Die Tourismusregion Kreis Kleve bietet mehr als nur Grünkohl und Spargel. Dies belegen nicht zuletzt die über 944.000 Übernachtungen von Wachtendonk im Süden bis Emmerich im Norden. Und der Erfolg kommt nicht von ungefähr!

Auch bei der Kreiswirtschaftsförderung gehört Klappern zum Handwerk. Ich sprach mit deren Geschäftsführer Hans-Josef Kuypers über die Strategien, mit denen sich der Kreis als Nah- und Fernerholungsziel erfolgreich positioniert.

Herr Kuypers, welche Stärken hat der Kreis Kleve, und wie rücken Sie diese in den Fokus?

Nathalie Tekath-Kochs und Hans-Josef Kuypers von der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve stellten unlängst den jüngsten Radwanderführer vor. Aktuell ist ein neues Produkt zum Knotenpunktsystem zur Drucklegung. Foto: FUNKE Foto Services

Nathalie Tekath-Kochs und Hans-Josef Kuypers von der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve stellten unlängst den jüngsten Radwanderführer vor. Foto: FUNKE Foto Services

Hans-Josef Kuypers: „Der Kreis Kleve ist die ablenkungsarme Grüne Lunge zwischen den Ballungsräumen Ruhrgebiet, Landeshauptstadt und Randstad Holland. Wir sind daher für Tagestouristen die ideale Ziel-Region, für den Kurzzeit-Urlauber nahezu perfekt zu erreichen.

Von weitem lockende Schlösser und Burgen, einladende Gärten und Parks, Event-Gelände wie das Wunderland Kalkar oder das Irrland in Kevelaer – die größte Bauernhof-Erlebnisoase Europas – prägen den Erlebnis-Reichtum der Region. 1.000 Kilometer bestens ausgestattete Radwege, seit jüngstem als Knotenpunktsystem fürs Radeln nach Zahlen miteinander verbunden, sprechen insbesondere die Stahlross-Freunde an. Die Wanderer, die Jogger, vor allem die Golfer finden bei uns, was sie suchen. Natürlich auch die Pilger, die mit der Wallfahrtsstadt Kevelaer gleich Nordwest-Europas größten Wallfahrtsort besuchen können.

Dies alles gilt es auch nach draußen zu verkaufen. Wir suchen unsere Zielgruppe da, wo sie Interesse bekundet. Mediale Aufmerksamkeit ist uns besonders wichtig, daher spielt die Kommunikation mit den Printmedien, den Rundfunkstationen oder, wenn machbar, den Fernsehanstalten eine große Rolle. Immer wichtiger werden natürlich auch die elektronischen Medien.”

Womit überzeugen Sie junge Menschen, sich mit ihrer Geschäftsidee genau hier anzusiedeln?

Hans-Josef Kuypers: „Da bin ich geneigt, unseren Landrat Wolfgang Spreen zu zitieren: „Wir arbeiten, wo andere Urlaub machen.“ Wir haben hier eine lebenswerte Region, in der das Bauen noch erschwinglich ist, in der die Gewerbeflächen noch bezahlbar sind und in der potenziellen Investoren in allen Städten und Gemeinden sogenannte „Kümmerer“ zur Seite stehen, die eine neue Geschäftsidee für den Standort auf den Prüfstand stellen.

„Gründerland Kreis Kleve – Ideen finden ihr Zuhause“ ist unser Slogan überschrieben, mit dem wir den Gründungsgedanken im letzten Jahr in die Köpfe junger und jung Gebliebener zu pflanzen versucht haben. Die Resonanz war sehr überzeugend. Das Interesse war riesig. Die Krankenkassen weisen nach, dass der Krankenstand der Beschäftigten hier deutlich geringer ist als landesweit. Der Pro-Kopf-Umsatz eines im Handwerk Beschäftigten ist hier vor Ort deutlich höher als landesweit. Das Gründen hier im Kreisgebiet bietet also auch messbare Vorteile, die wir stets auch benennen.”

Auf seiner Internetseite wirbt der Kreis mit dem Slogan „Kreis Kleve … mehr als Niederrhein“. Wie definieren Sie dieses „Mehr“?

Hans-Josef Kuypers: „Dieses Mehr gilt selbstverständlich für all das, was bereits Erwähnung gefunden hat. Es findet aber auch Bestätigung in der überzeugenden Infrastruktur bei den Hotels, die in den letzten Jahren deutlich mehr und deutlich besser geworden sind. Hier haben private Investoren gemerkt, wie gut sich der Zuspruch unserer Niederrhein-Region entwickelt hat – dies auch aufgrund der engen Zusammenarbeit mit dem Niederrhein Tourismus.

Soeben erst wurde ein weiteres Rilano-Hotel in Wallfahrtsstadt Kevelaer eröffnet, in der Nachbarstadt Geldern war jüngst das Rohbau-Fest für das zweite Hotel der Familie Janssen, die über das Hotel SeePark Janssen hinaus nun das erste JA-Hotel baut und im April fertiggestellt haben wird. Ferner darf ich Ihnen sagen: An zwei weiteren Standorten denken Investoren final darüber nach, Vergleichbares zu schaffen.

Außerdem: Im Kreis Kleve gibt es mehr als 420 Ferienwohnungen, zum großen Teil durch den DTV klassifiziert und mit Sternen ausgestattet. Und nicht vergessen sollten wir, dass in jeder der 16 Städte und Gemeinden unseres Kreisgebietes mindestens ein Reisemobil-Stellplatz lockt. Reisemobilisten sind eine wichtige, auch kaufkraftstarke Zielgruppe, die wir ebenso gerne sehen wie die Busreisenden. Alle zwei Jahre organisieren wir den sogenannten „Busunternehmertag Kreis Kleve“, zu dem von den 1.600 geladenen Firmenchefs gut 120 kommen. Wir sprechen gerne von „drei Bussen voller Busunternehmer“, die dann ein Wochenende in „ihrer künftigen Zielregion“ verbringen. Also: Unser „Mehr“ ist vieles von dem, was wir auch an Infrastruktur und Dienstleistung einbringen.”

Was macht den Kreis Kleve besonders für Touristen so interessant?

Hans-Josef Kuypers: „Wir werden den Eindruck nicht los, dass unsere Gäste, das sind vielfach die jungen Familien und die sogenannten Best Ager, in Zeiten von Nachhaltigkeit und Umweltschutz vor allem die Naturverbundenheit, die ablenkungsarme Umgebung und die Chance auf Entschleunigung wertschätzen. Unsere vielen Kilometer Radwegenetz verbinden ebenso riesige Waldgebiete wie sehenswerte Städte und Gemeinden, führen an alten Rheinarmen und belebten Rheinpromenaden ebenso vorbei wie an alten Windmühlen, in denen noch frisch gebackenes Brot oder selbst gebrautes Bier zu haben ist. Also: Der Tourist erlebt hier eine Umgebung, die bei aller Modernität das Bewahren des Gewohnten pflegt.”

Mit welchen Maßnahmen bewerben Sie diese Attraktionen?

Hans-Josef Kuypers: „Zunächst einmal scheint uns hier der Blick auf die Gäste-Buchungen und damit die Zielgruppen wichtig. Junge Familien und Best Ager lassen sich immer noch und überzeugend gut mit Print-Medien erreichen. Daher lieben wir nach wie vor das Gedruckte, daher haben wir auch in diesem Sommer das NRZ-Magazin „Unterwegs im Kreis Kleve … ganz schön abgefahren“ tausendfach auf den Weg gebracht. Hier haben zwei ebenso sportliche wie wissbegierige junge Mitarbeiterinnen auf umweltfreundlichen e-Rollern und in Journalistenbegleitung das Kreisgebiet vorgestellt. Phantastisch.

Ansonsten bespielen wir – je nach Budget – die komplette Klaviatur von Anzeigenwerbung über Prospektwerbung, über Messeauftritte, Versandaktionen und manches mehr. Auch die Einladung wichtiger Multiplikatoren gehören dazu oder Vorträge zum Thema „Nachhaltiger Tourismus“. Die elektronischen Medien ebenfalls.”

Spielen Imagekampagnen eine wichtige Rolle beim Stärken des Standortes?

Hans-Josef Kuypers: „Die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve versteht sich als wichtiges Bindeglied zwischen den Aktivitäten in den Städten und Gemeinden vor Ort und dem Niederrhein Tourismus, der die weite Region bewirbt. Da ist es selbstverständlich, dass wir imagefördernde Aktivitäten und Kampagnen so setzen, dass sie sich in die lokalen und regionalen Botschaften sinnhaft einbringen. Wir halten sie für ganz eminent wichtig.”

Welche Messen und Veranstaltungen nutzen Sie, um für die Tourismusregion Kreis Kleve zu werben?

Hans-Josef Kuypers: „Wir sind auf der ITB in Berlin zusammen mit dem Land NRW und dem Niederrhein Tourismus, besuchen die Reise+Camping in Essen, sind auf ausgewählten Messen in den Niederlanden vertreten und freuen uns in jedem Jahr, unseren Saisonstart auf der Touristikmesse Niederrhein in Kalkar erleben zu können. Hier wird die Vielfalt der heimischen Region geboten – auch die Städte und Gemeinden aus dem Kreisgebiet sind dabei. Außerdem waren wir beim Hafenfest in Duisburg und dem Reisemarkt in Düsseldorf vertreten.”

Aspekte wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit nehmen für die Verbraucher auch in Sachen Reisen einen immer höheren Stellenwert ein. Wie trägt der Kreis diesem Trend Rechnung?

Hans-Josef Kuypers: „Der Kreis Kleve empfindet sich als Fahrrad-Region. Mehr als 1.000 Kilometer Radwegenetz sprechen hier eine deutliche Sprache. Soeben erst wurde für fast eine halbe Million Euro ein vernetztes Knotenpunktsystem eingebracht, das ein Radeln nach Ziffern möglich macht. Kurzum: Die Kernkompetenz im touristischen Kreis Kleve ist ebenso sportlich wie klimaverträglich und nachhaltig. Dies bestätigen auch unsere werblichen Botschaften, weil wir um den wachsenden Stellenwert des nachhaltigen Tourismus wissen. Wir freuen uns sehr, dass die Hochschule Rhein-Waal hier einen eigenen Studiengang entwickelte, für den Professor Dirk Reiser steht und der seine Strahlkraft von Kleve aus entfaltet. Das strahlt auch für die Nachhaltigkeit der Region.”

Herr Kuypers, vielen Dank für das Interview.

Claudia Brück

Von Claudia Brück

Arbeitet als Produktmanagerin bei der FUNKE Media Sales.