Rolle. Früher waren Anzüge und glatt rasierte Bärte bei den Herren Gang und Gebe und sogar Pflicht. Auch das hat sich gewandelt. Ein Drei-Tage-Bart ist heut oft akzeptiert, manchmal ist auch ein gepflegter Vollbart kein Problem. Das hängt natürlich auch von der Branche und der Größe des Unternehmens ab. Es muss eben passen. Genauso wie bei der Geschäftskorrespondenz. Hier gibt es auch Regeln und Normen, die stetig angepasst werden. Ein gutes Beispiel ist für mich das Briefpapier und im Allgemeinen die Gestaltung von Geschäftsbriefen. Je nach Unternehmen und Branche sind beispielsweise farbige Briefkuverts wie diese hier (https://www.brief-huellen.de/inspiration/cmyk) kein Problem. Im Gegenteil sind dienen auch als Alleinstellungsmerkmal.
    Anpassung und stetige Beobachtung ist also der Schlüssel für einen professionellen, gepflegten und der Branche entsprechen Auftritt. Dabei helfen die im Artikel vorgestellten Fragen für die Positionierung sehr.

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