Bewerbertag – eine Alternative zum klassischen Einzelgespräch

Bewerbertag – eine Alternative zum klassischen Einzelgespräch

Den ersten Schritt, um neue Mitarbeiter zu finden, haben Sie erfolgreich getan. Es liegt ein Stapel mit interessanten Bewerbungen auf Ihrem Schreibtisch und jetzt müssen Sie die Auswahl treffen: Mit welchen und wie vielen Bewerbern führen Sie Gespräche?

Meiner Erfahrung nach dauert es mindestens 90 Minuten, um im Bewerbungsgespräch einen guten Eindruck von dem jeweiligen Bewerber zu bekommen, seine Vorstellungen mit den Anforderungen und Gegebenheiten des Unternehmens abzugleichen und seine Fragen zu beantworten.

Zwei Stühle

Foto: viperagp – Fotolia.com

Vermutlich führen Sie dieses Gespräch auch nicht alleine, sondern haben noch Unterstützung von Kollegen, die für den jeweiligen Bereich verantwortlich sind, für den Sie gerade neue Mitarbeiter suchen.

Nach dem Gespräch nehmen Sie sich nochmals 15-30 Minuten Zeit, um Ihre Eindrücke festzuhalten und um zu entscheiden, ob der Bewerber auch wirklich zu Ihnen und der vakanten Position passt.

Das alles kostet sehr viel Zeit, so dass Sie sicherlich nur mit den Bewerbern sprechen, die laut Ihren Unterlagen am besten geeignet scheinen.

Mehr als nur die „vermeintlichen“ Top 3 der Bewerber kennenlernen

Seit einigen Jahren gehen wir einen etwas anderen Weg und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht, was Effizienz und Trefferquote angeht.

Wenn wir mehr als zehn interessante Bewerbungen erhalten, führen wir zunächst keine Einzelgespräche mehr, sondern laden zu einem „Bewerbertag“ ein. Dazu können wir dann nicht nur die drei Besten einladen, sondern auch die Interessenten, die wir laut ihren Unterlagen vielleicht nicht direkt zum Gespräch eingeladen hätten.

Wir versenden ca. 20 Einladungen und haben so zwischen 10 und 15 Kandidaten, die wir am Bewerbertag persönlich kennenlernen. Also mehr als dreimal so viele wie in Einzelgesprächen.

Vorbereitung und Ablauf des Bewerbertages

Bereits in der Einladung erfahren die Bewerber genau, was an diesem Tag auf sie zukommt. Wir möchten die Bewerber an diesem Tag kennenlernen – kein Bewerber-Assessment durchführen.

Die Einladung versenden wir bewusst per Post und nicht per Mail. Dies kommt bei den meisten Bewerbern sehr gut an und wird als deutlich persönlicher und wertiger wahrgenommen. Als Veranstaltungsort wählen wir ein gutes Tagungshotel.

Aus unserem Unternehmen sind wir mit drei Personen vor Ort. Die Geschäfts- oder Bereichsleitung führt durch den Tag, jemand aus dem Fachbereich, der mit dem zukünftigen Mitarbeiter zusammenarbeitet und ein Vertreter der Personalabteilung beobachten den gesamten Verlauf und vor allem die Bewerber.

Wir verständigen uns vorher darüber, welche Kompetenzen uns neben den fachlichen Qualifikationen besonders wichtig sind und machen uns dazu dann entsprechende Notizen.

Wir begrüßen die Teilnehmer und haben auch für jeden ein Namensschild vorbereitet, damit jeder Bewerber auch jederzeit richtig zugeordnet werden kann. Nicht immer erkennen Sie Ihre Bewerber von den Fotos auch im wirklichen Leben wieder.

Auch das Unternehmen bewirbt sich

Zunächst präsentieren wir das eigene Unternehmen. Neben den Daten und Fakten, wie die Anzahl der Mitarbeiter und die Unternehmensstruktur informieren wir auch über die Markt- und Wettbewerbssituation.

Dann beschreiben wir nochmals die Aufgaben und Anforderungen der vakanten Stelle und machen auch deutlich, was uns wichtig ist und welche Ziele wir haben.

Wir laden dazu ein, auch Fragen zu stellen. Oftmals entsteht dabei eine rege Diskussion und man bekommt so schon einen ersten persönlichen Eindruck von einigen Teilnehmern – positiv wie negativ.

Im Anschluss machen wir bewusst eine Pause, um zu sehen, wie die Bewerber sowohl untereinander als auch mit uns interagieren. Ich finde, gerade in diesen Situationen bekommt man nochmals einen sehr guten Eindruck von den sozialen Kompetenzen der Bewerber.

Jetzt kommt der wesentlichste Teil des Tages, jeder Bewerber stellt sich in der Gesamtrunde vor.

Wir möchten dabei keine Powerpoint-Präsentation sehen: Jeder Bewerber soll kurz darlegen, wer er ist – was er bereits gemacht hat und warum er sich für die vakante Position und unser Unternehmen interessiert.

Zum Schluss beantworten wir noch weitere Fragen der Bewerber und bitten dabei auch um Feedback zu diesem Verfahren. Zusätzlich geben wir einen Ausblick, in welchem Zeitrahmen wir die Entscheidung treffen und wie es dann weitergehen kann, wenn wir den Eindruck haben, dass ein Bewerber zu uns passt.

Nicht nur die fachliche Qualifikation zählt

Wenn wir vakante Stellen im Verkaufsbereich besetzen müssen, gehen wir nur noch diesen Weg. Gerade im Verkauf zählt aus unserer Sicht der erste Eindruck. Die sozialen Kompetenzen sind oftmals entscheidender als die fachliche Qualifikation.

Wenn Sie einen halben Tag mit den Bewerbern verbringen, erkennen Sie, wer zu Ihrem Unternehmen passt und wie der Bewerber in ungewöhnlichen Situationen und gegenüber Fremden agiert.

Skills, die für einen guten Verkäufer enorm wichtig sind.

Oftmals haben wir so Bewerber kennengelernt, die wir zwar nicht sofort einstellen konnten, aber zu einem späteren Zeitpunkt zu einer anderen Vakanz gepasst haben. So sparen wir uns eine neue Ausschreibung und dadurch viel Zeit und Geld.

Uns ist immer wieder bestätigt worden, dass dieses Auswahlverfahren bei den Bewerbern einen sehr positiven Eindruck hinterlässt, weil auch sie etwas mehr vom Unternehmen erfahren und kennenlernen. Häufig werden wir dann auch weiterempfohlen, ein Faktor, der aus meiner Sicht gerade in Hinblick auf die Zukunft, wenn es nicht mehr so viele Bewerber geben wird, immer wichtiger wird.

Das Ganze ist natürlich nicht neu, aber ein Ansatz, wie Sie sehr zeiteffizient einen sehr guten Eindruck von Ihren potenziellen neuen Mitarbeitern bekommen.

Vielleicht ist es eine Inspiration für Sie, für Ihr Unternehmen ein neues Auswahlverfahren zu entwickeln?

Britta Sippel

Von Britta Sippel

Arbeitet als Verkaufs- und Marketingleitung bei der Westfunk GmbH & Co. KG in Essen.

Von | 2017-08-10T17:15:35+00:00 28. November 2014|Management|0 Kommentare

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